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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 07:02 Uhr

Sülstorf : Ausbildung stößt an Kammer-Grenzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sülstorfer Metallbaufirma darf nach langem Streit gewünschte Lehre anbieten

von
erstellt am 04.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Mit einem Mal ging alles ganz schnell: Peter Lemke darf in seiner Metall- und Anlagenbau-Firma in Sülstorf jetzt Zerspanungsmechaniker ausbilden. Der 49-jährige Geschäftsführer ist darüber aber nicht nur froh, er ist vor allem erleichtert, dass ein jahrelanges, mitunter zermürbenden Ringen ein vorläufiges Ende hat.

„Ich benötige dringend gut ausgebildete Fachleute, damit sich mein Betrieb weiterentwickeln kann“, erzählt der gelernte Werkzeugmacher, Meister und technische Betriebswirt. Doch seine beiden bisherigen Anläufe, Lehrlinge anzustellen, scheiterten an der Grenze zwischen Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer (IHK). Denn als Lemke im Jahr 2011 mit seiner Firma als Zwei-Mann-Betrieb in der einstigen LPG-Werkstatt von Sülstorf startete, ging das nur als Handwerksbetrieb. Dabei ist das Produktionsprofil eher industriell ausgerichtet. Mit inzwischen zwölf Angestellten fertigt Lemke Spezialteile aus Metall für die Luft- und Raumfahrtechnik, für Maschinenbauer und weitere Auftraggeber. Lemkes Leute müssen den Umgang mit computergesteuerter Spezialtechnik ebenso beherrschen wie das Handwerk eines Zerspaners. „Aber genau dieses Ausbildungsprofil gibt es bei der Handwerkskammer gar nicht“, betont Lemke. Das erfuhr der Firmenchef, als er 2014 mit dem Ausbilden beginnen wollte. Nachdem das nicht klappte, wuchs bei Peter Lemke die Überzeugung, dass er raus aus der Handwerkskammer und rein in die IHK muss. Beide Kammern verständigten sich zwar über den Umgang mit der Firma Lemke, doch es änderte sich nichts. Auch zu Beginn dieses Jahres fanden sie keine Möglichkeit, die Ausbildung von    Zerspanungsmechanikern in der Sülstorfer Firma zu ermöglichen. Und dieses Mal war es doppelt bitter. Peter Lemke: „Ich hatte zwei sehr gute Bewerber. Die haben sich etwas anderes suchen müssen, weil ich sie nicht einstellen konnte.“

In der Zwischenzeit wächst nicht nur der Kundenkreis der Firma, sondern auch die neue Halle. Peter Lemke erweitert sein Unternehmen und benötigt dazu weitere Fachleute. Und da die auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden sind, möchte er ausbilden. Doch allein gelang es Peter Lemke nicht, die dafür im Wege stehenden Kammer-Grenzen zu überwinden. Er wandte sich an die SVZ. Prompt kam es zur Einigung: Lemke darf ausbilden. Die Kammern sichern die Berufsschul-Ausbildung grenzüberschreitend ab. Mit einer entsprechenden, gleichlautenden Antwort reagierten beide Kammern auf die Anfrage der Redaktion. „Jetzt suche ich wieder Bewerber“, fügt Lemke an. „Ich will so schnell wie möglich mit der Ausbildung beginnen.“

An seinem Bestreben, von der Handwerkskammer zur IHK zu wechseln, hält Lemke dennoch fest. Dass sein Betrieb dafür bei Mitarbeiterzahl, Umsatz, Kapitaleinsatz etc. immer noch zu klein sei, will Peter Lemke nicht mehr akzeptieren. „Vom Profil her gehört meine Firma zur IHK. Das hat das Hickhack um die Ausbildung gezeigt.“

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