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Schwerin: Marienplatz-Galerie : Bauen unter Extrembedingungen

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Der Zeitplan ist eng gestrickt, jetzt hat der Frost die Bauarbeiten an der rund 90 Millionen Euro teuren Marienplatz-Galerie um rund sieben Tage zurückgeworfen.

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2011 | 11:07 Uhr

"Wenn wir mit so einem Großprojekt anfangen, scheinen alle Abläufe perfekt geregelt. Irgendwann zum Schluss hin ist alles nur noch Chaos und Stress. Aber ohne das würde es vielleicht nicht so viel Spaß machen." Martin Bieder geht gelassen lächelnd über "seine" Marienplatz-Galerie. Die Baustelle ist top aufgeräumt, obwohl knapp 500 Menschen hier täglich an allen Ecken und Enden werkeln. "Für die Reinigung haben wir extra einen Logistiker beschäftigt", sagt Bieder. Bei Großmaßnahmen mit mehr als zehn unterschiedlichen Gewerken gleichzeitig vor Ort sei das auch aus Sicherheitsaspekten nicht anders machbar.

Der Projektleiter vom Büro wmb-Architekten aus Berlin baut seit 18 Jahren Einzelhandelscenter. Ihn kann so schnell nichts schrecken. Auch nicht Frost, Schnee, Regen und Blitzeis, während Termine im Nacken sitzen. Ende Februar will C&A bereits seine Räume übernehmen, die über drei Stockwerke in der Marienplatz-Galerie reichen. "Dafür muss jetzt der erste Kran dringend raus", sagt Bieder. "Denn dort, wo der jetzt steht, kommen die Rolltreppen rein." Auch die ersten Fensterscheiben sind schon im neuen Geschäft, die Sprenkleranlage ist installiert, die Klimaanlage ebenso. Jetzt ist die Zeit, in der nicht mehr konsequent von unten nach oben gebaut wird, sondern nach Übergabe-Terminen.


Genügend Wärme für guten Estrich

Die Parkgarage für 148 Wagen ist so gut wie fertig, dort fehlt nur noch die Beleuchtung. Ein Stockwerk darüber wird der Rewe-Markt einziehen, hier sind bereits die Fußbodenfliesen verlegt, eine dicke Decke schützt sie vor unliebsamen Beschädigungen.

Martin Bieder kann über jedes Detail im Rohbau Auskunft geben - über die Löcher hoch oben in der Wand, in die einmal die Stahlträger für das Glasdach kommen, über die Trafos, Schaltkästen und die Stromversorgung, über die noch leeren Fahrstuhlschächte ebenso wie über die dicken Schläuche, die die Treppen hochführen und ein Eigenleben zu führen scheinen. "Darin wird der Estricht hochgepumpt", sagt Bieder und zeigt nebenbei, wo der zukünftige Durchbruch von der Galerie zum Textilhaus Kressmann erfolgen soll. Die meisten Wände für die verschiedenen Läden im neuen Einkaufs-Center sind schon gezogen, auch die Schienen für die Glasfronten sind an den Decken montiert. Wer sich aber genau wo einmieten wird, das wissen weder Projektleiter Guido Schütte noch Projektleiter Martin Bieder aus dem Kopf. Zur Eröffnung im Mai wird jedes Geschäft belegt sein, sagt Schütte. Lediglich in den Büroräumen im letzten Geschoss werde dann noch gearbeitet. Schütte: "Die Adresse Marienplatz 12 ist begehrt, aber die Vermietung von Büros klappt am besten, wenn man dem Mieter seine Räume wirklich zeigen kann."

Kurz hinter der Passage zu Kressmann stapft ein braun gebrannter Mann im T-Shirt durch knöcheltiefen Schlamm. Das ist der Estrich. Beherzt lässt er sich auf die Knie ins graue Gemisch fallen und zieht es mit einem Holzbalken gerade. "Schön warm hier", sagt er noch. Das Geschoss, in dem er arbeitet, ist komplett abgeplant, um die nötige Wärme in den Räumen zu halten. Estrich bindet bei Minusgraden nämlich nicht ab. Lediglich der Beton verträgt es etwas kälter, aber auch das ist eine Kunst für sich: "Weil wir über der Schale nur 15 Zentimeter Deckenbetonnage gießen, entwickelt der Beton nicht genug Eigenwärme", sagt Bieder. Also wird der Beton gewärmt angeliefert, die Decke wird von unten geheizt und nach dem Guss kommt noch eine Folie auf den frischen Beton.

60 Betonmischer an nur einem Tag

Während die Bauarbeiter in den Stockwerken 1 bis 5 zum Teil ohne Jacke arbeiten, ist es im sechsten Obergeschoss mächtig kalt. Hier wird Beton für den letzten Fußboden gegossen, vorher wird noch der Bewehrungsstahl mit eine m 90-Grad-Dampfstrahl abgekärchert. Zu Hoch-Zeiten fahren die Betonmischer im Halbstundentakt die Baustelle an. An einem Tag in der Anfangsphase brauchte man sogar 60 Laster-Ladungen, Wenn jetzt Decken, Wände und Träger gegossen werden, komme man wohl auf 20 Lkw - die bringen dann 200 Kubikmeter Beton.

Für die nächste Woche sind Plus-Grade angesagt. "Dann wird hier alles noch besser laufen", sagt Bieder. Viele Lieferungen seien zwar fest gebucht, ließen sich notfalls aber kurzfristig noch umdisponieren. Mit einer Menge Telefonaten, Absprachen, Umplanungen Stress und Chaos, das er so mag. "Auch wenn ich zwischendurch oft nicht mehr dran geglaubt habe: Bislang ist noch jedes Einkaufscenter fertig geworden."

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