Schweriner Modellbahn-Club : „Berge brauchen wir nicht“

In der Welt im Maßstab 1:87 fühlt sich Frank Tille vom Schweriner Eisenbahn-Club wohl. Noch bis einschließlich Sonntag, 16 Uhr, lässt der Club die Züge und Waggons in der Mensa der John-Brinckman-Schule rollen.
In der Welt im Maßstab 1:87 fühlt sich Frank Tille vom Schweriner Eisenbahn-Club wohl. Noch bis einschließlich Sonntag, 16 Uhr, lässt der Club die Züge und Waggons in der Mensa der John-Brinckman-Schule rollen.

Frank Tille ist seit 40 Jahren im Schweriner Modellbahn-Club und spricht im SVZ-Interview über viele kleine Loks und eine große Anlage

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16. Februar 2018, 12:00 Uhr

Was für ein Rummel am Vormittag. Dabei hat Frank Tille doch Urlaub. Aber wenn der Vorsitzende des Schweriner Eisenbahn-Clubs und seine Mitstreiter mehr als 150 kleinen Besuchern die große Modellbahnanlage in der John-Brinckman-Schule zeigen, dann geht die Vereinsarbeit eben vor.

Der Verein. Seit 1976 ist Frank Tille (52) dabei, seit fast 30 Jahren stellt er als Clubvorsitzender die Weichen. Als Angestellter der Stadtwerke hat er mit Eisenbahnen nicht viel am Hut. In seiner Freizeit um so mehr. Spaß, sagt der Schweriner, mache ihm das immer noch. Warum das so ist, das erzählte der Modelleisenbahnfreund im SVZ-Interview Redakteur Hans Taken.

Herr Tille, wann sind Sie zuletzt mit einer Eisenbahn im Maßstab 1:1 gefahren?
Das war im November vergangenen Jahres. Da ging es mit dem Elektro-Triebwagen der Odeg nach Berlin.

Bestimmt eine gute Gelegenheit, um sich neue Ideen für eine Modelleisenbahn zu holen.
Leider nicht. Die kleinen Bahnhöfe sind fast alle heruntergekommen, die Schranken schließen automatisch und in kaum einem Stellwerk arbeitet noch jemand. Die Zeit der Eisenbahn-Romantik ist im realen Zugverkehr längst vorbei.

Aber Eisenbahn-Romantik in Miniatur gibt es noch. Dafür lassen Sie kleine Loks durch kleine Landschaften fahren. Warum machen Sie das?
Als ich ein kleiner Junge war, da fuhren hier noch die Dampflokomotiven. Die haben mich sehr beeindruckt. Mit sieben habe ich dann eine kleine Eisenbahn bekommen. Eine Berliner TT-Bahn. Ohne Tunnel. Aber mit ein paar Hügeln und einer Dampflok. Vier Jahre später bin ich dann in den Club gegangen, in dem auch schon Schulfreunde von mir waren.

Rollt Ihre erste eigene Lok eigentlich noch?
Das weiß ich nicht. Ich habe sie jedenfalls nicht mehr. Wo sie geblieben ist, kann ich gar nicht sagen. Jetzt habe ich mittlerweile ein Dutzend Loks. Die stehen auch dem Club zur Verfügung.

Gut 200 Module, weit mehr als 500 Meter Gleise, um die 250 Weichen und unzählige Figuren – in den vergangenen vier Jahrzehnten hat es der Schweriner Modellbahn-Club zur größten mobilen Modelleisenbahnanlage in Mecklenburg gebracht. War das gewollt oder mehr Zufall?
Eher Zufall. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Module dazu. Allein bei der Ausstellung hier in der Brinckman-Schule haben wir 106 Module auf einer Fläche von 80 Quadratmetern zusammengeschraubt. Das geht nur, wenn die richtigen Leute da sind, die so etwas bauen und auch betreiben können. Diese engagierten Leute haben wir.

Die meisten Modelleisenbahner lassen ihre Lokomotiven am liebsten alleine über die Anlagen im Hobbykeller fahren. Sie stellen die Weichen mit 25 anderen Modellbahn-Fans in einem Verein. Geht es bei so vielen Lokführern eigentlich immer in die gleiche Richtung
Wir ergänzen uns gut. Die einen bauen lieber Landschaften, die anderen interessieren sich mehr für die Elektronik. Manchmal kommen auch Ex-Mitglieder, die jetzt weiter weg wohnen. Dann unterstützen sie uns, um so große Ausstellungen wie in dieser Woche zu betreuen.

Für die aktuelle Ausstellung wurden drei Tage gebraucht, um sie aufzubauen. Stoßen Sie und Ihre Mitstreiter da zeitlich nicht an ihre Grenzen?
Noch geht es. Nach der Wende hat sich unsere Mitgliederzahl zwar halbiert, jetzt ist sie aber konstant. Nur Nachwuchs fehlt. Zu DDR-Zeiten hatten wir acht Jugendgruppen. Jetzt ist unser jüngstes Mitglied Anfang 20.

Für Eisenbahn-Modellbauer steht fest: Eine Eisenbahnanlage ist nie fertig. Was ist beim Modellbahn-Club noch nicht fertig?
Neue Sachen entstehen immer wieder. Nur Berge, die brauchen wir nicht, da wir eine mecklenburgische Region darstellen wollen. Mit vielen Kühen, kleinen Bahnhöfen und Windrädern. Aber einen Hafen, den brauchen wir noch.
 

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