Neue Häuser in Crivitz : Bauen – auch auf dem Land

Am Wohngebiet Trammer Straße  will die Stadt Crivitz 15 Baugrundstücke erschließen.
Am Wohngebiet Trammer Straße will die Stadt Crivitz 15 Baugrundstücke erschließen.

Beschränkungen sollen nach 2020 gelockert werden

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05. Januar 2018, 12:00 Uhr

Das Wohngebiet an der Trammer Straße in Crivitz soll wachsen: Die Stadt will 15 Baugrundstücke erschließen. 350  000 Euro wurden in den Haushalt eingestellt. Auf dem Papier sind diese Wohnhäuser schon zu finden, sie gehören zum B-Plan-Gebiet am Stadtrand. Doch bislang sind im Wohnviertel nur der erste und zweite Bauabschnitt belegt. „Wir haben zahlreiche Anfragen nach Bauland und wollen diesem Bedarf gerecht werden“, betont Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm. Ob für alle 15 infrage kommenden Baugrundstücke gleich Straßen gebaut und Leitungen verlegt werden, hänge auch davon ab, ob aus Anfragen auch Reservierungen werden. Die Stadt Crivitz will nur die Grundstücke erschließen lassen, die dann rasch bebaut werden können, erläutert Brusch-Gamm. „Für die Hälfte der Grundstücke gibt es bereits ernsthafte Bewerber.“ Zudem schauen die Stadtvertreter auch in die Neustadt. In der Lindenallee sollen Flächen, die für den mehrgeschossigen Wohnungsbau vorgesehen sind, für eine Bebauung mit kleinen Wohnhäusern neu überplant werden. Dort gibt es bereits Straßen, Ver- und Entsorgungsleitungen. Der Stadt Crivitz geht es darum, mit möglichst geringem Aufwand Bauland zu schaffen und so jungen Familien die Möglichkeit zum Hausbau zu geben. „Als Grundzentrum unterliegen wir da auch nicht den raumordnerischen Einschränkungen“, betont Britta Brusch-Gamm. Aber Crivitz will auch nicht unnötig viel Bauland ausweisen.

Neben Crivitz genießen die 14 Gemeinden im Stadt-Umland-Raum von Schwerin eine Ausnahmestellung. Dort steht eine Einigung kurz vor dem Abschluss. Schwerin als Oberzentrum und die 13 direkten Nachbargemeinden sowie Pinnow erstellen einen Rahmenplan für die Wohnbauentwicklung bis 2020. Der sieht ein Wohnraumwachstum bis zu acht Prozent in diesen Orten vor. Das sind unterm Strich 243 Wohnungen (SVZ berichtete).

Für alle anderen Gemeinden im Schweriner Umland gilt die Drei-Prozent-Regel für den „Eigenbedarf“. Die ist aber nicht Gesetz, sondern nur ein Richtwert. Diese starke Einschränkung steht in der Kritik und auch auf der Kippe. Denn jetzt gehen die raumordnerischen Planungen für die nächste Dekade los. „Das Konzept sieht für den Zeitraum ab 2020 eine Eigenbedarfsregelung vor, allerdings nicht mehr rein quantitativ, sondern differenzierter“, sagt Karl Schmude vom Planungsverband Westmecklenburg. „Allen nicht zentralen Orten sollen fünf Wohneinheiten pro 1000 Einwohnern zugestanden werden.“ Falls die Ortschaften eine gute Infrastrukturausstattung haben, über Haus- oder Facharzt, Schule, Kita, Nahversorger, Pflegeeinrichtung verfügen, seien weitere fünf Wohneinheiten möglich. Falls die Wohnungen in Senioren gerechter Bauweise errichtet werden, seien weitere 2,5 Wohneinheiten möglich.

Dass so eine überarbeitete Regelung kommen muss, halten Vertreter vieler Kommunen für überfällig. „Rastow war einst ein ländlicher Zentralort“, bringt Wolfgang Utecht vom Amt Ludwigslust-Land in Erinnerung. Als vor gut zehn Jahren diese Kategorie verschwand und nur Crivitz als Grundzentrum im Schweriner Umland übrig blieb, bedeutete das nicht nur finanzielle Einbußen für die Zentralorte – auch die Entwicklungspotenziale dieser Gemeinden wurden gestutzt. Die Infrastruktur und vor allem die Einrichtungen, die auch von Nachbargemeinden genutzt werden, blieben erhalten. Nur deren Erhalt können die einstigen Zentralorte nicht allein stemmen.

So sieht das auch Iris Brincker. Sie ist Verwaltungschefin im Amt Lützow-Lübstorf und gehört dem Planungsverband an. Sie fordert ebenfalls eine Stärkung der Gemeinden, die überörtliche Aufgaben wahrnehmen. Größere Entwicklungschancen und
-potenziale gibt es zudem nicht nur in den drei Stadt-Umland-Räumen, sondern auch an den Autobahnen, an der Ostseeküste und in Nähe der Landesgrenze.

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