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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. November 2017 | 09:02 Uhr

Zeitgeschichte : Bayer auf den Spuren der Wende

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Journalist Klaus Kastan befragte 1987 Jugendliche in Schwerin, sprach jetzt erneut mit ihnen und fand spannende Bewertungen

von
erstellt am 09.Okt.2014 | 21:00 Uhr

Klaus Kastan kennt sich gut aus in Schwerin, obwohl er aus München kommt. Ihm gefällt die Stadt, die er bereits 1987 besuchte. „Schwerin hat sich fantastisch entwickelt“, sagt der Chef der Auslandsabteilung des Bayerischen Rundfunks und des Hauptstadtstudios. „Und das betrifft keineswegs nur die Stadtentwicklung“, präzisiert er, „sondern auch die ganze Atmosphäre hier, die freundlichen Menschen und gemütlichen Restaurants.“

Indes: Zur Stadtbesichtigung war der Bayer nicht nach Schwerin gekommen. Der 25. Jahrestag des Mauerfalls war ihm Anlass, auf Spurensuche zu gehen, was ihm mit Hilfe der SVZ und der Leser auch gelungen war. Denn 1987 hatte er für eine bundesweit stark beachtete Sendung Jugendliche in der damaligen Bezirksstadt interviewt, sie nach ihren Zielen, Plänen und Lebenseinstellungen befragt. Jetzt hat er einige von ihnen wiedergetroffen und mit ihnen über Vergangenheit und Gegenwart gesprochen.

„Das Beeindruckendste für mich ist, dass keiner die DDR zurückhaben will, aber auch keiner der Meinung ist, dass die Wiederherstellung der Deutschen Einheit perfekt gelaufen ist“, fasst Kastan zusammen. Diese Spannung, diese Dialektik ziehe sich auch durch viele der angesprochenen Themen, berichtet der erfahrene Journalist. „Ich habe den Eindruck, dass alle Befragten, also nicht nur die Jugendlichen von damals, sondern auch die einstige FDJ-Sekretärin, der Leiter der Berufsschule und die Familie vom Dreesch, in der Bundesrepublik angekommen sind. Gleichzeitig blickt jeder gern auf eine glückliche Jugendzeit zurück. Selbst junge Leute, die wegen ihres Glaubens Nachteile hatten, sprechen von einer schönen Kindheit, von Kameradschaftsgefühl in der Klasse. Das hat mich sehr beeindruckt“, sagt Kastan. Ebenso die Bodenständigkeit. und Gradlinigkeit der Mecklenburger. Ein damals angehender Diskotheker aus dem Achteck sei auch heute DJ im Achteck, das bis vor wenigen Tagen jedenfalls so hieß. Die junge Familie, die damals so glücklich über die Neubauwohnung auf dem Dreesch war, wohne auch heute noch in der „Platte“ und fühle sich da sehr wohl. Kritik habe er vor allem zum jetzigen Bildungssystem zu hören bekommen, erzählt Kastan. Das betreffe sowohl Schule als auch Berufsschule. Und bei diesem Thema habe er das einzige Mal auch den Satz gehört, dass ein Schweriner bedauerte, nach der Wende nicht in den Westen gegangen zu sein. Der Pädagoge klagte, so habe er die Verbeamtung als Lehrer verpasst.

Das Schönste an diesem Projekt, nach 27 Jahren Menschen erneut zu befragen, die damals im anderen Teil Deutschlands lebten, sei aus seiner Sicht das Gefühl bekommen zu haben, dass Deutschland wieder eins geworden ist, bilanziert der Bayer Klaus Kastan.

 

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