Wo bleibt die Miete? : Behörden lassen Vermieter mit seinem Problem allein

Nach der Wende entstand dieses Wohnareal in  Schwerin-Krebsförden.  Eine kleine Wohnung in diesem Quartier gehört dem Pampower Gerd Werner.
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Nach der Wende entstand dieses Wohnareal in Schwerin-Krebsförden. Eine kleine Wohnung in diesem Quartier gehört dem Pampower Gerd Werner.

Pampower Gerd Werner muss mit aufwändigem Verfahren nach säumiger Mieterin suchen

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05. Dezember 2013, 14:00 Uhr

Gerd Werner hat ein „Mieterproblem“. Die Mieterin seiner Eigentumswohnung in Schwerin-Krebsförden will ausziehen. Nur eine entsprechende Kündigung hat der Pampower nie erhalten. Er möchte sich gern mit der Frau zusammensetzen, um Kündigung und Auszugsmodalitäten klar zu machen. Doch die ist für ihn nicht erreichbar. „Wahrscheinlich wohnt sie nicht mehr in der Friedrich-Schlie-Straße“, vermutet Gerd Werner. Miete erhält er jedenfalls seit Oktober nicht mehr. Das Geld kam so lange direkt vom Jobcenter. „Dort hat meine Mieterin eine neue Adresse angegeben. Die erhalte ich nicht – aus Datenschutzgründen“, erzählt der 60-Jährige. Eine Hoffnung hat der Pampower noch: Vor 14 Tagen hat er beim Einwohnermeldeamt eine Suchanfrage gestellt. „Die muss ich bezahlen.“ Doch ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, weiß Gerd Werner nicht. „Wenn meine Mieterin sich nicht umgemeldet hat, erhalte ich die Adresse in der Friedrich-Schlie-Straße als Ergebnis.“

Überall, wo der Pampower sein Problem anspricht, wird ihm Recht gegeben. Aber helfen kann ihm keiner. „Als Vermieter hast du keine Rechte“, stellt er fast schon resignierend fest. Natürlich kann Gerd Werner klagen. Doch damit hat er die offenen Mietzahlungen, das Geld für die Betriebskosten, für die Wiederherrichtung der Wohnung und die Beseitigung eines Wasserschadens nicht in der Hand. „Das könnte ich dann ebenfalls einklagen“, weiß der 60-Jährige. Doch woher soll letztlich das Geld kommen? Der Pampower will in diese Spirale erst gar nicht einsteigen, sondern schnell eine Regelung finden. „Das spart Zeit und Geld, schont die Nerven aller Beteiligten“, ist er überzeugt. Doch bei diesen Bemühungen wird der Pampower allein gelassen. So jedenfalls empfindet es Gerd Werner. Das Problem belastet ihn – neben seinem Vollzeitjob im Schreibwarenladen im Pampower Einkaufszentrum.

Zudem ist Gerd Werner nur per Zufall zum Vermieter geworden. „Die Eigentumswohnung in Krebsförden habe ich Anfang der 1990er-Jahre für meine Eltern gekauft“, erzählt Gerd Werner. „Die lebten damals in Greifswald, meine Frau und ich wollten sie in unsere Nähe holen.“ Doch bevor der Umzug erfolgen konnte, verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Eltern. Das Seniorenpaar zog nie dort ein. Beide sind inzwischen verstorben. „Deshalb haben wir die Wohnung vermietet“, erzählt Gerd Werner. Seit dem Sommer 2006 an die nun abgetauchte Mieterin. „Wir hatten in den zurückliegenden Jahren wenig bis gar keinen Kontakt“, berichtet Gerd Werner. Denn gleich nach der Unterzeichnung des Mietvertrages gab es Probleme: Die Mieterin konnte die vereinbarte Kaution nicht hinterlegen, blieb die ersten beiden Monatsmieten schuldig. „Wir haben uns damals bis in die Chefetage der Arge vorgekämpft und unser Problem erläutert“, blickt der Pampower zurück. Danach wurde die Miete von dort direkt überwiesen – bis September 2013. Damals klappte es mit der Hilfe – jetzt nicht.

Von den Auszugsplänen hatte Gerd Werner vor kurzem erfahren – dank eines Wasserschadens im August. Denn die Hausverwaltung hatte sich an den Eigentümer gewandt, weil Wasser aus der Erdgeschosswohnung in den Keller tropfte. „Ein Schlüsseldienst hat mir und dem Hausmeister geöffnet“, erzählt Gerd Werner. Die offenbar seit längerem tropfende Stelle an der Wasseruhr wurde abgedichtet. Doch dank dieses Zwischenfalls merkte der Eigentümer, dass seine Mieterin auf gepackten Koffern sitzt. „Leider hatte ich auch danach keinen persönlichen Kontakt zu ihr, sondern nur am Telefon“, bedauert Gerd Werner. Da habe die Frau erklärt, die Wohnung zu kündigen. „Aber ich habe nie etwas Schriftliches erhalten.“ Gerd Werner hat noch Hoffnung, dass sich seine Mieterin bei ihm meldet und alles geregelt werden kann. Am liebsten würde der Pampower danach die Wohnung nicht mehr direkt vermieten, sondern einer Verwaltung übergeben. „Das kostet zwar, aber diesen Ärger möchte ich nicht nochmals erleben“, so der 60-Jährige.

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