Kritik an Schwimmhalle Schwerin : Badegäste mit Handicap vergessen

Jede Menge Spaß:  Schwimmanfänger kommen auf ihre Kosten. Allerdings stört das so manchen Rentner beim Schwimmen.
Jede Menge Spaß: Schwimmanfänger kommen auf ihre Kosten. Allerdings stört das so manchen Rentner beim Schwimmen.

Neue Schwimmhalle: Nicht durchgesetzte Barrierefreiheit und fehlende Aqua-Kurszeiten sorgen bei Schwerinern für Unmut

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13. März 2015, 20:45 Uhr

Die neue Schwimmhalle auf dem Dreesch ist bei Sportvereinen und Aqua-Kurs-Anbietern durchaus beliebt. Die Besucherzahlen sprechen für sich: 8  500 Badegäste allein in den Winterferien. Und laut Schwimmhallenleiter Stefan Kuß sollen sich die Besucherzahlen jetzt zwischen 120 an normalen Werktagen und 380 an Sonntagen bewegen (SVZ berichtete). Die Schweriner nutzen das neue Bad gerne, sind aber längst nicht rundweg zufrieden.

Vor allem die nicht konsequente Durchsetzung der Barrierefreiheit stört die Vorstandsvorsitzende des Behindertenbeirats Angelika Stoof. „Ich finde die neue Schwimmhalle gelungen, allerdings wurden nicht alle Aspekte berücksichtigt.“ So seien manche Belange für Schweriner mit Handicap einfach vergessen worden. Zum Beispiel gäbe es keine Duschrollstühle. Momentan würden Pflegerollstühle genutzt, die fast nicht durch die Türen passen und nicht wirklich zum Duschen geeignet seien. Auch ein dritter Handlauf im Mehrzweckbecken fehle – und dieser sei zum Festhalten gerade für gehbehinderte Mitmenschen sehr wichtig. Des Weiteren seien die Umkleidekabinen viel zu eng. Es gäbe zu wenig Sitzmöbel. Und die, die es gibt, seien zu niedrig.

Und Stoof berichtet von einem weiteren Unding: So wollte ein Schweriner mit Handicap die Halle besuchen. Da auf seinem Behindertenausweis ein „B“ vermerkt sei, wurde er vom Schwimmhallenpersonal nicht in das Bad gelassen. Allerdings fälschlicherweise, denn das „B“ stehe lediglich dafür, dass eine Begleitperson mitgenommen werden dürfe. „Es ist aber kein Muss“, betont Stoof. Sie habe das Personal bereits auf dieses Malheur angesprochen. Nun soll es geregelt werden, so dass es in Zukunft nicht noch einmal vorkomme. Wichtig sei ihr aber auch, klarzustellen, dass die neue Halle ein Gewinn für Schwerin sei. Sie sähe gut aus. Nur an einigen Problemen sollte noch gemeinsam gearbeitet werden, so Stoof.

„Mir gefällt der Eingangsbereich mit viel Licht und der gemütlichen Sitzecke“, sagt Jan Albrecht. Aber auch er findet die Umkleidekabinen zu eng und beklagt die fehlenden Ablagemöglichkeiten in den Duschen. Auch eine Uhr im Bereich des kleinen Beckens fehle ihm. Außerdem sei die Anfangswassertiefe viel zu tief.

Gabriele Brüning treibt seit etwa zehn Jahren ein- bis zweimal wöchentlich Wassergymnastik. Früher in der Halle auf dem Großen Dreesch. Als diese abgerissen wurde, besuchte sie regelmäßig die Schwimmhalle in Lankow. Hier reduzierte sich die gewährte Zeit für Wassergymnastik allerdings: Von zweimal eine Stunde auf einmal 40 Minuten in der Woche. „Das sollte aber nur vorübergehend sein, bis die neue Schwimmhalle fertig ist“, erzählt Brüning enttäuscht. Denn in der neuen Halle sei es jetzt sogar noch weniger. Die 61-Jährige, die seit Jahren die Aqua-Kurse des Kiss-Vereins in Anspruch nimmt, ist erbost. Denn der Verein hat nun nur noch Zeiten am Vormittag bekommen. „Ich bin 61 Jahre alt, muss noch etwa 5 Jahre arbeiten. Ist es da zu viel verlangt, wenn mir auch weiterhin die Möglichkeit geboten wird, nach der Arbeit für mein körperliches Wohl an der Wassergymnastik teilnehmen zu können?“, fragt die Schwerinerin. Sie habe eine achtstündige sitzende Tätigkeit am PC und brauche diesen Ausgleich dringend.

Sybille Mächler nimmt regelmäßig am Seniorenschwimmen teil. Die Wassertemperatur empfinde sie als angenehm warm. Negativ aufgefallen sei ihr aber, dass den Senioren lediglich eine Bahn zur Verfügung stünde. So sei es nicht möglich, ungehindert aneinander vorbei zu schwimmen. Auch Kinder wären im Schwimmbad und würden dort zur Zeit des Seniorenschwimmens spielen. Das habe ihre Freude am Schwimmen sehr getrübt. „Man sollte akzeptieren und respektieren, dass die älter werdende Generation noch sehr aktiv, aber nicht gerade begeistert ist, wenn die Kinder unter einem durchtauchen.“ Ihre Verbesserungsvorschläge: So könne man mindestens zwei oder drei Bahnen für Senioren in dieser explizit für Ältere ausgewiesenen Zeit zur Verfügung stellen. „Besteht die Möglichkeit, einmal die Woche einen Termin für Frühschwimmer zur Verfügung zu stellen?“, fragt die Schwerinerin. Denn in Lankow bestand diese Möglichkeit, betont sie mit Nachdruck.

Die Freizeitschwimmerin Susanne Kirstein kritisiert einen weiteren Punkt: „Ein weiteres Becken für den normalen Schwimmer, der weder im Verein noch bei der Polizei ist oder zur Schule geht, fehlt.“ Der Freizeitschwimmer müsse sich in ein Becken begeben, was um eine Bahn kleiner sei, als das in der alten Halle in Lankow. Und in dem sich auch Kinder aufhalten dürfen. Der Schwimmer, der schnell unterwegs sei, müsse sich entweder auf eine Schnellschwimmerbahn mit anderen quetschen oder müsse Slalomschwimmen machen – davon sei sie enorm genervt.

Am „Heißen Draht“ verriet Helga Pettersen der Redaktion, dass sie sich über das neue Schwimmbad freue. Die Halle sei modern und freundlich gestaltet. Was sie stört: „Es gibt viel zu wenig Sitzmöglichkeiten und Papierkörbe.“ Hier müssten die Verantwortlichen unbedingt aktiv werden.



 
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