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Zeitung für die Landeshauptstadt

12. Dezember 2017 | 20:45 Uhr

Mobbing in Schwerin : Aus der Opferrolle heraustreten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schulleiter und Kinderpsychiater raten betroffenen Jugendlichen zu einem offensiven Umgang mit Mobbing

von
erstellt am 26.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Sie sei eine „Hure“, habe ihm schon jetzt das ganze Leben verleidet. Die Nachricht, die ein Elfjähriger aus der Astrid-Lindgren-Schule jetzt per WhatsApp einer Mitschülerin zukommen ließ, war nicht gerade schmeichelhaft – und sie blieb nicht folgenlos. „Wir haben den Schüler zur Rede gestellt“, sagt Schulleiter Peter Metzler. Der Sechstklässler sei aufgefordert worden, sich zu entschuldigen. Eine Erklärung für sein Verhalten habe der Junge nicht geben können. Wahrscheinlich eine Beziehungskiste, meint Metzler.

Beleidigung per Mausklick. Gerade erst schlug die Schweriner Polizei vernehmbar Alarm. Das so genannte Cybermobbing nehme besonders unter Jugendlichen immer größere Ausmaße an, Attacken in Wort und Bild seien an der Tagesordnung, oft würden Schüler in den Sozialen Medien regelrecht plattgemacht, hieß es (SVZ berichtete).

Peter Metzler, wohl dienstältester Schulleiter in der Stadt, zeichnet ein differenziertes Bild. „Vier bis fünf Mobbing-Fälle werden an unserer Schule jedes Jahr bekannt“, erklärt er. „Die Dunkelziffer dürfte aber um ein Mehrfaches höher liegen.“ Jeder bekannt gewordene Fall werde verfolgt, betont Metzler. So habe sich jüngst auch eine Schülerin für ihre Ankündigung verantworten müssen, ein kompromittierendes Bild einer Mitschülerin ins Internet stellen zu wollen.

Um die Kontrolle wenigsten über den innerschulischen Funkverkehr zu behalten, schon um Schummeleien zu verhindern, gilt an der Lindgrenschule in Neu Zippendorf seit Jahren ein Handy-Verbot. „Die Schüler dürfen ihre Mobiltelefone mit in die Schule bringen, aber die Geräte müssen ausgeschaltet sein“, schildert Metzler. Wer beim Telefonieren, Simsen oder Surfen erwischt werde, habe sein Handy bis zum Unterrichtsschluss oder sogar bis zum nächsten Tag abzugeben.

Wie bereits die Polizei appelliert auch der Leiter der Lindgrenschule an die Verantwortung der Eltern. Deren Interesse am Thema halte sich aber in Grenzen. „Wir haben den Eltern unserer rund 700 Schüler ein Seminar über Recht im Internet angeboten“, berichtet Metzler. Ganze sechs Eltern hätten sich zurückgemeldet.

Langeweile, Rachegefühle, pubertäres Gehabe – die Palette der Gründe, warum Jugendliche andere junge Leute im Internet mobbten, sei lang, sagt Dr. Christian Haase, Chefarzt der Helios-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie. Viele Täter versteckten sich in der Anonymität des Netzes. Haase rät Betroffenen, offensiv mit dem Problem umzugehen. „Es kommt darauf an, aus der Opferrolle herauszutreten und eine klare Grenze zu ziehen.“ Kinder- und Jugendliche, die in Sozialen Medien beleidigt oder sogar bedroht würden, sollten sich Erwachsenen anvertrauen, gegebenenfalls auch gleich die Polizei einschalten, so der Experte.

Den Eltern komme eine wichtige Rolle zu, aber auch den Schulen selbst, unterstreicht Haase. Das Thema Cybermobbing müsse im Unterricht immer wieder behandelt werden, um potenziellen Tätern die Gefahren ihres Handelns vor Augen zu führen. „Die digitale Welt lässt sich nicht mehr einholen. Das Netz vergisst nichts.“

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