Plates Betriebe : Aus für Plater Gemüseservice

Am Freitag schließt nicht nur der Hofladen: Der Kartoffel- und  Gemüse-Service Plate stellt die Produktion ein.
Am Freitag schließt nicht nur der Hofladen: Der Kartoffel- und Gemüse-Service Plate stellt die Produktion ein.

Insolvenzverwalter findet keinen neuen Investor: Am Freitag werden die Maschinen abgestellt

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06. Juni 2016, 21:00 Uhr

Es gibt keine Hoffnung mehr für die Kartoffel- und Gemüseservice Plate GmbH (KGS): Am Freitag werden die Maschinen abgestellt, auch die Türen des Hofladens werden geschlossen. Insolvenzverwalter Marc Odebrecht konnte das Aus für den Traditionsbetrieb nicht abwenden. Unterm Strich rechnet es sich nicht, küchenfertiges Gemüse und geschälte Kartoffeln für Großabnehmer zuzubereiten. Für die verbliebenen 100 Mitarbeiter heißt das: Ihre Arbeitsplätze fallen weg.

„Wir haben auf einer Betriebsversammlung in der vorigen Woche die Mitarbeiter informiert“, berichtet Rechtsanwalt Odebrecht auf Nachfrage unserer Redaktion. Unmittelbar danach wurde den verbliebenen Abnehmern mitgeteilt, dass die Produktion am Freitag endet.

Die Stimmung auf der Betriebsversammlung beschreibt Odebrecht als ruhig und konstruktiv. Denn die Mitarbeiter hätten mitbekommen, dass die Suche nach neuen Investoren alles andere als gut lief. Für den Erhalt einer industriemäßigen Aufarbeitung von Gemüse und Kartoffeln in Plate wären weitere Investitionen und ein langer Atem nötigt gewesen, schätzt Odebrecht ein.

Die konnte aber schon der bisherige Eigentümer nicht mehr aufbringen. Dabei wollte ein Hamburger Großhändler für Obst und Gemüse mit der Umstellung des regionalen Anbieters auf Großproduktion den Plater Traditionsbetrieb in sicheres Fahrwasser bringen. Denn KGS war schon vor der Übernahme 2013 in eine schwierige Lage geraten. In Modernisierung und Erweiterung waren rund 3,5 Millionen Euro gesteckt worden, darunter mehr als 600 000 Euro Fördermittel vom Land. Doch letztlich ließ sich das Geschäft nicht rentabel betreiben, weil die Fahrkosten gerade bei kleinen Lieferungen höher waren als die erzielten Erlöse, nennt der Insolvenzverwalter einen Grund für das Scheitern nach der Firmenerweiterung. „An den Mitarbeitern hat es nicht gelegen“, betont Odebrecht. Die hätten gute Arbeit geleistet und ihm sei es wichtig gewesen, dass sie dafür auch vernünftig bezahlt wurden. Doch nach drei Monaten läuft die Zeit ab, in der die Leute mit „Insolvenzausfallgeld“ entlohnt werden können.

In diesem Zusammenhang lobt Marc Odebrecht die gute Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit. Und die geht weiter. In dieser Woche gibt es in Plate Gespräche zwischen Mitarbeitern der Agentur und den Betroffenen. Wie viele KGS-Angestellte in die Arbeitslosigkeit gehen, kann Odebrecht nicht sagen. Einige der Beschäftigten hätten sich einen neuen Job gesucht, weitere wollen vorzeitig in den Ruhestand . Es bleibt aber dabei, dass mehr als 100 Arbeitsplätze wegfallen und das sei für die Region mehr als bedauerlich.

Das sieht Plates Bürgermeister Ronald Radscheidt genauso. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht für die Gemeinde. Denn die zählte zu den Kunden von KGS. „Wir müssen jetzt ganz schnell neue Partner finden, damit die Mittags- und Pausenversorgung in Kita, Grundschule und Hort in der nächsten Woche abgesichert werden können.“ Radscheidt ist zuversichtlich, dass das gelingt, auch wenn die Information über das endgültige Aus erst in der vorigen Woche bei der Gemeinde ankam.

Mit dem Ende der Produktion am Freitag ist aber noch nicht alles zu Ende: Der Insolvenzverwalter muss jetzt das Vermögen aufteilen. Zuerst kommen die Geschäftspartner mit Sicherungsrechten zum Zuge, erläutert Odebrecht. Das sind nicht nur die Banken, sondern auch die Hersteller von Maschinen, die noch nicht vollständig bezahlt wurden.

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