Banzkow : Banzkows Sitzmadonna kehrt zurück

Die Sitzmadonna erhält heute ihren Platz in der Winterkirche. Karsten Simoneit (r.) hat sie angefertigt. Pastor Bernd Klaas, Solveig Leo, Christiane Beth, Lehrerin Corinna Jürß und Karl-Georg Haustein (v.l.) stellen probeweise die kleine Ton-Madonnen ins Regal
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Die Sitzmadonna erhält heute ihren Platz in der Winterkirche. Karsten Simoneit (r.) hat sie angefertigt. Pastor Bernd Klaas, Solveig Leo, Christiane Beth, Lehrerin Corinna Jürß und Karl-Georg Haustein (v.l.) stellen probeweise die kleine Ton-Madonnen ins Regal

Holzbildhauer Karsten Simoneit schuf neue Skulptur nach dem historischen Vorbild. Schüler fertigen parallel dazu kleine Tonfiguren

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10. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Ein Stück Kulturgeschichte kehrte am Sonnabend zurück nach Banzkow. Gegen 14.30 Uhr wird eine von Karsten Simoneit geschnitzte Sitzmadonna ihren Platz in der Winterkirche einnehmen. Und gleich daneben zieht ihr Gefolge ein – in einem Regal in Kreuzformat. Denn während der Holzbildhauer nach dem Vorbild der „Muttergottes auf dem Pfostenthron“ aus der Mitte des 13. Jahrhunderts eine neue Skulptur formte, erschufen 30 kunstinteressierte Schüler von der Regionalen Schule Banzkow kleine Madonnen aus Ton.

Dass die Banzkower Dorfkirche diese Marienfigur erhält, ist kein Zufall. Die „Muttergottes auf dem Pfostenthron“ ist zwar älter als das im Jahr 1300 erstmals erwähnte Lewitzdorf. Die Skulptur aus Pappelholz stand aber über Jahrhunderte in der Kirche. „Wann und warum sie aus Banzkow verschwand, ist unklar“, erzählt Alt-Bürgermeisterin Solveig Leo, die sich im Förderkreis für die Kirche engagiert. Heute gehört die 55 Zentimeter hohe Holzmadonna zu den musealen Ausstellungsstücken im Güstrower Schloss. „Alle unsere Versuche, diese Skulptur nach Banzkow zurückzuholen, sind gescheitert“, fügt Leo an. Doch im Lutherjahr gelang es, das Madonnen-Projekt in einem modernen Gewand zu verwirklichen – mit Unterstützung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, freut sich Leo.

Karsten Simoneit hat nicht nur jede Menge Arbeit, sondern auch viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt. „Es ist etwas ganz Besonderes, so eine altes Kunstwerk nachzubilden“, erzählt der Schweriner. Vor allem die figürliche Darstellung eines Menschen sei für ihn eine Herausforderung gewesen. Der Holzbildhauer war mehrfach in Güstrow, um sich das Original anzuschauen, Fotos und selbst angefertigte Zeichnungen lagen während der Arbeit zur ständigen Anschauung bereit. „Die neue Sitzmadonna ist aber keine Kopie“, betont Simoneit. Die alte und die neue Madonna sind zwar gleich groß. Auch die Körperhaltung ist die gleiche. Aber Simoneit hat ganz bewusst nach dem historischen Vorbild eine neue, eigenständige Skulptur erschaffen. Die besteht aus hochwertigem Lindenholz und wiegt etwa fünf Kilogramm. Damit die Sitzmadonna in der Winterkirche richtig zur Geltung kommt, stellt Karsten Simoneit sie auf eine Stele aus Eichenholz. Und auch das Regal in Kreuzform, in dem ausgewählte Tonfiguren der Banzkower Schüler Platz finden, hat der Holzbildbauer angefertigt.

„Dass meine Madonna in der Kirche ausgestellt wird und hier bleiben darf, ist schon cool“, sagt Neuntklässlerin Kora Bosselmann. Sie gehört zu den 30 Schülern, die Kunstlehrerin Corinna Jürß ins Madonnen-Projekt einbeziehen konnte. Auch die Schüler waren in Güstrow, um sich das Original anzuschauen. Hinzu kamen Besuche in der Goldenstädter Werkstatt von Karsten Simoneit. „Die Schüler konnten aber ganz eigene Madonnen formen“, erläutert Jürß. Gearbeitet wurde mit Ton. Einige der Jugendlichen hatten bereits Erfahrung mit diesem Werkstoff, doch das Modellieren einer menschlichen Skulptur war für alle Neuland. „Den ersten Brand haben leider nicht alle Figuren überstanden“, berichtet die Lehrerin. Immerhin um die 20 kleinformatige Madonnen aus Ton sind aber entstanden und nun in der Kirche zu sehen.

Pastor Bernd Klaas ist dankbar über die große Unterstützung durch den Förderkreis und stolz auf dieses Projekt. „Und aus theologischer Sicht freut mich besonders, dass eine Frauenfigur nun wieder so präsent in unserer Kirche ist.“

Dass die neue Sitzmadonna aus Holz und ihre Gefolge aus Ton ausgerechnet heute Einzug in der Kirche hält, ist übrigens kein Zufall: Zwischen 11.30 und 18 Uhr findet im und am Begegnungszentrum Störtal der Weihnachtsmarkt statt. Alle Gäste sind eingeladen, auch in die Kirche reinzuschauen.


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