Rastow : Bauernhilfe auf Französisch

Auf alle Fragen hatte Geschäftsführer Gerd Schütte (l.) für Anne-Marie Descôtes und Till Backhaus eine Antwort.
1 von 5
Auf alle Fragen hatte Geschäftsführer Gerd Schütte (l.) für Anne-Marie Descôtes und Till Backhaus eine Antwort.

Botschafterin des Nachbarlandes besucht Landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaft Rastow und verabredet Zusammenarbeit

von
17. April 2018, 08:00 Uhr

Es war ein bisschen mehr als Nachbarschaftspflege: Die Botschafterin der Französischen Republik war gestern zum Antrittsbesuch in Schwerin. Doch allein das Schloss zu besuchen, reichte Anne-Marie Descôtes nicht. Sie wollte „unbedingt“ sehen, wie Landwirtschaft in MV funktioniert. Gemeinsam mit Agrarminister Till Backhaus (SPD) besuchte sie deshalb gestern die Landwirtschaftliche Erzeugergemeinschaft Rastow. Auf dem Genossenschaftshof von Gerd Schütte mit insgesamt 22 Anteilseignern. Im Fokus des Betriebs steht die Milch. Insgesamt 1802 Tiere stehen in den Ställen, davon 842 Milchkühe. Der Bogen zu den aktuellen Sorgen in der Landwirtschaft war schnell gespannt: „Auch wir haben Probleme mit den Milchpreisen, aber hier ist es ja nicht viel besser“, sagte Anne-Marie Descôtes. Die Probleme seien in Frankreich wie in Deutschland die gleichen: zu viel Milch. Hinzu komme die deutsche Mentalität, stets nach dem billigsten Produkt zu greifen. „Die Franzosen schauen neidisch auf die geringen Lebensmittelpreise, sie sind am Ende aber doch bereit, angemessene Preise zu bezahlen“, erzählt die Botschafterin und wundert sich etwas über die deutsche Billig-Preis-Sehnsucht.

Beim Thema Umweltschutz sprachen Minister und Botschafterin die gleiche Sprache. Förderungen mit Umweltschutzmaßnahmen zu verknüpfen hält sie für einen guten Vorstoß. Die Reform-Ideen von Till Backhaus für eine gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 will sie mit ihren politischen Verantwortlichen diskutieren. Denn dass es nach Brexit und weiteren Finanzkürzungen einiger Änderungen bedarf, hätten auch die Franzosen erkannt. „Wir haben uns grob mit den deutschen Ideen beschäftigt, aber noch nicht im Detail“, sagte Anne-Marie Descôtes. Der Agrarminister machte keinen Hehl daraus, dass nicht alle Bauern mit seinen Vorschlägen einverstanden sind und gerade reine Marktfruchtbetriebe Unmut geäußert hätten. Weitere Gespräche seien nötig. Das sieht auch die Botschafterin so. Für einen deutsch-französischen Dialog stehe sie bereit und werde auch Mitstreiter in der Landwirtschaft wie der Politik finden. So wurden gestern weitere Zusammenkünfte mit Vertretern des Bauernverbandes und anderer Organisationen verabredet. Ziel sei es auf beiden Seiten, Landwirtschaft zu unterstützen, für ein gesichertes Auskommen aller Mitarbeiter in dieser Branche zu sorgen und dem stetigen Rohstoff-Preisverfall entgegenzuwirken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen