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24. Oktober 2017 | 13:40 Uhr

Schwerin : Bahn frei für Werderklinik-Sanierung

vom

Aus dem historischen Krankenhaus wird ein modernes Kreditinstitut: Der Aufsichtsrat der VR-Bank gab jetzt grünes Licht für Kauf und Sanierung der Schweriner Werderklinik. Schon Mitte 2014 wollen die Banker einziehen.

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2012 | 06:49 Uhr

Schwerin | Die Entscheidung ist gefallen: Die VR-Bank kauft und saniert die historische Werderklinik. Der Aufsichtsrat der Genossenschaftsbank stimmte jetzt dem Vorschlag zu, den der Vorstand schon im August auf der Vertreterversammlung vorgestellt hatte (SVZ berichtete). Besonders stolz sind die Bank-Vorstände Matthias Bungert und Willi Plum darauf, dass sie mit ihrem mehrere Millionen Euro teuren Sanierungsvorhaben den Schwerinern ein Stück Stadtgeschichte erhalten werden. Denn nicht nur der bereits unter Denkmalschutz stehende Demmlerbau aus dem Jahr 1841 soll bis zum Sommer 2014 in neuem Glanz erstrahlen, sondern auch der in den 1920er-Jahren angebaute Trakt, dessen Urheber Stadtbaudirektor Andreas Hamann ist. Dass dieses Gebäude erhalten bleibt, war keine Bedingung beim Verkauf des Geländes. Im Bewerberverfahren um die Immobilie seien auch Vorschläge gewesen, die einen Abriss des Hamann-Hauses und an dieser Stelle einen Neubau mit gewerblicher Nutzung vorsahen.

Das komplette Raumnutzungskonzept steht bereits, die Schadstoff-, Holzschutz- und Statikgutachten sind vorhanden, berichtet der Schweriner Architekt Matthias Brenncke, der mit dem Umbau beauftragt ist. Die alten Grundrisse mit den langen, hellen Fluren bleiben erhalten, ebenso wie das Interieur des Hamann-Baus im klassischen 20er- und 30er-Jahre-Design. "Innen ist dort sehr viel mehr Historisches erhalten als im Demmler-Bau, der in den 90er-Jahren entkernt wurde", sagt Brenncke und zeigt Fotos von Fluren, Türen, Treppengeländern. "Wir wollen versuchen, auch das Hamann-Haus als Einzeldenkmal unter Schutz stellen zu lassen ", fügt Matthias Bungert hinzu.

Das fünfgeschossige Gebäude im Bauhaus-Stil wurde 1931 eröffnet. Die Klinikgeschichte begann aber schon 1840 mit dem klassizistischen Putzbau aus der Feder von Hofbaurat Demmler. Ein kleines Stadtkrankenhaus mit ambulanten Ärzten und Stationen hatte es bis dato nur in der Bergstraße gegeben. Jetzt entstand eine echte Klinik mit bis zu 130 Betten - auf der einen Seite der Korridore lagen die Männer, auf der anderen die Frauen. Vorwiegend arme Menschen wurden in der Klinik aufgenommen, die aus der Armenkasse und städtischen Mitteln finanziert wurde. 1865 folgte die erste Erweiterung, zwei Jahre später kam das Seuchenhaus hinzu. In Schwerin grassierte die Cholera. 1901 entstand eine Isolierbaracke, 1902 ein Liegehaus und eine Wäscherei. Hamanns Erweiterungsbau im Bauhaus-Stil wurde 1931 eröffnet, 1951 entstand neben dem Krankenhaus eine Bildungseinrichtung für Krankenschwestern. 1954 kam das Pathologische Institut auf dem hinteren Teil des Geländes hinzu. Später zogen die Abteilungen in das Medzinische Zentrum auf dem Friedensberg.

Bei der aufwändigen Sanierung dieses prächtigen Stückes Schwerin-Geschichte wollen sich die VR-Banker auch über die Schulter schauen lassen. Ein Rohbaufest wird im nächsten Jahr der Öffentlichkeit erste Veränderungen zeigen, auch medial soll der Baufortschritt dokumentiert werden. Der historische Park wird später zu den Öffnungszeiten der Bank für jedermann begehbar sein. Um einen möglichst repräsentativen Eingangsbereich zu schaffen, möchte der Architekt einen großen gläsernen Anbau vor das Hamann-Haus setzen lassen - mit einem Veranstaltungssaal, der ebenfalls für alle Schweriner nutzbar, beziehungsweise für Vorträge und Veranstaltungen zu buchen sein soll.

Die VR-Bank wird mit ihrer Verwaltung, dem Geschäftskundenbereich und der Immobiliensparte VR-Immo in den alten Klinikkomplex einziehen. Etwa 60 Mitarbeiter sollen die alten Räume dann neu beleben, schätzt Willi Plum. Das Obergeschoss des Hamann-Baus wird allerdings nicht für die Bank-Geschäfte benötigt. Dort entstehen Mietwohnungen mit Blick über die Dächer der Stadt.

"Die Stadtplanung hat unsere Vorstellungen vom Umbau der alten Klinik freudig akzeptiert", betont Willi Plum. "Das wird den gesamten Standort erheblich aufwerten." Die Vorabstimmungen mit den Ämtern seien bereits gelaufen. Alle nötigen Anträge werden jetzt offiziell gestellt, erklärt Matthias Brenncke. Wenn alles reibungslos läuft, könnte mit den ersten Arbeiten - der Schadstoffsanierung - im Februar begonnen werden. Der gesamte Terminplan ist "streng", wie Brenncke formuliert. Da aber größtenteils im Innern gebaut wird, sei man nicht zu witterungsabhängig. Auf alle Eventualitäten sei man vorbereitet. Avisierter Umzugstermin ist der 30. Juni 2014.

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