Schweriner Doku-Zentrum : Ausstellung wird überarbeitet

Hat für die Zeit der Schließung eine lange Aufgabenliste: Heike Müller, Referentin im Dokumentationszentrum.
Hat für die Zeit der Schließung eine lange Aufgabenliste: Heike Müller, Referentin im Dokumentationszentrum.

Trotz Sanierung und vorübergehender Schließung: Im Dokumentationszentrums des Landes läuft der Forschungsbetrieb weiter

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18. Mai 2017, 08:00 Uhr

Es soll aussehen wie 1989. Die äußere Hülle wird in Ordnung gebracht, behutsam, ohne die Spuren der Geschichte zu verwischen. Beim ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis am Obotritenring haben seit einer Weile schon Handwerker das Sagen. Das Gebäude, das das Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen in Deutschland beherbergt, wird saniert. Weil auch das Glasdach über dem früheren Gefängnistrakt instand gesetzt werden soll, ist das Zentrum voraussichtlich bis Ende des Jahres geschlossen. (SVZ berichtete). Die wissenschaftliche Arbeit jedoch geht weiter. „Wir haben jetzt Zeit für Dinge, zu denen wir im laufenden Betrieb nicht kommen“, sagt Mitarbeiterin Heike Müller.

Von der Terrorjustiz im NS-Staat über die willkürlichen Urteile des sowjetischen Militärtribunals nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Allmacht der Staatssicherheit in der DDR reicht das geschichtliche Spektrum, das im Dokumentationszentrum anhand von Einzelschicksalen abgebildet wird, umfasst mithin einen Zeitraum von fast 60 Jahren. „Die politische Bildungsarbeit steht normalerweise im Mittelpunkt unserer Tätigkeit“, erklärt Heike Müller. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Guido Poltersdorf betreut sie Besuchergruppen, organisiert Vorträge und Zeitzeugen-Gespräche.

Die Zeit der vorübergehenden Schließung des Zentrums möchten die beiden Mitarbeiter unter anderem nutzen, um die hauseigene Internet-Seite zu aktualisieren. Unter www.dokumentationszentrum-schwerin.de sollen Interessierte einen möglichst schnellen Überblick besonders über die pädagogischen Angebote im Zentrum bekommen, sagt Heike Müller.

Völlig neugestaltet wird die Bibliothek im Dokumentationszentrum. „Wir haben die alten Regale bereits ausgeräumt.“ Der Bestand werde genau unter die Lupe genommen, betont Heike Müller. Originaldokumente und Archivalien sollen speziell gesichert werden, um sie der Nachwelt zu erhalten. So werde zum Beispiel ein Duplikat eines Häftlingsausweises aus einem Lager in Workuta angefertigt.

Überarbeiten wollen Müller und Poltersdorf die Dauerausstellung im Dokumentationszentrum. Dabei sollen nicht nur neue Rechercheergebnisse eingefügt, sondern auch Möglichkeiten geprüft werden, wie die Schau medial erweitert werden könnte. Geplant sei zudem, die drei Haus-Flyer zur NS-Zeit, zur sowjetischen Militärjustiz und zur DDR durch einen kompakten Gesamtflyer zu ersetzen.

Vorgenommen haben sich die Mitarbeiter des Zentrums schließlich auch die Dokumentation weiterer Schicksale von Menschen, die einst im Gefängnistrakt inhaftiert waren. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Digitalisierung, unterstreicht Heike Müller. So solle die Datenbank ehemaliger politischer Häftlinge insgesamt vervollständigt werden.

Auf der To-do-Liste von Heike Müller und Guido Poltersdorf stehen noch viele weitere Aufgaben – von der Weiterbildung bis zum Erfahrungsaustausch mit Vertretern anderer Gedenkstätten. „Wir müssen mal schauen, wie weit wir kommen“, sagt Müller. Auch während der Zeit der Schließung wollen die Mitarbeiter für Ratsuchende da sein, sind telefonisch unter der Nummer 0385/74529912 zu erreichen.

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