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Schweriner Kriminalfälle : Auftragsmorde wie aus dem Film

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spektakuläre Kriminalfälle in Schwerin – heute: Zwei Mordversuche zogen langjährige Prozesse nach sich

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Mord und Totschlag, Raub und Erpressung, Entführungen und spurloses Verschwinden – auch in Schwerin sind in der Vergangenheit spektakuläre Kriminalfälle passiert. So wie die gescheiterten Auftragsmorde 1995 und 1996 in Schwerin und Plate.

September 1995. Die Dunkelheit hatte sich bereits über die Schweriner Halbinsel Krösnitz gelegt. In ihrem Schutz warteten zwei Maskierte auf ihr Opfer. Der Auftrag: den 37-jährigen Angestellten einer Spielothek aus dem Weg zu schaffen. Doch der Mordversuch ging schief, die Schüsse trafen den Mann zwar, er überlebte allerdings schwer verletzt. Der Besitzer der Spielothek hat die Täter über einen Mittelsmann mit dem Mord beauftragt. Das Motiv: Der Mitarbeiter wusste von Manipulationen an Spielautomaten. Der Preis: ungefähr 100 000 Mark.

Ortswechsel. Einige Monate nach dem gescheiterten Auftragsmord auf der Krösnitz fielen Schüsse in Plate. Das Opfer: die Ehefrau eines Fahrlehrers. Am 3. März 1996 saß sie mit ihren beiden Kindern und Verwandten am Esstisch, als es an der Tür klopfte. Die damals 35-Jährige öffnete die Tür und wurde von zwei maskierten Männern in den Hausflur gedrängt. Zwei Schüsse gab einer der beiden Täter ab. Die Frau wurde mitten in die Stirn getroffen, überlebte schwer verletzt. Ihr Mann hatte die Täter ebenfalls über einen Mittelsmann angeheuert. Das Motiv: Habgier, Hass und das Ende des Scheidungskrieges. Der Preis: 20    000 Mark.

Die Suche nach den Tätern in beiden Fällen führte die Polizei tief in das dunkle Milieu von Schwerin. Im „Plater Auftragsmord“ konnten der Auftraggeber und die Täter relativ schnell ermittelt und gefasst werden, nur der Mittelsmann blieb unbekannt. Bereits im Dezember 1996 wurde der Ex-Mann des Opfers in Plate zu 14 Jahren Haft wegen Anstiftung zum versuchten Mord an seiner Ex-Frau verurteilt. Nach sechs Jahren, drei Prozessen und zwei Freisprüchen wurde das Urteil im März 2003 rechtskräftig. „Ich fand die Idee gut, dass sie mich in Ruhe lässt, aber ich wollte nichts damit zu tun haben“, so der Ex-Mann. 1997 wurden die Plater-Täter zu lebenslanger Haft beziehungsweise zu sieben Jahren Jugendhaft verurteilt. Doch beide schwiegen lange, wollten den Mittelsmann nicht preisgeben.

Die weiteren Ermittlungen im Krösnitz-Fall und die Suche nach dem Mittelsmann waren mühsam. 2009 konnte endlich der Schütze von der Halbinsel gefasst werden. Sein Komplize war kurz nach der Tat bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. 2013 wurde er zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Auftraggeber, der Spielhallen-Besitzer, war nach einem Schlaganfall verhandlungsunfähig.

Im selben Jahr konnte dann auch der mutmaßliche Mittelsmann entlarvt werden. Die Beamten stellten fest, dass er offenbar in beide Fälle verwickelt und ein guter Bekannter des Fahrlehrers aus Plate war. Verurteilt ist er aber noch nicht. Der Prozess ist auch mehr als 20 Jahre nach den spektakulären Mordversuchen noch nicht beendet.

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