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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Dezember 2017 | 13:07 Uhr

Bereits neun Angriffe auf Asylheime in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zahl der Attacken verdoppelt / Politologin: Mit Pegida sinkt die Hemmschwelle

von
erstellt am 13.Jul.2015 | 14:18 Uhr

Vom Hitlergruß bis zum Brandanschlag – Attacken auf Heime und Wohnungen von Asylbewerbern nehmen auch in Mecklenburg-Vorpommern zu. Nach Angaben des Schweriner Innenministeriums wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits neun Angriffe gegen Asylunterkünfte oder deren Bewohner gezählt – genauso viele wie im gesamten Vorjahr. Sieben politisch motivierte Straftaten im Zusammenhang mit Asylbewerberheimen registrierte die Polizei 2013.

Ein regionaler Schwerpunkt ist Güstrow. Am 11. Januar flogen in der Barlachstadt Steine gegen ein Asylbewerberheim. Eine Scheibe ging zu Bruch. Am 18. Mai skandierten vier Unbekannte in einem Auto vor einem Güstrower Heim den Hitlergruß und grölten ausländerfeindliche Parolen. Am 31. Mai stieß ein Mann vor einer Asylunterkunft ein ausländisches Kind vom Fahrrad. Der Täter konnte ermittelt werden. Ebenfalls in Güstrow stand ein Mann am 2. Juni auf seinem Balkon und führte gegenüber einer Gruppe von Asylbewerbern als widerliche Geste ein Messer an seiner Kehle entlang. Die Polizei ermittelt wegen Bedrohung.

Für die Rostocker Politikwissenschaftlerin Dr. Gudrun Heinrich ist die Zunahme der Übergriffe keine Überraschung. „Die Pegida-Bewegung mit ihren regionalen Ablegern hat dafür gesorgt, dass die Hemmschwelle für Ausländerfeindlichkeit in einem Teil der Bevölkerung deutlich gesunken ist“, sagte die Wissenschaftlerin. Auch die rechtsextreme NPD würde seit Monaten mit fremdenfeindlichen Aktionen wie ihrer Asyltour den Hass auf Flüchtlinge schüren. Lobbi, eine Organisation gegen rechtsextreme Gewalt, spricht ebenfalls von einer „deutlichen Zunahme rassistischer Vorfällen nach den Aufmärschen von Pegida und Mvgida“.

Bundesweit hat sich die Zahl der Übergriffe auf Heime und Wohnungen von Flüchtlingen im Jahr 2014 auf 150 Attacken erhöht – das seien dreimal so viele wie 2013, hieß es kürzlich in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion.

Der schwerste Angriff der letzten Monaten in Mecklenburg-Vorpommern war der Brandanschlag mit zwei Molotow-Cocktails auf das Asylbewerberheim in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) am 12. Oktober 2014. Verletzt wurde dabei niemand. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte an, „konsequent gegen die geistigen Brandstifter dieser gefährlichen rechtsextremen Provokationen vorzugehen.“

Seiten 2 und 3

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