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Gefahr für Schweriner See : Belastetes Grundwasser im Blick

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tankstellen-Havarie aus DDR-Zeiten beschäftigt Umweltbehörden heute erneut: Altlast zieht Richtung Zoo und Schweriner See

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Der Schaden stammt aus den 80er-Jahren, mit den Folgen hat Schwerin auch jetzt noch zu kämpfen: Rund um die einstige Minol-Tankstelle an der Crivitzer Chaussee werden zurzeit Wasserproben genommen und belastetes Grundwasser „saniert“. Fauler See, Schweriner See und Wasservogelanlage des Zoos seien aktuell aber nicht in Gefahr, heißt es aus dem zuständigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu).

Die Geschichte der heute so genannten Restkontamination beginnt im Januar 1974, als die Tankstelle eröffnet wurde. 1,4 Millionen DDR-Mark kostete das Typenprojekt, die Bauzeit betrug wenige Monate. Im Juli 1973 wurde der erste Tank eingesetzt. Mitte Oktober 1973 war das Tankstellengebäude im Rohbau fertig. Am gleichen Tag wurde die alte Tankstelle vor dem Püsserkrug geschlossen und zur Schaffung der Baufreiheit für die Verbreiterung der Ausfallstraße abgerissen, schreibt Udo Brinker in seiner Chronik der Stadt.

„Über den Betriebszeitraum kam es dann zur Verunreinigung des Untergrundes an der Crivitzer Chaussee“, erklärt Dr. Regina Rinas, Leiterin des Stalu. Bei einer Havarie in den 80er-Jahren gelangten dann zirka 3 000 Liter Benzin in den Boden, darüber hinaus kam es zu so genannten Handhabungs- und Überfüllungsverlusten. „Die Belastungen bestehen vorwiegend aus Mineralölkohlenwasserstoffen und BTEX-Aromaten“, sagt Dr. Regina Rinas.

Als die Tankstelle Anfang der 90er-Jahre umgebaut wurde, gab es auch umfangreiche Sanierungsarbeiten im umliegenden Bereich. Etwa 15 000 Quadratmeter Boden wurden damals ausgetauscht. „Zwischen 1992 und 1995 wurde zudem eine Grundwassersanierung durchgeführt“, so Dr. Regina Rinas weiter. „Dabei wurden etwa 75 000 Kubikmeter Wasser gefördert und etwa 150 Kilogramm Mineralölprodukte zurückgewonnen.“

Um die Standsicherheit nicht zu gefährden, entschied man sich seinerzeit allerdings, einige Altlasten im Boden entlang der Crivitzer Chaussee zu belassen. Genau die breiteten sich im Laufe der Zeit als Schadstofffahne im Grundwasser aus. Und die bewegt sich in Richtung Norden, auf den Zoo zu.

Aktuell laufe eine Sicherungsmaßnahme an der Tankstelle, sagt Rinas. „Hierzu wird auf der Nordseite der Crivitzer Chaussee kontaminiertes Grundwasser gefördert und in die Entwässerung der Tankstelle überführt, wo es über Abscheider gereinigt und in die Schmutzwasserkanalisation geleitet wird.“ Zudem finden regelmäßige Grundwasseruntersuchungen im Abstrombereich der Tankstelle statt. Die sollen kontrollieren, wie effektiv die laufenden Maßnahmen sind.

Doch damit nicht genug: „Bei einer Detailuntersuchung wird zurzeit eine Gefahrenfeststellung erarbeitet“, erklärt Dr. Rinas. Dazu seien zusätzliche Erkundungsarbeiten erforderlich. „Für belastbare Aussagen hinsichtlich der räumlichen Ausdehnung des Schadens bedarf es weiterer Grundwassermessstellen, die zeitnah errichtet werden sollen.“ Erste Arbeiten wurden bereits durchgeführt. „Aus den Untersuchungsergebnissen ist dann der weitere Handlungsbedarf abzuleiten“, so Dr. Rinas.

Die gute Nachricht: Derzeit gäbe es keine Anhaltspunkte für die Gefährdung der Gewässer Fauler See und Schweriner See. Der Faule See befände sich gar nicht im unmittelbaren Abstrom der Kontamination. Allerdings der Schweriner See und die Wasservogelanlage im Zoo. „Diese wird durch den Zoo regelmäßig überwacht“, sagt Dr. Rinas. „Es fanden sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der Grundwasserschaden bis zur Anlage vorgedrungen ist. Insoweit ist auch eine Gefährdung des Schweriner Sees auszuschließen.“



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