Unfassbar : Bestatter bleiben auf Urnen sitzen

Bestatter Heiko Schönsee muss manchmal monatelang warten, bis er die Urne in die Erde bringen kann.
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Bestatter Heiko Schönsee muss manchmal monatelang warten, bis er die Urne in die Erde bringen kann.

Erben können oder wollen die Kosten nicht übernehmen / Beisetzung manchmal über Monate offen / Inkasso oft die letzte Lösung

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26. November 2014, 08:00 Uhr

Ist die Asche erst einmal in der Urne und diese bestenfalls auch schon unter der Erde, sehen manche Angehörigen ihre Pflicht erfüllt. Doch ein wichtiges Detail bleibt oft unbeachtet: die Rechnung. Denn manchen Verwandten scheint es dann nicht mehr so wichtig, für den letzten Weg der verstorbenen Tante oder des entschlafenen Opa aufzukommen. Mal ist der Sparstrumpf leer, mal das Erbe bereits verprasst, im schlimmsten Fall sind die Erben nicht gewillt zu zahlen. Die Bestatter bleiben sprichwörtlich auf den Kosten sitzen.

„Ein Unding“, sagt Heiko Schönsee von der gleichnamigen Bestattungskultur GmbH. Der Schweriner Bestatter kennt das Problem. „Ich habe momentan wieder einige Kunden, die sich schlecht kümmern“, formuliert er den Zahlungsunwillen freundlich. Die einzige Möglichkeit, die ihm vorerst bleibe sei reden. Mit einem Inkassounternehmen will er die Angehörigen nach Möglichkeit nicht behelligen. „Aber wenn es gar nicht anders geht, dann machen wir auch das“, versichert er. Oft seien die Bestatter der Prellbock für private Probleme. „Immer sind wir schuld. Aber daran kann man sich gewöhnen. Doch für alles zahlen, das geht eben nicht“, bringt es Heiko Schönsee auf den Punkt. Manchmal steht die Urne einige Monate bei ihm im Regal, weil Angehörige meinen, alles würde sich von allein regeln. Es gab Fälle, bei denen er zwei Jahre ums Geld gekämpft hat. „Aber man bekommt ein Gespür für die Leute. Ich bitte gelegentlich um eine Anzahlung, insbesondere für die Auslagen, denn es geht hier nicht um kleine Beträge“, erklärt er. Heiko Schönsee erwartet einfach, dass die Kunden ehrlich sind. „Wenn man offen über Probleme spricht, dann ist das kein Thema. Aber vom Feinsten bestellen und dann nicht zahlen, das geht nicht!“

Im Schweriner Bestattungshaus Mehl ist die Problematik ebenfalls bekannt. „Doch Grund des Übels ist doch, dass der Tod immer noch ein Tabu-Thema ist. Weder junge noch ältere Menschen reden darüber. Man muss schon zu Lebzeiten an sein Ende denken und auch vorsorgen, sodass das gar kein Problem werden muss“, sagt Alexander Mehl. Sollte das Budget der Angehörigen schmal sein, hilft Mehl bei Anträgen für das Sozialamt.

Im Bestattungsinstitut Hennig ist die Zahlungsmoral mancher Kunden auch nicht die beste. Doch Andreas Hennig versichert: „Bei uns bleibt keine Urne stehen.“ Es sei eine Frage der Pietät. „Der Tod lässt sich nur verarbeiten, wenn der Verstorbene seine letzte Ruhe gefunden hat“, erklärt der Schweriner Bestatter. Das Risiko der Kosten trage stets der Bestatter.

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