zur Navigation springen

Ramper Werkstätten : Behinderte steigen in Berufswelt ein

vom

In den Ramper Werkstätten werden Jugendliche mit Handicap nach ihren Stärken gefordert und gefördert. Aber zunächst gibt es ein Eignungsverfahren. Dabei wird geprüft, ob die Werkstatt die richtige Einrichtung ist.

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2012 | 11:13 Uhr

Rampe | Frisch gestrichen sind die Räume im Berufsbildungsbereich der Ramper Werkstätten. Bunte Farben an den Wänden vermitteln Lebensfreude. Doch noch sind die Wände nackt, wie Berno Thim, Abteilungsleiter Werkstätten, findet. "Das wird noch anders gestaltet", sagt Ines Hennings, Teamleiterin Berufsbildungsbereich. Seit November ist Hennings bei den Ramper Werkstätten angestellt. "Vorher war ich an der Schweriner Ecolea und habe Physiotherapeuten ausgebildet", berichtet Hennings. Doch nach elf Jahren braucht die junge Frau eine neue Herausforderung. Und diese Arbeit in Rampe gibt ihr viel mehr als vorher. "Es ist nicht immer einfach. Jeder Teilnehmer ist individuell und wir als Lehrer müssen uns auf jeden auch individuell einstellen", sagt Ines Hennings.

In die Ramper Werkstätten kommen Menschen mit geistiger, psychischer oder körperlicher Behinderung. "Wir haben hier teilweise Teilnehmer mit schweren körperlichen Behinderungen. Darauf müssen wir uns einstellen, aber auch den Arbeitsplatz", erklärt Berno Thim. Dazu dient der Berufsbildungsbereich in Rampe. Zunächst aber gibt es ein dreimonatiges Eignungsverfahren. Dabei wird geprüft, ob die Werkstatt für den Jugendlichen die richtige Einrichtung ist. Das Konzept entwickelt sich stetig weiter und wird auf die Bedürfnisse der Teilnehmer individuell angepasst. "Die Jugendlichen, die sich für die Werkstatt entscheiden, sind meist zwischen 18 und 20 Jahre alt", erklärt Teamleiterin Hennings. Wie auf dem ersten Arbeitsmarkt auch durchlaufen die Mädchen und Jungen hier eine berufliche Bildung. Nur achten die Lehrer und Ausbilder mehr auf ihre Schützlinge. "Wir führen unsere Teilnehmer zusammen an die problemorientierten Aufgaben heran. Wir schauen zusammen, welches Berufsfeld ihnen liegt", sagt Andrea Neumann, die Pädagogische Leiterin der Ramper Werkstätten. "Wir bieten hier eine breite Palette von beruflichen Bereichen an", erklärt Neumann. Dazu zählt unter anderem der handwerkliche Bereich. Dort können die Jugendlichen Tischler oder Metallbauer ganz nach ihren Fähigkeiten lernen.

Andrea Neumann und Ines Hennings ist es sehr wichtig, dass die Ramper Werkstätten und der Berufsbildungsbereich von der Gesellschaft nicht belächelt wird. "Das ist nicht weichgespült hier", sagt Ines Hennings. "Wir achten auch auf viele andere wichtige Dinge - wie Pünktlichkeit und Disziplin. Das sind die so genannten Schlüsselqualifikationen", erklärt Teamleiterin Hennings. Nach etwa zwei Jahren haben die Jugendlichen dann den Berufsbildungsbereich abgeschlossen. Dann erhalten alle ein individuelles Zertifikat. "Das ist ein bisschen anders als bei einer Berufsausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt", sagt Andrea Neumann. Die Teilnehmer erhalten ganz unterschiedliche Bildungsabschlüsse. "Wir haben immer den Blick auf den einzelnen. Wir stellen uns auf jeden Teilnehmer ganz neu und anders ein", so Neumann weiter.

Das ist auch Ines Hennings wichtig. Seit knapp einem Vierteljahr arbeitet sie jetzt in den Ramper Werkstätten. Doch ihre Entscheidung bereut sie auf keinem Fall. "Als Pädagogin ist es hier viel besser, weil wir hier kleinere Klassen haben. Und es ist eben keine 0815-Methode. Hier kann ich mich als Lehrerin kreativ austoben und mit dem Menschen zusammen viel intensiver arbeiten", so Ines Hennings. Noch sind die Wände im Berufsbildungsbereich nackt, doch das soll sich im Laufe der Zeit ändern. "Ich möchte die Wände Schritt für Schritt zusammen mit den Teilnehmern kreativ gestalten", erklärt Hennings. Denn das gehört auch dazu. Ebenso der Musik- und Sportraum. Dort können sich die Jugendlichen austoben. Das bringt ihnen Spaß. Vor allem das Musizieren, denn eine eigene Band haben die Ramper Werkstätten auch - und das ist sehr wichtig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen