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Schlagsdorfs Landwirtschaft : Bauer: Unkraut reicht für 80 Jahre

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für Frank Piehl ist die Arbeit auf dem Feld noch nicht beendet – jetzt gibt es Mikronährstoffe und Kornblumen geht es an den Kragen

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erstellt am 29.Okt.2016 | 16:00 Uhr

Gut fünf Zentimeter reckt der Weizen seine grünen Blätter aus der braunen Erde empor. Ganz vorsichtig streicht Frank Piehl mit seinen großen Händen über die zarten Pflänzchen. „Er sieht wirklich sehr gut aus und entwickelt sich prima. Wie auch das Unkraut“, sagt Piehl und wandert noch ein paar Meter weiter über den Acker hinter dem Betrieb in Alt Schlagsdorf. „Dort kommt die Kornblume, daneben der Klatschmohn und hier unten in der Senke zeigt sich auch die Kamille“, sagt der Landwirt und deutet auf winzige grüne Blätter. Für den Laien auf den ersten Blick alles das Gleiche. „Das Unkraut reicht für mindestens 80 Jahre. Wir müssen etwas dagegen tun, um Getreide ernten zu können“, sagt Piehl. Des Öfteren stehen konventionelle Landwirte wie er in der Kritik, zu viel Herbizid auf die Flächen aufzubringen: „Wir machen nur das, was nötig ist. Es gibt ganz klare Vorschriften und auch strenge Kontrollen. Wir müssen alles genau protokollieren“, betont Piehl und schiebt hinterher: „Kein Landwirt fährt freiwillig sein Geld auf den Acker, wenn es nicht sein muss.“ Immerhin seien Pflanzenschutzmittel recht teuer und derzeit beliebtes Diebesgut (SVZ berichtete).

Piehls geschultes Auge erkennt die Unkräuter sofort, die er in seinem Getreide im kommenden Sommer auf keinen Fall sehen will. Denn dann sollen nach Möglichkeit auf einem Quadratmeter rund 500 Weizenhalme wachsen und in jeder Ähre 30 bis 40 Körner stecken. Wirtschaftlich habe der Weizen als Grundnahrungs- und Futtermittel eine große Bedeutung gewonnen. Allein in diesem Jahr lag die Weizen-Anbaufläche in Deutschland bei 3,2 Millionen Hektar. Der Schlagsdorfer bewirtschaftet mit seinem Bruder Klaus, der auch Betriebsleiter des gleichnamigen Landwirtschaftsbetriebes ist, rund 550 Hektar im Familienunternehmen. Weizen haben sie diesmal auf 60 Hektar gedrillt.

In Gedanken ist Frank
Piehl noch regelmäßig bei der Kalkulation für die Ernte im kommenden Jahr. Wie viele Nährstoffe werden zum Düngen benötigt? Wann ist der beste Zeitpunkt, Weizen zu verkaufen? Wie entwickeln sich die Preise auf dem Weltmarkt? „Und das ist längst nicht alles“, sagt er. So müsse auch der Raps noch einen Wachstumsregulierer bekommen, dass dieser nicht zu üppig wird und dann beispielsweise bei Frost Schaden nimmt.

In den nächsten Wochen und Monaten sei auch ohne Ernte viel zu tun. „Ich gönne mir in der nächsten Woche lediglich fünf Tage Urlaub. Mehr gibt es nicht am Stück im Jahr“, sagt der Alt Schlagsdorfer. Die Herbsttage und den Winter nutzt Piehl zudem für „die große und kleine Politik“, fasst er es mit seinen Worten zusammen. Denn jüngst wurde der 48-Jährige zum Vorsitzenden des Bauernverbandes Parchim gewählt. „Der Versammlungsmarathon beginnt, es ist Zeit für Weiterbildungen und dann gibt es an den Maschinen gut zu tun“, sagt der Landwirt. Lässt die Kasse es zu, werde auch neue Technik angeschafft. „Herbstzeit ist auch Rabattzeit“, sagt Piehl mit einem Augenzwinkern.

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