Holthusen : Bauernhof bildet aus

Nachschub für die Milchtankstelle: Denise Garmenow etikettiert die Ein-Liter-Flaschen mit pasteurisierter Milch. Auch das gehört zu den Aufgaben in der Lehrlingsausbildung.
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Nachschub für die Milchtankstelle: Denise Garmenow etikettiert die Ein-Liter-Flaschen mit pasteurisierter Milch. Auch das gehört zu den Aufgaben in der Lehrlingsausbildung.

Denise absolviert Ausbildung für Speiseeisherstellung, Ernest will Landwirt und Pjotr Mechatroniker werden

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09. Dezember 2014, 23:30 Uhr

Verstärkt junge Leute auf den Bauernhof holen, das ist ein vordergründiges Anliegen der Agrargemeinschaft Holthusen. Derzeit bildet sie drei junge Leute aus. Denise absolviert eine Ausbildung als Fachkraft für Speiseeisherstellung, Ernest will Landwirt und Pjotr Mechatroniker werden. „Wir haben uns um die jungen Leute bemüht“, sagt Brigitte Roost-Krüger, Chefin der Agrargemeinschaft. Jugendliche, die sich für die Landwirtschaft interessieren und für solch einen Beruf geeignet sind, sind rar. Wer Nachwuchs sucht, müsse selbst aktiv werden, betont die Geschäftsführerin.

Denise Garmenow aus Rastow absolviert seit Oktober in dem Tochterunternehmen der Genossenschaft – Bauernhof-Eis Holthusen – eine Einstiegsqualifizierung. Und zugleich ihr erstes Lehrjahr als Fachkraft für Speiseeis, so lautet die Berufsbezeichnung. Vorher war ein zweiwöchiges Praktikum angesagt. Beide Seiten wollten erst schauen, ob es passt. Und wie es aussieht, passt es sogar ganz gut. In der warmen Jahreszeit fährt Denise mit dem Rad oder mit dem Zug von Rastow nach Holthusen. Derzeit bringt die Oma sie mit dem Auto zur Arbeit.

Insgesamt drei Jahre dauert die Lehre, in der Denise lernt, Eis herzustellen, Kuchen und Torten zu backen und kleine Gerichte zu kreieren. Die Berufsschule allerdings ist weit weg: in Mannheim. Roost-Krüger: „Wir haben keine andere gefunden, die günstiger liegen würde.“ Eine bzw. zwei Wochen im Monat muss die 16-Jährige nun immer in den Süden Deutschlands fahren – mit dem Zug. In der Berufsschulklasse seien sie sechs Auszubildende, sagt sie: fünf Italiener und eine Mecklenburgerin – Denise Garmenow.

Die Rastowerin würde nach der Lehre gern in Holthusen bleiben. Die Ausbildung mache ihr auch Spaß, erzählt sie. Vor allem die Eisproduktion. „Kuchen gebacken habe ich schon häufiger. Das hat mir meine Oma beigebracht. Aber leckeres Eis herzustellen, das ist schon etwas Besonderes.“

„Wir möchten unser Eisgeschäft weiter ausbauen, in Spitzenzeiten im Sommer müssen wir schon zu dritt arbeiten, um den Bedarf zu decken“, erzählt Brigitte Roost-Krüger, die gemeinsam mit Heidi Döscher die praktische Ausbildung übernimmt.

Eine Lehre in der Agrargemeinschaft absolvieren auch zwei junge Polen. Die Chefin hatte bei der Arbeitsagentur in Schwerin Bedarf angemeldet. Ernest und Pjotr waren zu Hause arbeitslos und wurden nach Holthusen vermittelt. Auch hier hat ein mehrwöchiges Praktikum gezeigt, dass beide Seiten wollen. Zeitgleich begannen die beiden jungen Leute mit einem Deutschkurs. Denn die Sprache sei noch ein Handicap. Aber mit der Verständigung werde es von Monat zu Monat besser, so Heidi Döscher. Die Ausbildung zum Landwirt dauert drei, die zum Mechatroniker dreieinhalb Jahre.

Der 24-jährige Ernest, der angehende Landwirt, hat seine Freundin und die gemeinsame Tochter schon nachgeholt. Die Kleine besuche den Kindergarten im Dorf und habe sich gut eingelebt, freut sich auch Roost-Krüger. Und die Freundin habe sich Arbeit gesucht. Noch profitiert die kleine Familie, die in Holthusen lebt, von einem Sonderprogramm des Bundes zur „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa“. Denn von dem Lehrlingslohn und dem Verdienst der Freundin kann die Familie allein nicht Miete, Kita-Kosten und alles weitere, was sie für den Unterhalt benötigt, zahlen. Brigitte Roost-Krüger und Heidi Döscher hoffen, dass alle drei jungen Leute ihre Ausbildung gut meistern – und dann auch in Holthusen bleiben.

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