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Schweriner Kriminalgeschichten : Aus Diebstahl wurde Mord

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spektakuläre Kriminalfälle in Schwerin - heute: Das tote Hausmädchen stellte die Kriminalpolizei 1948 zunächst vor ein Rätsel

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Mord und Totschlag, Raub und Erpressung, Entführungen und spurloses Verschwinden – auch in Schwerin sind in der Vergangenheit spektakuläre Kriminalfälle passiert. So wie die Ermordung eines Hausmädchens am 2.März 1948.

Als Kätchen Purweis mit ihrer Freundin zurück in die Wohnung in der Schlossstraße 36 kam, war sie verärgert. Ihr Hausmädchen Margarete Kohl war nirgends zu sehen und ging auch nicht ans Telefon. Doch der Ärger wich schnell einer großen Sorge. Denn das Mädchen lag auf dem Sofa im Wohnzimmer. Ihr Körper war komplett bedeckt, nur die Füße ragten unter der Decke hervor. Als Kätchen Purweis die Decke anhob, konnte sie sich einen Aufschrei nicht verkneifen. Da lag ihr Hausmädchen tot vor ihr, das Gesicht blau angelaufen, eine dünne Spur Blut unter der Nase.

Die alarmierte Polizei entdeckte den Hanfstrick, der um den Hals der Toten geschnürt war. Doktor Asmuss schloss einen Selbstmord aber schnell aus, denn die Schlinge wurde mit Kraft zugezogen, die Hände des Hausmädchens schienen den Strick nicht berührt zu haben. Und die ausgeräumten Schränke sprachen für einen Raubmord. Nur, wer ermordet ein Hausmädchen und nimmt Mäntel, Kleider, Bettwäsche und sogar einen Radioapparat mit?

Oberkommissar Oehlbeck und sein Team nahmen die Ermittlungen auf, sprachen mit den Nachbarn, untersuchten akribisch den Tatort und die Umgebung. „Auf dem Aschenbecher liegt eine Zigarettenkippe, auch stelle ich Asche im Aschenbecher fest“, gab Obersekretär Ernst Janke zu Protokoll. „Bei den Zigarettenkippen handelt es sich um eine Unitas-Zigarette mit der Aufschrift ,Sondermischung‘.“

In den folgenden Wochen arbeitete die Mordkommission „Schlossstraße 36“ auf Hochtouren. Dabei stießen die Polizisten auf einen unbekannten Mann, der sich zur Tatzeit zwischen 14 und 15 Uhr im Treppenhaus aufhielt. Angeblich kam er vom Wohnungsamt – aber da kannte ihn niemand. Außerdem parkte zur gleichen Zeit ein unbekannter grauer Mercedes vor der Haustür.

Doch alle Spuren verliefen im Sande, lange Zeit konnte die Polizei keine Erfolge erzielen. Erst eines der gestohlenen Kleider von Kätchen Purweis brachte den Durchbruch. Es wurde an einer anderen Frau gesehen, die aussagte, das Kleid von einer Freundin zu haben. In der Wohnung von Erika Mulinski entdeckten die Polizisten die übrigen Kleider. Der Freund der Frau, Hans Block, wurde verhaftet. Aus Geldnot sei er in die Wohnung eingebrochen. „Ich sprang auf sie von hinten zu und drückte ihr mit beiden Händen den Hals zu“, sagte Block im Geständnis, als das Mädchen um Hilfe rufen wollte. Am 17. Dezember 1949 wurde er wegen Mordes zum Tode verurteilt.

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