Abzocke am Telefon : „Bei mir ist nichts zu holen“

Es sind wieder einmal Betrüger am Telefon aktiv, um Senioren hereinzulegen (Szene nachgestellt).
Es sind wieder einmal Betrüger am Telefon aktiv, um Senioren hereinzulegen (Szene nachgestellt).

Rentner lässt Betrüger am Telefon abblitzen / Polizei warnt vor Abzocke-Masche, bei der Anrufe von Behörden vorgetäuscht werden

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23. Juni 2017, 21:00 Uhr

Es ist eine besonders perfide Methode, um arglose Bürger hinters Licht zu führen: Beim so genannten Call-ID-Spoofing werden Rufnummern angezeigt, die mit jenen von Polizei, Behörden oder Gerichten identisch sind. Dadurch gelingt es Betrügern, mögliche Zweifel ihrer Opfer im Nu zu zerstreuen und sie zur Herausgabe sensibler Daten oder gar zur Überweisung von Geldbeträgen zu bewegen. Die Schweriner Polizei spricht von einer Variante der bekannten Enkeltrick-Masche und bittet gerade ältere Menschen um besondere Vorsicht. Anlass: ein jüngst bekannt gewordener Fall, bei dem das potenzielle Opfer aber geistesgegenwärtig gehandelt hat.

„Hier ist die Polizei aus
der Graf-Yorck-Straße.“ Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang vertrauenswürdig, der Anrufer schien etwa 30 Jahre alt
zu sein, sprach akzentfrei Deutsch. Der 74-jährige Schweriner, der den Hörer abgenommen hatte, schaute auf das Display seines Telefons: Sie zeigte die Nummer der Schweriner Polizei. „Doch der Rentner blieb trotzdem misstrauisch, wollte die Geschichte nicht glauben, die ihm der Anrufer auftischte“, berichtet Schwerins Polizeisprecher Steffen Salow. Die Polizei habe zwei Ausländer verhaftet, die im Besitz der Adresse des 74-Jährigen seien, so lautete
die Legende, auf die der Schweriner aber nicht hereinfiel. „Bei mir ist nichts zu holen“, rief er ins Telefon und legte auf.

„Gut gemacht“, sagt Polizeisprecher Salow. „Vermutlich wollte der Anrufer den Rentner aushorchen, um herauszufinden, ob er wohlhabend ist.“ Der 74-Jährige habe eine gesunde Skepsis walten lassen und den Täter so abgeschreckt. Ein ähnlicher Fall ereignete sich gestern auch in Pampow.

Salows Appell: „Egal unter welcher Legende sich die falsche Polizei meldet, seien Sie skeptisch gegenüber solchen Anrufen.“ Die echte Polizei würde sich schriftlich melden oder Beamte vorbeischicken, so der Sprecher.

Wer sich vor Spoofing schützen möchte, sollte am Telefon keine sensiblen oder privaten Daten weitergeben – auch nicht über die Wähltastatur, rät Salow. „Wichtig ist es, bei einem Kontrollanruf nicht die im Telefon zwischengespeicherte Nummer für den Rückruf zu verwenden.“ Hilfreich sei es auch, Freunde oder Familienmitglieder zu informieren.

Insgesamt 109 Enkeltrick-Betrügereien oder Betrugsversuche sind der Schweriner Polizei im vergangenen Jahr gemeldet worden. Gezielt hätten die Täter dabei offenbar im Telefonbuch nach älteren Vornamen gesucht, erklärt Salow.


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