Banken in der Krise, deutsche Sparer in Not?

von
18. Mai 2012, 09:09 Uhr

Die Rating-Agentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von 16 Banken aus Spanien herabgestuft. Erst zu Wochenbeginn waren 26 italienische Geldinstitute ins Visier der Prüfer geraten und heruntergestuft worden. In Griechenland hatten verunsicherte Kunden vor einigen Tagen Hunderte Millionen Euro abgehoben, weil sie fürchteten, ihre Banken wären bald zahlungsunfähig oder die Drachme würde eingeführt. Hintergründe zur Lage der Banken liefert Christoph Slangen.

Warum wurden Banken herabgestuft?
Im Fall der spanischen Banken kommen mehrere Faktoren zusammen: Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und die anhaltende Immobilienmarkt-Krise beeinträchtigen die Kreditwürdigkeit. Die Qualität vieler Immobilienkredite verschlechtere sich, beklagt Moody’s. Zudem verfügt der spanische Staat inzwischen über eine niedrigere Kreditwürdigkeit - dadurch verschlechterten sich die Chancen, dass er Banken in einer Notlage helfen könnte. Verlieren die Sparer tatsächlich das Vertrauen und stürmen die Bankschalter, droht Zahlungsunfähigkeit.

Sind Sparguthaben in Gefahr?
Sparer in Deutschland müssen sich in der Regel keine Sorgen machen. Per Gesetz sind Spareinlagen - auch Gelder auf dem Girokonto - bis 100 000 Euro geschützt. Die Banken übernehmen mit dem Einlagensicherungsfonds freiwillig sogar deutlich höhere Garantien. Auch Tochterunternehmen einer ausländischen Bank sind im Einlagensicherungsfonds, z.B. die Santander Consumer Bank, deren spanische Mutter zu den von Moody’s niedriger bewerteten Banken zählt. Deren neues Rating A3 bedeutet immer noch, dass die Bank als sichere Anlage gilt, sofern nicht unvorhergesehene Ereignisse die Branche treffen.

Wie können Krisen-Banken stabilisiert werden?
Die Europäische Zentralbank hatte im Dezember 2011 und im Februar 2012 den Banken insgesamt eine Billion Euro zur Verfügung gestellt, damit es zu keiner Kreditklemme kommt. Die EZB könnte erneut als Feuerwehr einspringen: Eine weitere Zinssenkung, neue Kredite oder der Ankauf von Staatsanleihen aus Krisenländern wäre möglich. Die Eigenkapitalquoten der Banken sollen ohnehin erhöht werden, damit sie mehr eigenes Geld als Risikopuffer für Kreditausfälle haben. Doch während gesunde Kreditinstitute die Auflagen beispielsweise über die Ausgabe neuer Aktien erfüllen können, wird es für andere schwer, Kapital zu beschaffen. In Krisenländern fehlt der finanzielle Spielraum zur Bankenunterstützung. Michael Hüther, Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, fordert den Einsatz von Mitteln aus dem EFSF, um das Eigenkapital der Banken aufzustocken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen