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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 15:49 Uhr

Schweriner Kitas : Aufwachsen unter freiem Himmel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt Schweriner Kindergärten vor – heute: die Bauwagen-Kita in Medewege

von
erstellt am 18.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Der Ansturm auf Kindergartenplätze in Schwerin ist so groß wie selten zuvor – und das pädagogische Angebot inzwischen riesig. Rund 40 Kitas offerieren Kinderbetreuung mit ganz verschiedenen Schwerpunkten. Seit Kurzem können Eltern über das Kita-Portal der Stadt online nach freien Plätzen suchen. SVZ stellt in dieser Woche Schweriner Kitas vor. Heute: die Bauwagen-Kita des Waldorf-Kindergartens auf dem Biohof Medewege.

Ihr liebster Frühstücksplatz ist am Lagerfeuer, ihre Spielzeuge sind Stöcke, Gräser, Schneckenhäuser, Seile, Schubkarre und Schaufel. Die klassische Tageskleidung besteht aus Gummistiefeln, Regenhose und Regenjacke. Offener Himmel statt geschlossene Räume, draußen sein bei zehn Grad minus und 30 Grad plus – in der Bauwagen-Kita auf dem Gelände des Biohofes Medewege ist vieles anders als in normalen Kindertagesstätten. Vor mehr als zehn Jahren entstand sie aus einer Elterninitiative – mit viel Eigenleistung. Auch heute bringen sich die Eltern intensiv ein. 15 Arbeitsstunden leistet jede Familie pro Jahr für den Kindergarten.

Im Bauwagen selbst verbringen Georg, Martha, Käthi, Rosa, Richard, Irma und die anderen neun Kinder aber sehr wenig Zeit. Ihr Vormittag soll vor allen Dingen im Freien stattfinden. Die beiden Erzieherinnen Henriette Schürer und Daniela Sonnenberg tragen das ungewöhnliche Konzept begeistert mit. „Wir möchten nirgendwo anders arbeiten“, sagen sie unisono. „Die Gruppe ist wohltuend ruhig und unglaublich sozial. Wir haben zwar viel Verantwortung, sind aber auch sehr frei in unseren Entscheidungen“, sagt Henriette Schürer. Die Natur gebe im Grunde de Tagesplan vor, es brauche keine großen Projekte oder gesteuerte Lernerfahrungen – das erledigt der Alltag. Welcher Vogel singt gerade, welche Pflanze ist das, wie leben Regenwürmer, wovon ernähren sich Schnecken, welche verschiedenen Bienen- und Wespenarten gibt es und wie geht man am besten mit ihnen um? Antworten auf diese Fragen gibt es nebenbei. Mit den Unwägbarkeiten des Kletterns können die Kinder inzwischen ebenso gut umgehen wie mit offenem Feuer oder mit alten Scherben, die im Gebüsch liegen – Erinnerung an die Zeit, als dort noch Gewächshäuser standen.

Trotz des freien Spiels an der frischen Luft gibt es einen klaren Tages- und Wochenrhythmus, der in der Waldorfpädagogik eine große Rolle spielt. Nach dem Frühstück gibt es gegen 9 Uhr den Morgenkreis mit Liedern, Bewegungsspielen und kleinen Rechenaufgaben. Montags gehen die Größeren zur Eurythmie, jeden Dienstag steht Aquarellmalen auf dem Programm, Mittwoch wird im Kinderbauernhof ausgemistet, Futter verteilt, nach dem Rechten gesehen. Donnerstags ist Backtag am eigenen Lehmofen, freitags wird Obst fürs Müsli geschnitten. Um halb zwölf wird Mittag gegessen – biologisch-dynamisch und vegetarisch – danach endet die Bauwagen-Zeit. Den Rest des Tages verbringen die Kinder in der Waldorf-Kita auf dem Biohof.

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