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Selbstbedienung statt Kundenberatung : Bankgeschäfte nur am Automaten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Raiffeisenbank zieht Mitarbeiter aus Zweigstellen in Leezen, Rastow, Picher und Müssen ab

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Raiffeisenbank Büchen, Crivitz, Hagenow, Plate mit Hauptsitz in Hagenow will sparen und schafft in vier ihrer Filialen den bisher normalen Schalterbetrieb ab. Dabei handelt es sich um Picher, Leezen, Rastow und Müssen in Schleswig-Holstein. Betroffen sind gut 4000 Kunden, die per Brief darüber informiert wurden. In Leezen und Picher soll das noch in diesem Jahr umgesetzt werden, in Rastow erst im Sommer 2017. Es sei kein Rückzug aus der Fläche und Personal würde damit auch nicht abgebaut, betonte Daniel Horn, Vorstand bei dieser Raiffeisenbank. Es gehe vielmehr darum, die Bank zukunftsfähig zu gestalten und Rücksicht auf das veränderte Kundenverhalten zu nehmen.

Und das sähe eben so aus, dass der normale Kunde zu Beratungszwecken kaum noch in die kleinen Filialen komme. „Wir haben gewaltige Zuwächse bei den Kunden, die ihre Geschäfte online erledigen“, bestätigt Vertriebsleiter Michael Seichter. Und wenn Beratungsbedarf bestünde, dann müsse und wolle der Kunde einen Spezialisten sprechen. Doch der sitzt in den größeren Filialen.

Hinzu kommt, dass auch in den Mini-Filialen Investitionsbedarf besteht. Daher entschloss sich die Bank, ihre kleinsten Zweigstellen komplett auf Automaten umzustellen. Horn: „Langfristig sparen wir Geld, doch darum geht es erst in zweiter Linie. Unser Personal wird umgesetzt, damit wir die Qualität der Beratung halten können. Es ist eben nicht mehr so, dass wir einfach mal schnell einen Immobilienkredit vergeben dürfen. So nach dem Motto ,20 habe ich, 80 brauche ich – mach mal fertig, ich komme morgen zur Unterschrift’. Das ist vorbei. Wir werden wie alle Banken geradezu erschlagen mit Regulierungsvorschriften. Auch das kostet.“

Trotzdem sei der Bank der Schritt zur Automatenfiliale nicht leicht gefallen, weil man um die psychologische Bedeutung der Nachricht wisse. Für die älteren Kunden soll es in der Übergangszeit Hilfestellungen geben. Vor allem die Handhabe der Selbstbedienungs-Terminals soll vermittelt werden. Dort können Kunden ihre Überweisungen selbst eingeben. Zudem bleibe es dabei, dass die Kunden ihre ausgefüllten Belege in den Briefkasten der Bank einwerfen können. Alle Filialen sollen mit Kontodrucker, EC-Automat und den SB-Terminals ausgestattet werden.

Detlef Christ, Bürgermeister von Picher, ist von der Umstellung nicht begeistert. „Es gibt wohl keinen anderen Weg, für uns ältere Herrschaften wird das nicht gerade leicht. Dennoch sind wir als Gemeinde froh, dass die Filiale bleibt.“ Ähnlich sieht es Rastows Bürgermeister Ralf Egbert Scharlaug, der froh ist, dass es im Dorf weiterhin eine Möglichkeit zur Abwicklung der Bankgeschäfte geben wird: „Die Umstellung auf die Automaten lässt sich nicht aufhalten.“ Gerhard Förster aus Leezen kann sich dem nur anschließen. Für sein Dorf gibt es zudem Pläne, das Raiffeisenbank-Areal am Kreisel vor dem Schloss umzugestalten, wodurch das Dorfbild gewinnen würde. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden waren schon vor der Pressekonferenz von der Bank über die Pläne informiert worden.

Die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin als weitere große Regionalbank plant ähnlicher Schritte derzeit nicht. „Wir bauen weiter auf ein breites Geschäftsstellennetz. Derzeit gibt es keine konkreten Überlegungen zu Anpassungen. Im Gegenteil: Wir investieren kontinuierlich in unsere Geschäftsstellen. In diesem Jahr zum Beispiel in Pampow und Zarrentin. Gerade die Niedrigzinsphase macht persönliche Beratung nicht überflüssig, sondern immer wichtiger. Langfristig können Änderungen des Kundenbedarfs, zum Beispiel durch zunehmende Nutzung unserer Internet-Angebote, auch uns zu einzelnen Anpassungsmaßnahmen zwingen“, so Kai Lorenzen, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. In ihre Pampower Filiale investiert die Raiffeisenbank Hagenow im Übrigen auch.

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