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Schweriner Behindertenbeirat : Beirat fordert: Barrieren sollen weg

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Behindertenvertretung will in der Stadt mehr Beachtung der Bedürfnisse von Menschen mit Handicap

von
erstellt am 07.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Da kommt auf die Stadtverwaltung und die Stadtvertretung wohl viel Arbeit zu. Denn die Bedingungen für Schweriner mit einem Handicap sind noch immer nicht so, dass sie die selben Angebote nutzen können wie Nichtbehinderte. So steht es im Bericht des Behindertenbeirates für das vergangene Jahr.

In der Landeshauptstadt lebten am 31. Dezember 2013 12 138 schwerbehinderte Menschen. Nur ein gutes Jahr später, am 29. Januar 2015, waren es schon 15 194. „Diese Größenordnung macht deutlich, dass dringend etwas getan werden muss. Es ist unabdingbar, dass auch die Schweriner mit einer Behinderung die gleichen Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Rechte erfahren, wie zum Beispiel in Rostock, Neubrandenburg und Stralsund“, heißt es im Bericht. Der Behindertenbeirat begrüßt zwar, dass es nach dem Stadtvertreterbeschluss von 2011 nun endlich einen Aktionsplan der Stadt gibt. „Dieser Plan darf aber nicht in irgend einer Schublade verschwinden.“ Inklusion funktioniere ohne Barrierefreiheit nicht. „Wo Barrieren behindern, bleibt eine Teilhabe am kulturellen und politischen Leben, an der Arbeitswelt und in der Freizeit verwehrt.“

Die Vorsitzende des Behindertenbeirates, Angelika Stoof, nennt Hindernisse wie Werbeaufsteller und die Außengastronomie auf Gehwegen oder auch den Zugang zu kulturellen Einrichtungen. „Der Umgang von Stadthausmitarbeitern mit geistig Behinderten ist schwierig, es gibt kaum offizielle Publikationen in Blindenschrift, und Gebärdendolmetscher werden nur sehr selten eingesetzt.“

Die Umsetzung des Aktionsplanes ist nach Ansicht des Behindertenbeirates unklar. Im Haushalt 2017/18 sei zwar eine Stelle für einen Koordinator vorgesehen – aber auch gleich mit einem Sperrvermerk versehen worden. „Ein Koordinator hat keinerlei Kompetenzen zur Umsetzung und Einhaltung des Teilhabeplanes. Wir benötigen tatsächlich einen Behindertenbeauftragten mit den dazugehörigen Kompetenzen“, so der Behindertenbeirat.

Das Gremium hat vier Anträge an die Stadtvertretung gestellt und damit auf Probleme aufmerksam gemacht. „Zum Beispiel waren die Wahllokale in Schwerin nur zu 50 Prozent wirklich barrierefrei.“ Eine Treppe in den Waisengärten stoppt nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Familien mit Kinderwagen, Kinder mit Laufrädern und Senioren mit Rollatoren (SVZ berichtete). Der Behindertenbeirat hat interveniert, jetzt soll eine schiefe Ebene gebaut werden.

Auf ein besonderes Problem macht der Beirat zudem aufmerksam: den Mangel an barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum. So habe die Schweriner Wohnungsgenossenschaft nur zehn Wohnungen, die barrierefrei und rollstuhlgeeignet sind. Für die einzelnen Objekte gibt es bis zu 300 Interessenten auf der Warteliste. Und: Wer einzieht, muss das so genannte „Wohnen mit Service“ in Anspruch nehmen – und bezahlen.

Ein Jahr mit viel Arbeit liege hinter dem Behindertenbeirat, aber es bleibe noch sehr viel zu tun. „Die meisten Barrieren sind aber immer noch in den Köpfen der Menschen“, so Angelika Stoof.

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