Ihr Vadder felten : Beherzt neue Wege suchen

Vadder Felten mit seinen Gedanken zum diesjährigen Osterfest

von
14. April 2020, 05:00 Uhr

Also, ich feg in der Stadt ja nun schon seit Jahr und Tag, und ich sag mal so:
Das war mal ein Osterfest. Fast ohne Besuch, ohne Ausflug sowieso und ohne, dass die Frauen vorher noch mal zum Friseur mussten. Den Segen des Papstes Urbi et Orbi konnte aber, wer wollte, über die Medien trotzdem empfangen. Die Sünden sind erlassen. Diesbezüglich ist alles auf Anfang.
Trotz der gegenwärtigen Einschränkungen haben die Bürger aber eingekauft, als gäbe es kein Morgen. Eier, Schokolade, Spirituosen, Sonntagsbraten und reichlich Obst, Grillzeug und Bier, Salat und Dessert. Was kostet die Welt? Zwar war die Frage nach dem Weltenwert bislang immer nur rhetorisch gemeint, aber inzwischen bekommen wir eine Ahnung vom Preis. Trotzdem: Der Verzicht auf unsere Gewohnheiten hat Grenzen. Ich sag mal so: Man ist ja immer schnell dabei, Vorwürfe zu erheben und den Kopf zu schütteln. Auch unsereins kann sich davon nicht freisprechen. Deshalb denk ich mir, vielleicht sind unsere beflissenen Aktionen auch ein Haltegriff, den wir brauchen. Traditionen sind ja dazu da, dass sie einem Halt geben im Jahreskreis und Orientierung überhaupt. Und wenn wir nun an diesem besonderen Osterfest dennoch die Dinge, die uns besonders wichtig sind, möglich gemacht haben, dann hat das vielleicht sogar mehr mit Zuversicht zu tun als mit Trotz.
Jetzt müssen wir aber wieder weiter. Schritt für Schritt nach vorn, in unserem veränderten Leben, in das sich Corona eingeschlichen und breit gemacht hat. Wir sind noch nicht über’n Berg. Die Sünden mögen erlassen sein, die Sorgen sind es nicht. Am besten ist wohl, die Bedingungen anzunehmen, sich zu arrangieren und beherzt nach neuen Wegen zu suchen. Sich an gestern zu klammern, ist müßig. Gestern war gestern. Das hängt nur noch in den Fotodateien, die sich nie einer anguckt.
Wenn aber jetzt unsere Musiker vor Alten- und Pflegeheimen musizieren, dann erfreut das unsere Gemüter und schafft ein schönes Gefühl der Gemeinschaft, weit über den Moment hinaus. Ich sag mal so: Neben den Medizinern brauchen wir unsere Künstler im Moment am dringlichsten. Die sind auch Alltagshelden.

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