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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. August 2017 | 05:50 Uhr

Nestlé : Aus der Arbeitslosigkeit in Vollzeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwölf neue Mitarbeiter im Schweriner Nestlé-Werk erhielten nach ihrer Qualifizierung und ihrem Praktikum unbefristeten Arbeitsverträge

Bis zum Ende dieser Woche müssen sie ihren Lebensunterhalt noch mit Hartz IV bestreiten oder von ihrem Arbeitslosengeld. Von Montag an verdienen zwölf bislang Arbeitslose wieder ihr eigenes Geld. Bei Nestlé haben sie aus den Händen von Produktionsleiter Michael Stryszyk jetzt ihre unbefristeten Arbeitsverträge erhalten. Rund 2000 Euro werden sie nun verdienen – nach Tarif und „deutlich über dem, was ansonsten hier in der Region gezahlt wird“, wie Arbeitsagentur-Chef Dirk Heyden betont. Davor stand allerdings ein langer Weg.

Rückblende: Nachdem Nestlé erstmals im März 2012 den Bau des modernsten Kaffeekapselwerkes Europas im Industriepark Schwerin öffentlich vorstellte, gab es hinter den Kulissen nicht nur die Vorbereitung des Hochbaus und der künftigen Produktionsabläufe. Frühzeitig bereitete ein Team aus Nestlé, Arbeitsagentur und Personaldienstleister Randstad das so genannte Personalrekruting vor. Schließlich sollen am Ende einmal 450 Beschäftigte in den Göhrener Tannen arbeiten. Anfang 2013 starteten die ersten Mitarbeitergespräche, erinnert sich der Schweriner Nestlé-Personalleiter Matthias Behner. Zuerst ging es dabei um das Inbetriebnahme-Team (SVZ berichtete). Waren es anfangs vor allem hochqualifizierte Mitarbeiter, die erfahren in SAP waren und Englisch können, konzentrierte sich die Anwerbung von Mitarbeitern seit dem Herbst auf „engagierte, motivierte und lernwillige Bewerber“, so Behner, die auf die neue Aufgabe bei Nestlé vorbereitet werden sollten.

In einem Pilotprojekt holten Nestlé und Arbeitsagentur das Schweriner Ausbildungszentrum als Partner mit ins Boot. Die Idee: Schon im Vorfeld des Einstiegs bei Nestlé sollten die neuen Kollegen das wichtigste Rüstzeug für den Einstieg beim Lebensmittelriesen erhalten. Keine leichte Aufgabe, wie SAZ-Geschäftsführer Gerd Poloski zugibt. „Wir konnten die Produktionslinien in Schwerin ja nicht einfach abschauen. Es gab ja noch keine.“ Dennoch: Von Januar bis März erlernten 13 Bewerber alles, was ihnen jetzt das Zertifikat „Modulare Fortbildung Maschinen- und Anlagenführer“ brachte. Sie hatten sich unter weit mehr als 100 Interessenten durchgesetzt. Noch bei der Vorauswahl waren es 60 Kandidaten. Nach der Schulung ging es für vier Wochen auf die Nestlé-Baustelle. Hier lernten sie weiter und bis auf einen Teilnehmer, der aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hat, schafften es alle bis zum Jobangebot.

Zuvor waren sie arbeitslos – acht im ersten Jahr, fünf erhielten Hartz IV. Sie hatten Landmaschinenschlosser gelernt, Tierwirt, Koch oder Radio- und Fernsehgerätetechniker. „Potenzial und Motivation sind uns wichtiger, als dass der Kandidat gleich von Anfang an alle Anforderungen erfüllen kann“, bringt es Personalerin Birte Harder auf den Punkt. „Und alle Zwölf wissen, dass sie bei ständig weiterem Lernen Entwicklungsmöglichkeiten haben – bis hin zum allein verantwortlichen Linienführer.“

Für Arbeitsagentur-Chef Heyden ist das Pilotprojekt ein voller Erfolg. 3400 Euro hat die Behörde pro Mitarbeiter für die Qualifizierung gezahlt. „Das ist präventive Arbeitsmarktpolitik“, sagt Heyden. Denn vom kommenden Monat an werden alle Zwölf nicht nur in den Sozialsystemen keine Kostenstellen mehr sein. „Sie werden dafür einzahlen.“ Das Pilotprojekt zeige deutlich: Qualifizierung ist der Weg aus der Arbeitslosigkeit, so Heyden. Laut Behner werde es weitere Projekte dieser Art geben. Neueinstellungen folgten bei Nestlé jetzt ohnehin im Wochenrhythmus. Zum Produktionsstart auf zwei Linien Ende Mai werden 120 Beschäftigte bei Nestlé Schwerin tätig sein.

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erstellt am 30.Apr.2014 | 12:00 Uhr

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