Weltkonzern wächst : Bei Nestlé stehen schon Maschinen

Keine Spur von Kabelsalat: Techniker vom Schweizer Hersteller installieren die Anlagen. Von Mai an wird in Schwerin Nestlé Dolce Gusto produziert. Fotos: Timo Weber (2)
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Keine Spur von Kabelsalat: Techniker vom Schweizer Hersteller installieren die Anlagen. Von Mai an wird in Schwerin Nestlé Dolce Gusto produziert. Fotos: Timo Weber (2)

Vier der modernen „Verpackungslinien“ werden im Innern bereits aufgebaut, während die Bauleute noch an den Hallen arbeiten

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14. Februar 2014, 08:00 Uhr

Zugegeben: Sie sind groß. Aber es gehört schon einige Fantasie dazu, um sich die vier rund 13 Meter langen so genannten Verpackungslinien als das Herzstück der künftigen Schweriner Kaffeeproduktion vorzustellen. Dass die auf den ersten Blick unsortiert zusammengestellte Folge von Kabelsträngen, Maschinenelementen und Metallplatten einmal bis zu 600 Kapseln Nestlé Dolce Gusto pro Minute im neuen Werk im Industriepark Schwerin ausspucken sollen, ist noch kaum zu glauben. Und ohnehin: Allein die Wortwahl im Lebensmittel-Weltkonzern ist gewöhnungsbedürftig. Die Produktion in Schwerin findet nämlich aus Sicht der Nestlé-Experten schon eine Halle vorher statt, wo der Rohkaffee angeliefert und verarbeitet wird. Rund 90 Prozent dieser Anlagen sind bereits installiert. Je nach Sorte und Mischung kommen dort zwischen 250 und 500 Kilogramm Rohkaffee in eine Art wasserlose Waschmaschine, wo die beheizte Trommel für den Röstvorgang sorgt. Zuvor sind die Bohnen schon über mehrere Rohrleitungen und Silo-Anlagen zur Reinigung geschickt worden, nachdem sie vom Lkw geschüttet worden waren, der in der Regel im Hamburger Überseehafen beladen wird. Das, was der Laie dann als echte Produktion bezeichnen würde – wenn Kaffeepulver und andere Zutaten in die Kunstoffhülle gelangen –, nennen Nestlé-Mitarbeiter die Verpackungslinie. Natürlich macht auch das Sinn: Denn ganz am Ende der Maschinenstrecke kommen die fertigen Kapseln raus, die dann per Fließband zu ihren künftigen Verkaufskartons gebracht werden. Zehn Kapselbehälter mit je 16 Kapseln zeitgleich.

Seit Montag werden vier dieser Verpackungslinien im Rohbau in den Göhrener Tannen zusammengebaut. Gestern stellten die Techniker des Schweizer Herstellers die vierte und vorerst letzte Strecke auf. Am Anfang steht ein gigantisches Mahlwerk, das die frisch gerösteten Kaffeebohnen pulverisiert. Am Ende die fertige Kapsel. Dazwischen spielt sich dank bis zu zehn komplizierter Unterprozesse eine voll automatisierte Abfolge ab, bei der Folien, Lebensmittel und haltbar machender Stickstoff zum Einsatz kommen. Anderthalb Jahre lang hat sich Projektingenieur Jean Pacault im Konzern darauf vorbereitet, dass im Mai in Schwerin die Produktion im dann modernsten Nestlé-Werk beginnen kann. Mindestens drei Jahre wird er ein Schweriner sein, die Familie kommt bald hinterher. Die Verantwortung über die Verpackungslinien übernimmt Nestlé im Übrigen erst vom Hersteller, wenn ein Testlauf erfolgreich war.

Getestet wird in den nächsten Wochen ohnehin am laufenden Band – in Schwerin zur Abstimmung und Qualitätssicherung, konzernintern vom Produktentwicklungszentrum in der Schweiz bis hin zu externen Kontrollen, die von Lebensmittelüberwachung bis TÜV und Bauabnahmen reichen.

Nestlé will im Mai in Schwerin die Produktion starten, 2015 soll das Werk seine volle Kapazität erreichen und auf zwölf Linien je Stunde insgesamt 450 000 Kaffeekapseln herstellen, hatte der Konzern angekündigt. 220 Millionen Euro investiert Nestlé, davon bis zu 50 Millionen Fördermittel. 450 Arbeitsplätze sollen insgesamt entstehen.

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