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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 09:19 Uhr

Hospiz : Begleiter für die letzten Stunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Umfangreiches Angebot überrascht Seniorenbeirat: Ältere wünschen sich mehr Beratung und Aufklärung in Pflegeheimen

von
erstellt am 26.Jun.2014 | 23:06 Uhr

Im Sozius Pflegeheim „Haus Lewenberg“ leben zwei Bewohner, die eigentlich nicht mehr leben möchten. Krankheit und Einsamkeit verschwimmen zu einem Schmerz, der ihnen die Lust am Leben nimmt. So wie diesen beiden geht es einigen Menschen – die Dunkelziffer ist hoch. „Dabei haben vor allem Pflegeheime die Möglichkeit, Berater beim Schweriner Hospiz-Verein anzufordern“, sagt Koordinatorin Kerstin Markert. „Aktive Sterbehilfe unterstützen wir nicht, aber wir helfen allen Betroffenen auf ihrem letzten Weg.“

Neben dem Hospiz-Verein, der seit 1996 vor allem Ehrenamtliche ausbildet, Sterbenskranken die Hand in ihren letzten Stunden zu halten, bietet die Palliativstation der Helios-Kliniken seit 2001 mit zwölf Betten und das Hospiz am Aubach seit Mai 2011 professionelle Sterbebegleitung an. Hinzu gekommen ist vor Kurzem das Bio-Hospiz im Schloss Bernstorf, das nahe Schwerin gelegen ist. „Damit ist Schwerin und die Region in Sachen Sterbebegleitung gut aufgestellt“, meint Kerstin Markert.

Nur 25 bis 30 Prozent der Menschen sterben nach Angaben der Koordinatorin zu Hause, die anderen in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Warum dann so wenige Pflegeheime von den Beratungsangeboten des Hospizvereins und anderer Stellen Gebrauch machen würden, fragen sich zurzeit die Mitglieder des Seniorenbeirates, die zum Teil selbst in Pflegeheimen zu Hause sind.

„Unsere Hilfe ist kostenlos und reiht sich in die Angebote anderer Ehrenamtlicher ein“, erklärt Kerstin Markert. Ihre Mitstreiter seien durchaus in Pflegeheimen unterwegs, würden als zusätzliches Angebot beraten und wenn nötig, Sterbebegleiter zur Seite stellen. „Wir sind keine Konkurrenz zu Pflegediensten oder ähnlichen Einrichtungen. Uns geht es um den Menschen.“

Was das genau bedeutet, zeigt ein Blick ins Hospiz am Aubach. Wer raucht, darf weiter rauchen, Wein trinken ist auch nicht verboten. „Die Menschen sollen sich auf ihren letzten Tag frei fühlen“, sagt die Koordinatorin. Dabei würden die Angehörigen meist mehr Hilfe brauchen, als die Erkrankten selbst.

Sterbebegleiter und stationäre Hospiz-Einrichtungen stoßen allerdings auch an ihre Grenzen. Wer seinem Leben ein Ende setzen möchte, ist in Deutschland allein gelassen. „Das ist strafbar“, so Kerstin Markert. Ein Möglichkeit sei es, im Vorhinein in einer Patientenverfügung für den späteren Ernstfall Maßnahmen wie künstliche Ernährung abzulehnen.

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