Bewegung im Alter : Ausdruckstanz hält Senioren jung

Ihr Alter sieht man ihnen nicht an: Rosemarie Rassmann, Christa Dombrowa, Maria Willers und Inge Murau haben Tänze erarbeitet, die die Zuschauer schnell in ihren Bann ziehen.
Ihr Alter sieht man ihnen nicht an: Rosemarie Rassmann, Christa Dombrowa, Maria Willers und Inge Murau haben Tänze erarbeitet, die die Zuschauer schnell in ihren Bann ziehen.

Rosemarie Rassmann leitet seit 27 Jahren eine Gruppe, in der ältere Menschen beweglich bleiben – im Kopf und im Körper

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11. September 2015, 12:00 Uhr

Wenn das Wort Seniorentanzgruppe fällt, dann haben viele von uns konkrete Bilder im Kopf – dazu gehören Sitztanz, ein vorsichtiger Walzer und leichte Reigen. Klassischer Ausdruckstanz, wie er von Mary Wigman, Gret Palucca oder Pina Bausch vorgemacht wurde, gehört nicht unbedingt dazu. Und doch gibt es seit 27 Jahren eine solche Gruppe in Schwerin, die seit 27 Jahren von derselben Frau geleitet wird: Rosemarie Rassmann. Sie und ihre Tänzerinnen wollen Körper, Seele, Geist und Kunst miteinander verbinden. In schwarzen Röcken und schwarzen Blusen treten Rosemarie Rassmann, Christa Dombrowa, Maria Willers und Inge Murau auf, wahlweise kombiniert mit frechen Hüten, glitzernden Kragen oder bunten Tüchern. Anmutige Bewegungen und schwierige Formen liefern sie dem Publikum, geben ihren tiefsten Gefühlen Ausdruck und erzählen Geschichten zum Nachdenken. „In jedem Ende wohnt ein neuer Anfang“ ist beispielsweise die Botschaft, die die Gruppe zu einem Lied von Enya zeigen will. Rund 20 verschiedene Tänze haben die Damen im Laufe der Zeit einstudiert, dazu gehören auch Radetzky-Marsch, Brahmswalzer, alte Schlager oder Rock’n’Roll-Stücke.

Über ihr Alter spricht Rosemarie Rassmann nicht so gerne. Welche Frau tut das schon? Aber weil es eben doch etwas ganz besonders ist, mit 89 Jahren noch eine Ausdruckstanzgruppe zu leiten, dürfen wir es erwähnen. Rosemarie Rassmann hat ihr Leben lang getanzt, heute machte sie außerdem noch Gymnastik in der Osteoporose-Gruppe und trainiert im Fitness-Center. Vielleicht haben ihre sechs Kinder sie so gesund gehalten, meint sie selbst. Geboren wurde Rosemarie Rassmann in Schwerin, ging hier zur Schule und begann 1948 ihre Ausbildung zur Ausdruckstänzerin – bei einer Meisterschülerin der berühmten Mary Wigman. „Zwei Jahre lang war ich am Theater. Dann habe ich geheiratet und bin mit meinem Mann aufs Dorf gezogen“, sagt Rosemarie Rassmann. Eigentlich wollte sie Ballettmeisterin werden, hatte die Vorprüfungen schon gemacht. Doch die Familie war wichtiger. In Dabel und Friedrichsruhe zog Rosemarie Rassmann ihre Kinder groß und gab Tanzunterricht für Kinder und junge Erwachsene. An diese Zeit erinnert sie sich heute noch sehr gern: „Da tanzte der Agronom mit der Kindergärtnerin. Und überall, wo was los war, mussten wir auftreten.“

Nach 16 Jahren Landleben kamen die Rassmanns zurück nach Schwerin. Bis zur Rente arbeitete die Tänzerin in der Comenius-Schule. Fast nahtlos ging es weiter. „Eine Dame der Volkssolidarität fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, die Senioren-Gymnastik zu leiten“, sagt sie. Bald wurde aus der Gymnastik- eine Ausdruckstanzgruppe. Heute probt sie im DRK-Seniorentreff „Uns Tauhus“ in der Sacharowstraße. Über Seniorentanz-„Nachwuchs“ mit Grundkenntnissen würde sich die Gruppe freuen.

Knapp zehn Auftritte haben die Damen im Jahr, zumeist im Betreuten Wohnen, in Senioren- und Pflegeheimen sowie zu privaten Anlässen. Wer sie buchen oder mitmachen möchte, kann sich unter Telefon 0385 - 56 36 48 an Rosemarie Rassmann wenden. Getanzt wird donnerstags von 14 bis 17 Uhr.




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