Leserdiskussion : Autos auf Friedhöfen umstritten

Das Befahren von Friedhöfen mit dem Auto hat in Schwerin Befürworter und Gegner.
Das Befahren von Friedhöfen mit dem Auto hat in Schwerin Befürworter und Gegner.

SVZ-Leser diskutieren das Thema sehr intensiv und haben sachliche Argumente sowohl für als auch gegen das Befahren

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29. Mai 2015, 08:00 Uhr

Die Diskussion um die Frage, ob Schwerins Friedhöfe mit Autos befahren werden dürfen, wird von den SVZ-Lesern intensiv, aber sachlich diskutiert. Dabei führen sowohl Befürworter als auch Gegner handfeste Argumente ins Feld.

Siegfried Gesper schreibt: „Seit 2012 fahre ich jeden Freitag mit Genehmigung an das Grab meiner verstorbenen Ehefrau und bin noch nie einem Raser begegnet. Ich bin der Meinung, dass das Befahren des Waldfriedhofs nicht unterbunden werden sollte. Ich weiß, dass es vielen Bürgern sehr schwer fällt, die weiten Wege auf dem Waldfriedhof zurückzulegen.“

Magdalena Müller ist teilweise gehbehindert, deshalb brauche sie das Auto, um ans Grab ihrer Eltern auf dem Alten Friedhof zu kommen und es zu pflegen, betont sie. Allerdings habe sie schon oft beobachtet, dass Fahrzeuge der Friedhofsverwaltung oder beauftragter Firmen „wie die Irren fahren“.

Ulrich Haesener fragt: „Wie soll eine stark gehbehinderte Person zum Grab kommen? Deshalb mein Vorschlag: Die Fahrgenehmigung nur an Schwerbehinderte ausgeben und nur unter besonderen Bedingungen auch an andere Personen.“

Sigrid Bauzus teilt diese Auffassung: „Es ist für einen alten Menschen, manchmal auch für einen mittelalten, nicht mehr möglich, die weiten Strecken auf den Stadtfriedhöfen zu bewältigen. Deshalb haben wir unsere Eltern auf dem Dorf beerdigen lassen. Damals wussten wir nicht, dass man die Stadtfriedhöfe mit dem Auto befahren kann. Wir hoffen, dass diese Regelung bleibt. Jedoch sollten mehr Kontrollen durchgeführt werden.“

Uwe Schwarz ist ebenfalls für die Zulassung von Autos: „Ich musste schon mehrmals Boden an das Grab heranfahren, um die Absenkung auszugleichen. Zur Stabilisierung des Grabsteines war es erforderlich, das Fundament zu erneuern. All diese Aufgaben sind nur möglich, wenn ich mein Fahrzeug verwenden kann. Wirtschaftswege sind nicht nur zum Spazierengehen da, sondern auch zur Pflege der Friedhofsanlage – auch mit Fahrzeugen.

Es gibt aber auch gegenteilige Meinungen. Friedrich Schmicker schreibt: „Wer mit einem Motorfahrzeug ohne Genehmigung über den Friedhof fährt, handelt respektlos und stört die Totenruhe. Ich habe viele Friedhöfe besucht in der Welt, nur in den USA konnte man bis zum Grab mit dem Auto fahren – wegen der enormen Ausdehnung der Anlagen. Für Schwerin trifft dies nicht zu.“

Karl-Heinz Fehrmann sieht das genauso: „Grundsätzlich sollte es nur in ganz wenigen Ausnahmefällen gestattet sein, meinen Friedhof mit dem Auto zu befahren. Er soll ein Ort der Ruhe und der Andacht sein und kein Drive Inn Schalter, wo man mit dem Auto ans Grab fährt, seine Blumen abwirft und wieder fährt. Wer meint, nicht die Zeit zu haben, in Ruhe seine Verstorbenen zu ehren, sollte es lieber ganz lassen.“

Elisabeth Kienast betont: „Der Alte Friedhof ist eine Sehenswürdigkeit und sollte unter strengeren Schutz gestellt werden. Für behinderte Menschen sollte es Ausnahmen zum Befahren geben, aber auf die Einhaltung der Ausnahmeregelungen geachtet werden.

Ilka Wilczek, die Chefin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS), die die Friedhöfe bewirtschaften, hat die Debatte aufmerksam verfolgt, will das Thema im Blick behalten und versichert: „Wir suchen nach einer einvernehmlichen Regelung.“

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