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Baubeginn für Kaffeekapsel-Werk im Industriepark Schwerin : Bei Nestlé rollen die Bagger an

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Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat gestern im Industriepark Schwerin mit dem Bau seiner Fabrik für Kaffeekapseln begonnen. Aufträge für fast 60 Millionen Euro wurden an hiesige Baufirmen vergeben.

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2012 | 10:33 Uhr

Göhrener Tannen | Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat gestern im Industriepark Schwerin mit dem Bau seiner Fabrik für Dolce-Gusto-Kaffeekapseln begonnen. Die Erdarbeiten starteten ohne einen besonderen Akt. "Wir gehen einfach an die Arbeit", sagte der Pressesprecher von Nestlé Deutschland, Hartmut Gahmann. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 220 Millionen Euro. Es ist nach Konzernangaben das größten Projekt von Nestlé in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990.

Mit der neuen Fabrik holt Nestlé Industriearchitektur in den Norden, die bereits in der Autofabrik Wolfsburg oder Gläsernen Automanufaktur in Dresden für Aufsehen gesorgt hat. Ein hochwertiger Industriebau solle entstehen, erklärte der Schweriner Nestlé-Chef Ulrich Walter bei der Projektvorstellung, konzipiert vom Münchner Architekturbüro Henn. Nestlé sucht in seinem Werk die Offenheit: Viel Glas, viel Licht, viel Transparenz, freie Sichtachsen - der Milliardenkonzern klotzt für 220 Millionen Euro ein Werk in die mecklenburgische Weite, das für Abwechslung in der schnöden Industriearchitektur sorgen wird. Lichtdurchflutete Eingangshalle, verglaste Wände zwischen Verwaltung und Produktion, Lichtbänder im Dach, eine bepflanzte Dachterrasse, baumgesäumte Magistrale auf dem Weg ins Werk, ein Außengelände rund um das Werk, das dem Ostseeufer nachempfunden werden soll, ein Werk mit 50 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche und einem Personalwarenshop mit der gesamten Nestlé-Produktpalette, zugänglich für jedermann: Das Werk sei transparent und offen konzipiert. Kontakt ohne Barrieren, offene Fassaden: So solle Glas für ständige Sicht zu den Produktionsstraßen sorgen und den Mitarbeiter ermöglichen, die Außenwelt wahrzunehmen. "Alle sollen einen engen Kontakt zum Produkt haben", erklärte Walter.

Mit dem Start der Erdarbeiten und dem für Mitte Oktober geplanten Hochbaubeginn füllen sich auch die Auftragsbücher der mittelständischen Unternehmen in der Region. Der Konzern setzt nicht auf einen Generalauftragnehmer, sondern auf Firmen aus der Region, erklärte Walter. Tiefbauer, Zimmerer, Anlagenbauer, Metallbearbeiter, Trockenbauer, Fassadenbauer, Estrich- und Fliesenleger, Tischler, Landschaftsbauer, Elektriker, Straßenbauer - 33 verschiedene Positionen reiht die Gewerkeliste auf. Das kann sich lohnen: Walter rechnet damit, dass Aufträge im Wert von fast 60 Millionen Euro bei Firmen aus MV für Eingänge in den Orderbüchern sorgen können. Erst wenn sich keine Unternehmen aus der Region fänden, sollten Bauaufträge bundesweit ausgeschrieben werden. "Wir wollen keinen Generalübernehmer, sondern in jedem Bereich Fachfirmen, die nachweisen können, dass sie ihr Kerngeschäft beherrschen", hatte Jens Ehrhardt, Projektmanager der Nestlé Deutschland AG.

Bei der Vorstellung des Projektes im Februar war Ende 2013 als Termin für den Produktionsbeginn genannt worden. Mit Erreichen der vollen Kapazität im Jahr 2014 sollen 450 Menschen in dem neuen Werk Arbeit finden. Jährlich würden dann etwa zwei Milliarden Kapseln hergestellt, hieß es. Schwerin ist dann nach Tutbury (Großbritannien) und Girona (Spanien) dritter Produktionsstandort der Gusto-Kapseln für Kaffee- und Teeautomaten. Mit Wachstumsraten von zuletzt mehr als 50 Prozent gehörten die Kapseln zu den am schnellsten wachsenden Geschäftsfeldern von Nestlé, wie Europachef Laurent Freixe hervorhob. Mit 41 Ländern sei das Kapselsystem in Europa praktisch flächendeckend präsent. Deutschland gelte als weltweit größter Markt für das 2006 eingeführten Kapselsystem Dolce Gusto. Nestlé erhoffe sich für 2013 allein damit Umsätze von rund 800 Millionen Euro.

Nestlé hatte sich nach eigenen Angaben unter anderem wegen der Nähe der Stadt zum Kaffee-Umschlagsplatz Hamburg und der in Aussicht gestellten Fördermittel für Schwerin entschieden. Laut Wirtschaftsministerium kann das Unternehmen damit rechnen, dass fast ein Viertel der Investitionssumme als staatlicher Zuschuss kommt.

Für Jobs bei Nestlé in Schwerin liegen nach Angaben der zuständigen Arbeitsagentur bereits viele Bewerbungen vor. Unter den Interessenten seien auffallend viele Menschen, die zwar in und um Schwerin wohnen, aber in Schleswig-Holstein oder Hamburg arbeiten, hieß es. Sie hoffen auf einen wohnortnahen Arbeitsplatz. Laut Nestlé soll die Bewerbungsphase offiziell aber erst Anfang 2013 starten.

Das neue Werk des weltweit größten Lebensmittelproduzenten entsteht im Industriegebiet, das ursprünglich für BMW hergerichtet worden war. Der Münchner Autokonzern hatte sich 2001 aber nach einem langen Auswahlverfahren unter den letzten beiden Bewerbern gegen Schwerin und für Leipzig entschieden.

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