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21. November 2017 | 23:55 Uhr

Kraak : Bau-Ende am Erdgasspeicher in Sicht

vom

20 Jahre nach den ersten Erkundungsbohrungen geht ein großes Projekt der Region zu Ende: Der Erdgasspeicher in der Kraaker Tannen wird noch dieses Jahr von einer Großbaustelle zur reinen Lagerstätte.

svz.de von
erstellt am 18.Jun.2013 | 11:19 Uhr

Kraak | Fast zwei Jahrzehnte nach dem Start mit den ersten Erkundungsbohrungen geht eines der größten Projekte der Region nun langsam zu Ende: Der Erdgasspeicher in der Kraaker Tannen wird noch in diesem Jahr von einer Großbaustelle zur reinen Lagerstätte. "Dabei könnten im Salzstock noch weitaus mehr Kavernen ausgespült und so Lagerraum für Erdgas geschaffen werden", berichtet Diplom-Ingenieur Thomas Hagen, der bei Eon-Hanse für den technischen Ausbau des Speichers verantwortlich ist. Doch derzeit gibt es keinen Bedarf für ein noch größeres Zwischenlager in der Region.

Die vierte und (wohl) letzte Kaverne war bereits vor zwei Jahren fertig. Sie ist die größte und kann mehr als 100 Millionen Kubikmeter Erdgas aufnehmen. Insgesamt können in den geschaffenen Hohlräumen mehr als 300 Millionen Kubikmeter Erdgas eingelagert und bei Bedarf wieder herausgepumpt werden. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahresbedarf in 150 000 Einfamilienhäusern. Ganz verschiedene Gasanbieter mieten sich hier Speicherkapazitäten. Eon-Hanse muss diese zur Verfügung stellen. "Das ist eine Regelung im Zuge der Liberalisierung des Gasmarktes", unterstreicht Pressesprecher Volker Mielisch. Beim Baustart Mitte der 1990er-Jahre wollte Heingas, das Unternehmen gehört inzwischen zu Eon, eigentlich ein Zwischenlager für die eigene Firma schaffen. Mielisch: "Nun sind wir eben auch Lageristen für Mitwettbewerber."

Doch das ist nicht der Grund für das Bau-Ende. Zwar würden in dem Salzstock noch 13 weitere Kavernen Platz haben. Allerdings ist unklar, wohin das aufgelöste Salz fließt. Beim Bau der jetzigen Lagerstätten wurden die Hohlräume mit geklärtem Abwasser aus Schwerin geschaffen. Die Sole konnte bei Sülte, Holthusen und Schwerin-Süd wieder in die Tiefe geleitet werden. In etwa 2000 Metern Tiefe gibt es hier ein Porengestein, das schon eine heiße Sole beherbergt. Zu DDR-Zeiten wurde erforscht, ob diese Sole nutzbar gemacht werden kann, beispielsweise für das Heizen von Häusern. Doch das erwies sich als zu aufwändig. In den zurückliegenden Jahren nahm das Porengestein nun das ausgespülte Salz auf. "Das ist nicht länger möglich, die Kapazität ist erschöpft", erläutert Thomas Hagen. Wichtig dabei: Das aufgelöste Salz wurde nicht unter der Erde verpresst, sondern floss in zur Verfügung stehende Hohlräume.

"Wenn wir unter den Kraaker Tannen weitere Kavernen schaffen wollen, muss für die Verbringung der ausgespülten Sole eine technische Lösung gefunden werden", ergänzt Hagen. Aber die ist nicht in Sicht. Außerdem waren die "Einlaufschächte" schlicht und einfach verschlissen. Drei Bohrlöcher aus DDR-Zeiten erfüllten diese Aufgaben. Davon gab es weitaus mehr. Nach der Wende hatte Heingas alle Bohrlöcher gekauft. Drei durfte die Firma für diesen Zweck nutzen, alle anderen wurden schon in den 1990er-Jahren dauerhaft verschlossen und die Oberfläche rekultiviert. Das passierte Ende vorigen Jahres bereits mit den Bohrlöchern bei Sülte und Holthusen. Das letzte noch offene befindet sich in Schwerin-Süd. Es soll im Spätsommer verschlossen werden. "Dann wird dort noch einmal rege Bautätigkeit herrschen", erläutert Mielisch. Doch das ist kein Neuanfang, sondern das Ende. Danach kann über dem Bohrloch wieder ganz normal Landwirtschaft betrieben werden.

Auch auf dem oberirdischen Speichergelände mitten in den Kraaker Tannen gab es wegen des nahenden Projekt-Abschlusses noch viel zu tun. "Wir mussten viele technische Anlagen zurückbauen", betont Hagen. Zugleich wurde die Technik zum Befüllen und Entleeren der Kavernen verbessert. "Die Verdichterkapazität ist heute doppelt so hoch wie vor vier Jahren", sagt Hagen. Damit kann Eon schneller Gas zur Verfügung stellen oder einlagern. Das kommt übrigens aus der bereits zu DDR-Zeiten gebauten Erdgasleitung, die westlich von Schwerin von Süd nach Nord verläuft. Der Kraaker Speicher hat einen direkten Anschluss daran. Doch auch aus der neuen Ostsee-Pipeline und der NEL quer durch Mecklenburg-Vorpommern kann Erdgas nach Kraak gepumpt werden: Bei Sülstorf gibt es einen Verknüpfungspunkt beider Leitungen, der bereits arbeitet. In Zukunft übernimmt die moderne Technik den wichtigsten Part beim Kraaker Erdgasspeicher. Für Wartung, Überprüfung und Betrieb sind gerade mal vier Mitarbeiter nötig.

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