Schwerin : Baupolitiker sucht Alternativen zur Stadionbrücke

<fettakgl>Umwege:</fettakgl> Ein Wegfall der Stadionbrücke würde lange Wege für Straßenbahn-Nutzer und mehrere Kilometer längere Strecken für Autofahrer sorgen. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
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Umwege: Ein Wegfall der Stadionbrücke würde lange Wege für Straßenbahn-Nutzer und mehrere Kilometer längere Strecken für Autofahrer sorgen. Reinhard Klawitter

Ein Abriss der Stadionbrücke über die Ludwigsluster Chaussee ohne Neubau wird in Schwerin immer wahrscheinlicher. Der Grund: Ein Neubau ist den Fraktionen von CDU/FDP, SPD-Grüne und den Unabhängigen Bürgern zu teuer.

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10. März 2013, 05:46 Uhr

Ostorf | Ein Abriss der Stadionbrücke ohne Neubau wird immer wahrscheinlicher. Der Grund: Ein Neubau ist den Fraktionen von CDU/FDP, SPD-Grüne und den Unabhängigen Bürgern zu teuer. Mit dem Zehn-Millionen-Euro-Sparpaket wollen sie auch eine neue Brücke über die Ludwigsluster Chaussee streichen. Zumal die Kosten von zunächst anvisierten 4,5 Millionen Euro laut Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff um 300 000 Euro gestiegen sind. Selbst mit in Aussicht stehenden drei Millionen Euro Fördermitteln liegt der Eigenanteil der Stadt immer noch bei mehr als 1,5 Millionen Euro für einen Neubau. FDP-Stadtvertreter Michael Schmitz rechnet zudem mit 50 000 Euro jährlichen Unterhaltungskosten. Angesichts der nackten Zahlen sei "ein Neubau der Stadionbrücke überflüssig", sagt er. Die für das laufende Jahr anstehenden Planungskosten in Höhe von 150 000 Euro für den Neubau hat die Verwaltung erst einmal gestoppt. Wie es im nächsten Jahr weiter geht, bleibt offen. Eine endgültige Entscheidung über die Investitionen fällt voraussichtlich auf der heutigen Sitzung der Stadtvertretung im Haushalt - gemeinsam mit der Streichliste.

Unabhängig von dessen Ausgang steht eines für den Baudezernenten fest: Im Jahr 2014 ist Schluss. "Die Stadionbrücke kann dann kaum noch ihr Eigengewicht tragen." Und der Leiter des städtischen Amtes für Verkehrsmanagement, Dr. Bernd Smerdka, ergänzt: "Das Gewicht des Verkehrs, ob Fußgänger oder Bus, spielt in dem Fall keine Rolle mehr." Dann muss die Überführung weg und eine Alternative her - oder eben nicht.

Die Fraktionen von CDU/FDP, SPD-Grüne und den Unabhängigen Bürgern lehnen einen Neubau geschlossen ab, zumindest auf dem Papier. Spareffekt: Mehrere hunderttausend Euro - je nach Lösung. "640 000 Euro würden wir mit einem Abriss und der Entscheidung für Ampelkreuzungen auf der Ludwigsluster Chaussee weniger ausgeben", erklärt Reinhard Huß vom Amt für Stadtentwicklung. Allerdings würde er lieber neu bauen, "sonst bedeutet das für alle nur Umwege". Die Diskussion über einen Abriss oder Neubau der Stadionbrücke spaltet auch die Fraktionen. "Ich finde, wir brauchen einen Neubau", sagt der Leiter des Bauausschusses Dr. Hagen Brauer (CDU) und wendet sich damit gegen den Vorschlag seiner eigenen Fraktion.

"Wir brauchen die Überführung", sagt der Chef des Ortsbeirates Gartenstadt, Ostorf Gerhard Reichert. "Alle Alternativen wie Ampelkreuzungen, Kreisverkehre oder ein kompletter Wegfall der Überführung würden erhebliche Einschränkungen mit sich bringen." So nutzen zu Hochzeiten etwa 50 Fußgänger die Brücke, um zum Beispiel zur Straßenbahnhaltestelle zu kommen. Eine Buslinie des Nahverkehrs nutzt die Überführung. Ein Ampellösung würde z. B. den Verkehrsfluss auf der Ludwigsluster Chaussee stören, auf der täglich etwa 25 000 Fahrzeuge unterwegs sind. "Aber würden wir dort den Verkehr auf Tempo 50 reduzieren, sehe das auch wieder anders aus", sagt Schmitz. Dürften keine Autos mehr über die Stadionbrücke rollen, sorge das auch für mehr Ruhe auf der Krösnitz-Halbinsel, argumentiert Frank Fischer (SPD). Fakt ist: Die leere Stadtkasse zwingt zum Umdenken. Der Neubau des Hinterhauses der Stadtbibliothek wurde gekippt und die Sanierung des Goethe-Gymnasium steht noch offen.

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