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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 19:50 Uhr

Obdachlos : Bescheidener Wunsch ohne Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sabine Schwäger hat ein kleines Zimmer in der Schweriner Wohnungslosenunterkunft – ein eigenes Zuhause ist ihr einziger Traum

von
erstellt am 04.Jan.2015 | 09:00 Uhr

Die Tage des neuen Jahres lassen sich noch ohne Probleme an einer Hand abzählen. So manch einer hadert noch mit den guten Vorsätze, oder arbeitet bereits an den Wünschen für 2015.

Für Sabine Schwäger ist der Blick auf das neue Jahr eher traurig. „Ich habe keine eigene Wohnung, mein Sohn ist mittlerweile 27 Jahre alt und ich habe ihn nur ein einziges Mal nach der Geburt gesehen. Mein tägliches Leben dreht sich um den Alkohol“, sagt sie und schaut betrübt aus dem Fenster. Die einzige Konstante im Leben von Sabine Schwäger ist das Zimmer in der Schweriner Wohnungslosenunterkunft im Mittelweg. „Hier bin ich schon viele Jahre, habe mittlerweile sogar ein Einzelzimmer, aber ein Zuhause wird das nicht“, sagt die 52-Jährige. Dass sie einmal so weit unten landet, hat die Schwerinerin nicht gedacht. „Ich habe Schienenwart bei der Deutschen Reichsbahn gelernt, habe später bei VEB Bauelemente gearbeitet. Dann gab es irgendwann den blauen Brief und dann habe ich angefangen zu trinken“, gibt sie zu. Es fällt ihr nicht leicht darüber zu reden. „Das macht doch keiner gern. Doch es ist auch weniger geworden, meistens trinke ich nur Bier“, erzählt die 52-Jährige. Oft betäube der Alkohol aber nicht nur den Schmerz über das eigene Leben, sondern sei auch ein probates Mittel, um ein bisschen Freude zu haben. „Anders wäre es sehr trostlos. Und ich denke auch nicht, dass ich überhaupt davon loskommen würde. Ich will es aber auch nicht“, sagt sie ehrlich. Sabine Schwäger hat sich arrangiert, mit sich, ihrem Leben und auch ihren Wegbegleitern. „Seit 13 Jahren habe ich einen Freund. Er wohnt nicht im Obdachlosenheim. Zu ihm ziehen, das würde aber nicht gut gehen. Ich bin Steinbock und er ist Skorpion. Das harmoniert nicht immer. Aber auch daran gewöhnt man sich“, erklärt die Schwerinerin. So bleibt wohl in diesem Jahr ihr einziger Wunsch, ein richtiges eigenes Zuhause zu bekommen.

Die Mitarbeiter der Comtact GmbH, unter deren Regie die Wohnungslosenunterkunft geführt wird, sind sich sicher, dass das Gros ihrer Bewohner auch Ende 2015 noch da ist. „Wir sind oft die Endstation, manchmal klappt es nicht, dass sie allein wohnen können. Manche schaffen den Absprung, wir helfen, wo wir können“, sagt Barbara Bays. Sie und Heike Koch sind die guten Seelen des Hauses. Immer wieder versuchen sie, die Bewohner in die richtige Richtung zu leiten. „Nicht jeder will das. Manche können auch nicht“, sagt Barbara Bays. Sie ist ehrlich und spricht auch das Grundproblem unverblümt an: „So wie manche sich benehmen, ist es kein Wunder, dass sie nur noch hier Unterschlupf bekommen“, fügt sie hinzu.

Derzeit sind 20 Menschen im Mittelweg untergebracht. „Im Winter sind es erstaunlicherweise immer weniger als im Sommer“, sagt die Mitarbeiterin.

 

 

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