Miese Masche im Altenheim : Beim Sehtest den Durchblick behalten

Die Sprecherin der Schweriner Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel
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Die Sprecherin der Schweriner Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel

Schweriner Verbraucherzentrale warnt vor Firma, die Bewohnern von Altenheimen mit angeblicher Vorsorge gegen Stürze neue Brillen verkaufen will

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06. Dezember 2013, 23:14 Uhr

Die Schweriner Verbraucherzentrale warnt vor einer Firma aus Nordrhein-Westfalen, die Bewohnern von Altenheimen unter Vorspiegelung eines kostenlosen Sehtests Brillen oder Brillengläser verkaufen will. „Zu zwei oder drei Schweriner Heimen hat sich die Firma nach unseren Informationen bereits Zugang geschafft“, berichtet die Sprecherin der Verbraucherzentrale, Cornelia Nagel. Das Unternehmen habe dabei mit einem Zertifikat geworben, dass den betreffenden Einrichtungen nach dem Sehtest eine gesetzlich vorgeschriebene Sturzprophylaxe bescheinige. „Ein solches Zertifikat gibt es aber gar nicht“, so Nagel. Die Verbraucherzentrale habe inzwischen die Heimaufsicht verständigt.

Für die betroffenen Heimbewohner habe sich das eigentliche Anliegen der Firma erst Tage nach dem Sehtest offenbart, schildert Cornelia Nagel. „Die Senioren bzw. ihre gesetzlichen Betreuer erhielten einen Anruf, in dem ein Vertreter des Unternehmens erklärte, dass die älteren Leute unbedingt eine neue Brille benötigten.“ Tatsächlich seien dann in einigen Fällen zunächst nur Brillengläser und dann auch ganze Brillen verschickt worden, so die Sprecherin der Verbraucherzentrale.

Dass die Firma die Brille erst nach dem Sehtest am Telefon angeboten habe, hat aus Sicht der Verbraucherschützer einen einfachen Grund: „Durch den nachträglichen Anruf soll das gesetzliche Widerrufsrecht ausgehebelt werden“, erklärt Cornelia Nagel. Schließlich gehe es in den betreffenden Fällen ja auch um eine Ware, die auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sei.

Etwa zehn Besitzer neuer Brillen hätten sich bei der Schweriner Verbraucherzentrale gemeldet, sagt Sprecherin Nagel. Sie rät Betroffenen, die sich betrogen fühlen, den Vertrag mit der nordrhein-westfälischen Firma anzufechten und Strafanzeige zu erstatten. Zugleich appelliert Cornelia Nagel an die Alten- und Pflegeheime in der Landeshauptstadt genau zu prüfen, wer sich um einen Veranstaltungstermin im Heim bemühe und ob gegebenenfalls gewerbliche Interessen im Spiel seien.

Die Schweriner Polizei habe in der Angelegenheit drei Anzeigen wegen des Verdachts auf Betrug aufgenommen, bestätigt Sprecher Steffen Salow auf Anfrage unserer Zeitung. Angehörige von betroffenen Heimbewohnern hätten sich bei den Ordnungshütern gemeldet. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauerten noch an, so Salow. Über das weitere juristische Verfahren werde dann die Staatsanwaltschaft entscheiden.

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