Kulinarische Weltreise in Schwerin : Aus Chopsuey wird Sushi

Thanh Xuan Vu kocht mit ihrer Familie im Mr. Vu’s. Im Mai soll der Laden umgebaut, das Angebot geändert werden. Die Vus möchten ein modernes Sushi-Restaurant eröffnen.
Thanh Xuan Vu kocht mit ihrer Familie im Mr. Vu’s. Im Mai soll der Laden umgebaut, das Angebot geändert werden. Die Vus möchten ein modernes Sushi-Restaurant eröffnen.

Thanh Xuan Vu aus Vietnam bietet seit 20 Jahren asiatische Spezialitäten an

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21. Februar 2018, 12:00 Uhr

In der Landeshauptstadt leben Menschen aus aller Welt. Aus ihrer Heimat haben die Zugezogenen nicht nur ihre Sprache und ihre Traditionen, sondern auch ihre Essgewohnheiten mitgebracht. Einige kochen in Restaurants für die Schweriner ihre einheimischen Speisen. Andere bieten in ihren Läden frisches Obst und Gemüse und Waren feil, die es beim Discounter um die Ecke nicht gibt. Heute erzählt Thanh Xuan Vu über die vietnamesische Küche.

Thanh Xuan Vu wuselt sechs Tage in der Woche in der Küche. Dann zischt der Wok. Zwischen Pekingsuppe und Chopsuey stehen Vu und ihr Mann an den Herdplatten. Zwölf Stunden. Seit 1998 betreibt das Paar das Mr. Vu’s. „Schwerin ist unserer zweite Heimat“, sagen sie. Das Leben in Deutschland begann für Thanh Xuan Vu jedoch nicht am Wok, sondern an der Nähmaschine.

Das Jahr 1988. Thanh Xuan Vu musste sich entscheiden. Bleibt sie in ihrem Heimatland Vietnam, dort, wo sie gerade die Möglichkeit zum Studium hatte? Oder geht sie, wie viele andere ihrer Landsleute, als Facharbeiterin in die Deutsche Demokratische Republik? „In Deutschland konnte ich genug Geld verdienen, damit meine Brüder studieren konnten“, sagt Vu – und entschied sich für ein neues Leben in der DDR.

Mit dem Flugzeug kam Thanh Xuan Vu nach Berlin. Am Flughafen Schönefeld warteten ihre neuen Arbeitgeber. Sie brachten sie nach Schwerin. Ihr Job: Näherin.

Die Auswanderung war für Thanh Xuan Vu ein Glücksgriff. Hier traf sie ihren späteren Mann Chi Minh, der ebenfalls aus Vietnam stammt. „Unsere Heimatorte liegen etwa 1000 Kilometer auseinander. In Vietnam hätten wir uns wohl nie kennen gelernt“, sagt Vu mit einem Lächeln im Gesicht. Schwerin wurde auf Dauer ihr gemeinsamer Lebensmittelpunkt.

Die Wendezeit. Das Textilunternehmen machte zu, Thanh Xuan Vu einen Marktstand auf. Hosen, Jacken und Blusen. Verkaufen bei Wind und Wetter. Zu kalt. Zu nass. Zu eintönig. Die Lösung: Ein Imbiss mit asiatischen Spezialitäten. „Wir sind extra nach Ho-Chi-Minh-Stadt geflogen“, erzählt Vu. Sechs Monate lang schauten sie zu, probierten aus und holten sich Tipps in einem Restaurant, das Freunde von ihnen betrieben. Genug Rüstzeug, für einen eigenen Schnellimbiss.

20 Jahre ist das her. Nun möchten sich die Vus verändern. Zwar laufe das Geschäft nicht schlecht, aber die Konkurrenz für asiatisches Essen sei in Schwerin zu groß. Der Imbiss wird bald zugemacht. Und was kommt dann? Thanh Xuan und Chi Minh Vu bleiben Schwerin treu. Sie setzen künftig auf ein Sushi-Restaurant. Gleicher Ort, anderes Ambiente. Was bleibt ist viel Arbeit. Aber das ist für Familie Vu nichts Neues.

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