zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

12. Dezember 2017 | 17:14 Uhr

Praxistest : Azubis übernehmen das Regime

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Angehende Pfleger leiten für eine Woche im Dreischicht-System die Station der Strahlenklinik – und loben die Praxiserfahrungen

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 12:00 Uhr

„Wir müssen uns um alles kümmern und nicht nur einzelne Aufträge erfüllen. Das ist eine super Vorbereitung auf unser Examen“, lobt Julia Ansborn. Die junge Frau lernt im dritten Jahr den Beruf des Gesundheits- und Krankenpflegers an der Beruflichen Schule für Gesundheit und Soziales und ist wie ihre Mitschüler ansonsten zum Praxisalltag auf verschiedene Stationen der Schweriner Helios-Kliniken verteilt. In den vergangenen zwei Wochen war jedoch alles anders. Nach einer Einführung- und Trainingsphase übernahmen 15 Auszubildende für sieben Tage eine komplette – und voll belegte – Station, mit allen Aufgaben, Verpflichtungen und im Dreischichtsystem.

Im Stationsalltag arbeitet der Nachwuchs zumeist nur die Tätigkeiten ab, die das Pflegepersonal anweist. Diese Aufgaben konzentrieren sich vorwiegend auf die Pflege am Patienten. „In Tätigkeiten wie Stationsorganisation, Prävention, Administration und Selbstmanagement bekommen die Auszubildenden in der Regel wenig Einblick“, sagt Fabian Klein, Projektleiter und Leiter der Station M3 in den Helios-Kliniken Schwerin, der zuvor selbst zwei Jahre auf der Station N1 der Strahlenklinik tätig war. „Selbstständiges, eigenverantwortliches Arbeiten muss daher individuell erlernt und gefördert werden.“

Ganz auf sich allein gestellt sind die Auszubildenden beim Projekt Schülerstation aber nicht: Zwei examinierte Pflegekräfte der Station und ein Praxisanleiter pro Schicht stehen dem Pflegenachwuchs – jedoch nur in beratend-begleitender Funktion – zur Seite. Soweit die Theorie.

Die Praxis sieht jedoch anders aus, gesteht auch Pflegedienstleiterin Edith Hillmer ein. „Für die Station ist das erstmal eine Belastung. Aber es funktioniert und wir werden das sicher im nächsten Jahr wiederholen.“ Was mit Belastung gemeint ist, erklären Fabian Klein und Stationsleiterin Michaela Vogt: Bettenkoordination, Terminabsprachen, Arztgespräche, Dokumentation, EDV-gesteuerte Arbeit – beispielsweise muss jedes gereinigte Krankenbett auch im PC aufgelistet werden – all diese Arbeiten kennen die Azubis weder aus der Schule noch aus der sonstigen Berufspraxis. Im theoretischen Unterricht würde dagegen vieles gelehrt, was die jungen Leute auf der Station gar nicht brauchen. „Wir müssen ständig aufpassen, alles genau kontrollieren. Das ist jede Menge Mehrarbeit“, berichtet Michaela Vogt. „Erklären, vorbereiten, nachbereiten – wir hätten nicht gedacht, dass es so viel mehr ist.“

Und dennoch: Das Engagement der Auszubildenden ist groß, die Lernbereitschaft riesig. Das honorieren auch die Pfleger. „Wir wollen mit diesem Projekt auch zeigen: Der Beruf lohnt sich. Und wir bereiten euch Azubis bestens darauf vor.“

Dieses Gefühl kommt bei den Jugendlichen an. „Wir lernen Selbstständigkeit, die Praxis macht uns Mut und wir bekommen viele gute Ratschläge“, sagt Azubi Rebecca Radöhl. Und Julia Ansborn ergänzt: „Wir fühlten uns bestätigt, in dem, was wir tun. Also ich fühle mich schon wie eine examinierte Fachkraft.“

Und das dürfte nach Einschätzung ihrer Betreuer auch gerechtfertigt sein. „Sie könnten alle morgen ihr Examen machen“, sagt Michaela Vogt stolz. „In dieser Klasse werden alle die praktischen Prüfungen bestehen. Da bin ich sicher.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen