Bauen in Schwerin : Bagger machen Möbelwerke platt

Möbelwerke adé: Die 1923 als „Mecklenburgische Holzindustrie“ gegründete Fabrik soll Wohnhäusern weichen.
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Möbelwerke adé: Die 1923 als „Mecklenburgische Holzindustrie“ gegründete Fabrik soll Wohnhäusern weichen.

Auf dem großen Gelände in Seenähe sollen Stadtvillen und Mehrfamilienhäuser entstehen – Baustart frühestens 2017

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21. März 2016, 21:00 Uhr

Auf dem Gelände der ehemaligen Möbelwerke an der Wismarschen Straße regieren jetzt die Bagger. Im Herbst 2014 kam die Fläche bei einer Zwangsversteigerung unter den Hammer, jetzt werden die ersten Schritte für eine attraktive Wohnbebauung in Seenähe gemacht. Etwa 17 Stadtvillen, beziehungsweise Einfamilienhäuser, und acht Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Stockwerken könnten auf dem 31 400 Quadratmeter großen Areal entstehen. Das sehen jedenfalls erste Pläne vor. Projektentwickler Jörn Clermont aus Gallentin: „Aktuell reißen wir die alten Hallen und Gebäude ab. Im Sommer soll alles sauber sein.“ Einen Baustart werde es aber frühestens 2017 geben, denn der notwendige Bebauungsplan für das Gebiet sei gerade erst in Arbeit. Der muss in Abstimmung mit der Stadt erstellt werden und dabei durch mehrere Gremien gehen.

„Wenn alles gut läuft, könnte eventuell noch in diesem Jahr mit der Erschließung des Grundstücks begonnen werden“, sagt Clermont. Erst wenn Strom-, Gas-, Wasser- und Abwasseranschlüsse liegen und die Baustraßen fertig sind, soll das Wohngebiet in die Höhe wachsen. Ob mit oder ohne Bauträger gearbeitet wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. „Wir machen erst einmal den Abriss und den B-Plan und werden das ganze Paket dann höchstwahrscheinlich verkaufen“, sagt Clermont. Interessenten, die einmal auf dem Areal des alten Möbelwerks wohnen möchten, könnten sich deshalb noch nicht an ihn wenden.

Der ehemalige, jetzt leer gezogene Edeka-Markt im Eingangsbereich des Geländes steht inmitten all der Abrissarbeiten übrigens noch fest – und umzäunt. Ansprechpartner für dieses Objekt ist die Immobilienagentur Berlinovo mit Sitz in Berlin. Auf der Homepage des Unternehmens wird der Standort Wismarsche Straße 327 als „Fitnessstudio“ beworben. Der Umbau sei für Sommer 2016 vorgesehen.

Lediglich für ein kleines, inzwischen recht verwildertes Teilstückchen an der Wismarschen Straße gäbe es noch kein Konzept, sagt Jörn Clermont. „Wir bekommen dieses Grundstück nicht, weil wir keinen Kontakt zum Eigentümer herstellen können“, sagt der Gallentiner. Das sei sehr schade, denn die Fläche könne sich zum vernachlässigten Schandfleck in einem neuen, schicken Gesamtensemble entwickeln. Vielleicht kann die Stadt Einfluss nehmen, hofft Clermont.

Gegründet wurde das Schweriner Möbelwerk übrigens im Jahr 1923 als Mecklenburgische Holzindustrie AG. 1948 wurden die Unternehmer allerdings enteignet, die VEB Möbelwerke Schwerin entstanden. Der volkseigene Betrieb produzierte vornehmlich Schlafzimmermöbel und Küchen – auch für den Export nach Polen. 1994 verkaufte die Treuhand den Betrieb an die Firma Bestwood, die vor allem die Spanplattenfabrik in Ribnitz-Damgarten betrieb. Doch ebenso wie an der Küste die „Fusselbude“ wurde auch das Werk in Schwerin geschlossen. Seitdem liegen die Flächen brach.   


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