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Versicherung der Stadt Crivitz lehnt eine Regulierung des Schadens ab : Baum stürzt auf Autos und keiner zahlt

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Als es am 8. August auf dem Sportplatz am Geschwister-Scholl-Platz laut knallte, machten die Fußball-Übungleiter noch Witze, dass wohl ein Baum auf die Autos gekracht sei. Doch das Lachen blieb ihnen im Halse stecken.

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 06:06 Uhr

Crivitz | Sabrina Constantin und Maik Malenke sind sauer. Die Übungsleiter der Fußball-D-Jugend in der SG Einheit Crivitz zahlen für ihr Ehrenamt drauf - zwar nur einmalig, dafür aber kräftig. Es geht um einen Schaden von mehreren tausend Euro an den Autos der beiden Crivitzer. Der ist entstanden, als am 8. August eine Robinie auf deren Wagen fiel, die standen auf den Stellflächen vor dem Sportplatz am Geschwister-Scholl-Platz. "Das geschah zum Glück während des Fußball trainings", blickt Sabrina Constantin zurück. "Denn eine halbe Stunde zuvor waren nicht nur wir auf dem Parkplatz, sondern auch die Kinder aus unserer Mannschaft."

Die ehrenamtliche Übungsleiterin erinnert sich noch genau. Es war gegen 18 Uhr, als auch auf dem Platz ein lauter Knall zu hören war. "Wir haben noch Witze gemacht, dass wohl ein Baum auf die Autos gekracht sei." Doch das Lachen blieb allen wenig später im Halse stecken. Denn genau das war passiert. Den Ford von Maik Malenke hatte es schlimm erwischt. Der Baum war aufs Heck gefallen, hatte die Scheibe zertrümmert. Der Familienwagen von Constantins wurde von der Baumkrone getroffen, Beulen und Kratzer waren nicht zu zählen. "Wir haben Fotos gemacht und zugleich den Platzwart, die Polizei und die Feuerwehr informiert", berichtet Maik Malenke. Nachdem der Schaden dokumentiert war, konnten die Feuerwehrleute mit dem Zerlegen des Baumes beginnen.

Die Übungsleiter hatten zu diesem Zeitpunkt gehofft, dass es auch mit der Regulierung des Schadens so einfach weitergeht. Denn Sabrina Constantin und Maik Malenke wurden vom Amt Crivitz aufgefordert, die Rechnungen für die Reparaturen und Mietwagen bei der Kommunalen Schadens-Ausgleichskasse (KSA) einzureichen. "Als von dort die Nachricht kam, dass der Schaden nicht beglichen wird, waren wir einfach nur geschockt", erzählt Sabrina Constantin. Stattdessen wurden die Rechnungen nun über die privaten Kasko-Versicherungen der Autohalter beglichen. "Dabei standen unsere Autos ordnungsgemäß auf öffentlichen Flächen. Dass hier eine Gefahr droht, war nicht zu erkennen", betont Maik Malenke. "Da muss doch die Versicherung der Stadt einspringen."

Die Auffassung teilen auch Bürgermeister Ulrich Güßmann und Hartmut Paulsen vom Amt Crivitz. Doch die KSA lehnt eine Schadensregulierung ab. "Als Haftpflichtversicherer der Kommunen können wir nur dann eine Leistung erbringen, wenn ein schuldhaftes Verhalten eines Mitglieds vorliegt", teilt die KSA auf Anfrage unserer Redaktion mit. In Crivitz sei genau das Gegenteil der Fall. Hier gibt es ein Register für alle Bäume an Straßen und Plätzen, die Gehölze werden regelmäßig kontrolliert. Bei der Robine am Geschwister-Scholl-Platz war das am 22. März 2013 der Fall. "Dabei wurden keine äußerlich erkennbaren Auffälligkeiten festgestellt", schreibt die KSA. Erst im Nachhinein wurde bemerkt, dass der Baum im Wurzelbereich einen Pilzbefall aufwies, der wahrscheinlich die Ursache für das Umkippen der Robinie war. Für die KSA ist damit die Sache klar: "Eine Verletzung der Verkehrssicherungspflichten durch die Stadt Crivitz lag nicht vor, so dass die Schadensersatzansprüche als unbegründet zurückgewiesen wurden."

Diese Vorgehensweise kann selbst Bürgermeister Güßmann nicht verstehen. Er will das Amt Crivitz beauftragen, nochmals nachzuhaken, damit die Betroffenen nicht auf dem Schaden sitzen bleiben. Auch Hartmut Paulsen wundert sich. Denn das Amt müht sich, durch die regelmäßige Kontrollen der Bäume Schäden zu vermeiden. Dass damit für den unvorhersehbaren Fall aber eine Schadensregulierung verhindert wird, war ihm bislang nicht bewusst. Vorsorglich ordnete Paulsen an, dass nach dem Vorfall mit der einen Robine weitere Bäume in direkter Nachbarschaft abgenommen wurden. Bitter sei, so Paulsen, dass ausgerechnet zwei ehrenamtlich tätige Übungsleiter jetzt den Schaden haben.

Das sehen die Betroffenen natürlich genauso. Und Sabrina Constantin und Maik Malenke hatten nach der Ablehnung der Schadensregulierung auch kurz überlegt, ihr Ehrenamt sausen zu lassen. "Wir machen aber weiter. Schon der Kinder wegen", betont Sabrina Constantin. Die Hoffnungen, doch noch das Geld für die Reparaturen erstattet zu bekommen und somit eine Hochstufung in der Versicherung zu vermeiden, haben Constantin und Malenke aber noch nicht aufgegeben: Sie wollen den Vorgang jetzt ihren Anwälten übergeben und die Ablehnung durch die KSA vor Gericht anfechten.

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