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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 11:32 Uhr

Biogas : Aus Haushaltsmüll wird Strom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geplante Biogasanlage in Göhrener Tannen verwertet den gesamten Inhalt der braunen Tonnen und macht daraus Energie und Dünger

svz.de von
erstellt am 06.Apr.2014 | 22:00 Uhr

Durch den Bioabfall, den die Schweriner in ihre braunen Tonnen werfen, soll bald so viel Strom erzeugt werden, dass man damit etwa 1000 Privathaushalte eine Jahr lang komplett versorgen kann. Außerdem wird aus Kartoffelschalen, Kaffeesatz, Grünschnitt und Co. feinster Kompost für den Garten und Flüssigdünger für den Acker. Bis zu 18 000 Tonnen Biomüll können in der neuen „Bioabfallverwertungsanlage“ verarbeitet werden, die die SAS – Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungs GmbH – aktuell baut. Sie soll im Januar 2015 offiziell in Betrieb gehen. Dann nämlich übernimmt die SAS die Biomüllentsorgung in Schwerin. Bislang liegt sie noch in den Händen von Heck Humus.

Die neue Anlage fasst mehr, als die Bürger der Landeshauptstadt zurzeit produzieren. In den braunen Behältern landen aktuell etwa 7000 Tonnen Bioabfall, an Grünschnitt kommen noch einmal rund 1700 Tonnen hinzu, sagt SAS-Geschäftsführer Matthias Hartung. Allerdings: Fast 40 Prozent des gesamten Restmülls in Schwerin – der umfasst etwa 20 000 Tonnen, die jetzt zum Ihlenberg gefahren werden – besteht heute noch aus organischen Stoffen, also Sachen, die eigentlich in die braune Tonne gehören. „Wenn wir durch mehr Aufklärungsarbeit die Leute dazu bringen, besser zu trennen, gibt es noch großes Potenzial für unsere Anlage“, sagt Hartung. Um sie wirtschaftlich laufen zu lassen, wird zuerst auch Bioabfall aus anderen Orten mit verwertet.

Die Anlage, die dieses energetische Zauberstück vollbringen soll, entsteht am Rand des Industrieparks Göhrener Tannen. Seit Januar wird gebuddelt – der Munitionsbergungsdienst fand auf dem Gelände dabei noch mehr als eine Tonne Militärschrott, darunter auch teils scharfe Patronen. Im beginnenden Frühjahr wird die große Halle gegründet, in der der Biomüll angeliefert und aufbereitet wird, in der außerdem auch die Rottetunnel stehen und der Kompost zur Abholung bereitgestellt wird. 8000 Quadratmeter umfasst sie, und ist rund zehn Meter hoch. Ein Biofilter wird dort für saubere Luft sorgen. Das Herzstück der Anlage ist allerdings der außerhalb der Halle stehende Fermenter, in dem aus dem Müll Energie gemacht wird: Er ist 30 Meter lang, 6,5 Meter breit und ebenso hoch.

Was die neue von vielen bislang bekannten Biogasanlagen unterscheidet: Der gesamte organische Abfall aus Privathaushalten kann verwertet werden. Da die Temperatur dort immer rund 60 Grad beträgt, können sogar gekochte Essensreste, Bananen- und Apfelsinenschalen mit hinein. Die üblichen Biogasanlagen werden vor allem mit Mais-, Getreide- und Grassilage bestückt. Im Fermenter passiert in allen Anlagen eigentlich dasselbe: Der Bioabfall wird gerührt und vergoren – ein natürlicher biochemischer Prozess, bei dem Mikroorganismen unter Luftabschluss Bioabfälle abbauen und dabei Methan und Kohlendioxid freisetzen, die beiden Hauptbestandteile des Biogases. In einem Blockheizkraftwerk wird es in Strom und Wärme umgewandelt. Während der Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird, bleibt die Wärme vorerst im Haus – der Weg zum nächsten Abnehmer wäre zu weit und würde sich derzeit nicht rechnen. Wenn in den Industriepark aber mehr Betriebe ziehen, wird die SAS ihnen ihre Wärme anbieten.

Der Neubau für 6,5 Millionen Euro ist für die SAS eine Investition in die Zukunft – auch in der Hoffnung, dass in der Landeshauptstadt bald mehr Bioabfall anfällt. Die umliegenden Kreise trennen ihren Müll übrigens nicht und haben bislang kein Interesse an einer Anlieferung in Schwerin. Im kommenden Dezember werden in Schwerin die braunen Tonnen komplett ausgetauscht. Matthias Hartung hofft, bis dahin auch die Vermieter in den Plattenbaugebieten davon überzeugt zu haben, größere braune Tonnen zu ordern. Jedem Einfamilienhausbesitzer empfiehlt er eine 240-Liter-Tonne mit Abholung im Zwei-Wochen-Takt. Übrigens: Die erste Kilowattstunde Strom müsste von der neuen Anlage noch in diesem Jahr eingespeist werden, damit sich die SAS die aktuellen Vergütungssätze für die nächsten 20 Jahre sichern kann.


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