Schlossfestspiele 2012 : "Bajazzo" strahlt über Schwerin hinaus

<strong>Reale Zirkuswelt und Operngenuss in einem:</strong> Der Schweriner 'Bajazzo' begeisterte Zuschauer aus ganz Deutschland. Nach 32 Vorstellungen ging er gestern zu Ende. <foto>kawi</foto>
Reale Zirkuswelt und Operngenuss in einem: Der Schweriner "Bajazzo" begeisterte Zuschauer aus ganz Deutschland. Nach 32 Vorstellungen ging er gestern zu Ende. kawi

Die Manege ist geschlossen, aber Gesprächsthema werden die Schlossfestspiele 2012 noch lange bleiben: Als eine der erfolgreichsten und spannendsten Inszenierungen. 36 000 Zuschauer sahen die Zirkus-Oper.

svz.de von
22. Juli 2012, 09:23 Uhr

Altstadt | Die Manege ist geschlossen, heute beginnen auf dem Alten Garten bereits die Aufräumarbeiten, schon am Ende der Woche wird dort nichts mehr an den Circus Roncalli und den Bajazzo erinnern. Aber Gesprächsthema werden die Schlossfestspiele 2012 noch lange bleiben: Als eine der erfolgreichsten und zugleich spannendsten Inszenierungen. 36 000 Zuschauer aus ganz Deutschland sahen die Zirkus-Oper, die Regisseur Peter Lotschak für Schwerin in Szene gesetzt hatte. Nachdem das ZDF im heute journal einen Bericht über den Schweriner Bajazzo ausgestrahlt hatte, gab es eine zweite Reservierungs-Welle und schon bald keine Karten mehr. Die letzte Woche war ausverkauft, genauso wie die zwei Zusatzvorstellungen.

Generalintendant Joachim Kümmritz, der wegen der nicht so erfolgreichen Schlossfestspiele der vergangenen beiden Jahren viel Kritik einstecken musste, spricht diesmal von einem "Wunder", lobt das Team, den "tollen Generalmusikdirektor" Matthias Foremny und den "großartigen dramaturgischen Ansatz", der rein intellektuell funktionieren musste. "Aber natürlich kann man vorher nie 100-prozentig wissen, ob das Publikum das auch annimmt", so Kümmritz. Doch diesmal ist die Saat aufgegangen. "Das ist für uns ein super Grund zur Freude", so der Intendant. Die Gäste wären in den szenischen Raum - denn das ganze Zirkuszelt war Bühnenbild und die Zuschauer also ein Teil davon - perfekt eingetaucht. "Diese Inszenierung hat viel für Schwerin getan", ist Kümmritz sicher. Peter Lotschak, der gerade in Österreich arbeitet, am Wochenende zum Bajazzo-Finale aber nochmal nach Schwerin kam, habe versichert, dass selbst in den Alpen alle nur vom Schweriner Bajazzo reden.

Auch die Zuschauer seien des Lobes voll und hätten zahlreiche Dankes-Mails ans Theater geschickt. Aus den vergangenen Jahren kennt Kümmritz das auch anders. Beispiel: "Beim Freischütz bin ich beschimpft worden, dass ich die Leute bei strömendem Regen habe auftreten lassen", erinnert er sich an die durchnässten Festspiele 2011. Hätte er die Vorstellung ausfallen lassen, hätten sich andere beschwert. Ein schwerer Unfall auf den Zuschauerrängen trübte die Theaterstimmung im vergangenen Jahr zusätzlich.

Der "Bajazzo" hingegen sei unter dem Zeltdach durchweg trocken und quasi beschwerdefrei abgelaufen. "Es gab einzelne Leute, denen es zu heiß war und die mit Kreislaufproblemen kurz raus mussten", sagt Kümmritz. Das sei in einem klassischen Zirkuszelt, in dem 1500 Menschen sitzen, aber nichts Ungewöhnliches und auch den Roncalli-Profis bestens bekannt.

Nach dem "Bajazzo" hängt die Latte für die folgenden Schlossfestspiele natürlich hoch. Joachim Kümmritz weiß das, doch allzu viel ändern könne er zumindest am Sommer 2013 jetzt schon nicht mehr. Die Schlossfestspiele werden mehrere Jahre im Voraus geplant. Im kommenden Sommer wird "Die Fledermaus" von Johann Strauß gespielt, dafür ist sogar schon das Bühnenbild in den wichtigsten Zügen fertig. "Natürlich werden wir uns mit den Erfahrungen aus dem Bajazzo jetzt nochmal dransetzen", sagt Kümmritz, der auch schon an die Spielzeit 2014 und folgende denkt. Dafür schwebe ihm zurzeit eine "dramaturgische Trilogie" vor. Mehr will er aber nicht verraten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen