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16. Dezember 2017 | 18:00 Uhr

Barniner Reuter-Fans machen mobil

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2012 | 08:40 Uhr

Barnin | Aldor von Wolfframsdorff snackt gern mal platt. Auch und ganz besonders mit Gästen seiner Gaststätte "Kiek in". "Die Älteren mögen es, wenn man sich mit ihnen auf Plattdeutsch unterhält. Und mir macht es auch ungeheuren Spaß", sagt der Barniner. Selbst seine Frau, die aus Sachsen stammt, so erzählt er, bemüht sich, nicht nur alles gut zu verstehen, sondern auch ein wenig Platt zu sprechen. Der jüngere Sohn des Ehepaars hatte in der Schule in einer Arbeitsgemeinschaft Unterricht in plattdeutscher Sprache, erklärt Aldor von Wolfframsdorff. Die Verbundenheit zum Plattdeutschen zeigt sich auch darin, dass sich die Familie früher oft die Vorstellungen der Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin angeschaut hat. Die Kinder sind mittlerweile groß und aus dem Haus. Aber der Gastwirt und seine Frau halten dem Theater nach wie vor die Treue, "auch wenn wir uns aus zeitlichen Gründen nicht jedes Stück anschauen können."

Tradition aber ist, dass die niederdeutsche Bühne mindestens einmal im Jahr, im Dezember, nach Barnin kommt und im Saal der Gaststätte, die das Ehepaar Wolfframsdorff betreibt, das jeweils aktuelle Weihnachtsprogramm aufführt. "Die Vorstellung ist immer bestens besucht", weiß der Barniner. Das war sie auch diesmal wieder.

Und doch machen sich die Barniner Sorgen. Sorgen um den Erhalt der Fritz-Reuter-Bühne. Sie steht vor der möglichen Schließung (SVZ berichtete). Der Aufsichtsrat des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin hatte im Dezember den Geschäftsführer des Hauses, Joachim Kümmritz, damit beauftragt, eine Schließung dieser Sparte zu prüfen.

Allein der Prüfauftrag erschreckte viele Kultur- und Theaterfreunde. Auch die Barniner, auch Peter Gossel. Der Senior und frühere Bürgermeister der Gemeinde Barnin ist wie Aldor von Wolfframsdorff Mitglied im Kulturverein und Freund des Plattdeutschen. Als die Fritz-Reuter-Bühne jetzt im Dorf gastierte und viele Plattdeutsch-Fans zusammenkamen, regte Gossel an, Unterschriften für den Erhalt der Bühne zu sammeln. "Die plattdütsche Sprak is dei letzte Sprak, in dei wie dei Wohrheit mit Humor seggen können. Wie möten datt werre lieren", begründet Gossel. Und weiter: "Es wäre mehr als schade, wenn die Fritz-Reuter-Bühne aus finanziellen Gründen geschlossen werden würde. Das kann man nicht machen. Niederdeutsch ist ein Sprachschatz, der erhaltenswert ist." Und Wolfframsdorff fügt hinzu: "Pflege und Erhalt der plattdeutschen Sprache sind Bestandteil der Landesverfassung. Die Fritz-Reuter-Bühne leistet daher einen ganz wichtigen Beitrag. Das sollte man keineswegs vergessen."

So wundert es nicht, dass auf Anhieb mehr als 80 Unterschriften zusammenkamen. Und beim Neujahrsempfang der Gemeinde im Januar unterschrieben weitere Barniner. Aldor von Wolfframsdorff, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins: "Wir haben insgesamt 160 Unterschriften gesammelt. Die Listen haben wir inzwischen der Fritz-Reuter-Bühne übergeben."

Deren Leiter Rolf Petersen freut sich über diese Art des Zuspruchs. Über die Unterschriftenaktion der Barniner wird er den Intendanten des Mecklenburgischen Staatstheaters und den Aufsichtsrat informieren. Ebenso soll das Kultusministerium davon erfahren. Denn auch das Land könne sich nicht einfach der Verantwortung entziehen, so Rolf Petersen. "Es gibt nur zwei professionelle niederdeutsche Bühnen im norddeutschen Raum. Das sind das Ohnsorg-Theater in Hamburg und die Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin", betont er. Sollte man daher nicht stolz auf diese Bühne sein?

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