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Schweriner Schulgeschichte : Auf Zeitreise in die Landschule

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue Ausstellung im Volkskundemuseum Mueß zeigt, wie vor mehr als 100 Jahren Lesen, Rechnen und der Katechismus gelehrt wurden

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 23:56 Uhr

Ein Lehrerstuhl, Schulbänke, eine Holztafel, eine Rechenmaschine, eine Palästinakarte, das Porträt des Großherzogs, ein Zeigestock, eine Geige, ein Globus und ein Spucknapf: So sah der Standard aus bei der Einrichtung eines Klassenzimmers 1836. Und genau diesen Standard erleben Besucher in der Dorfschule des Mueßer Volkskundemuseums noch heute.

Der historische Klassenraum wurde in den 70er-Jahren rekonstruiert, ganz neu ist seit gestern die Dauerausstellung im Nebenraum. Er ist gestaltet mit modernen Tafeln, Fotos, spannenden Texten und Anschauungsstücken wie Pionieraufsätzen, ausgestopften Eichhörnchen und vielem mehr – und lädt ein zur kurzweiligen Reise durch die Schulgeschichte. An deren Ende die Erkenntnis steht: Lehrer hattens auch früher nicht leicht.

Wie schon die Ausstellung zur Binnenfischerei hat auch diese neue Schau das Schweriner Büro „Fachwerkler“ ausgearbeitet. Dafür gab es bei der Eröffnung gestern Nachmittag viel Applaus. Nicht nur geladene Gäste waren gekommen, auch Vorschulkinder aus dem Ort sowie ehemalige Schüler, die in den 50er-Jahren hier das Alphabet erlernten. Die Mueßer Schule schloss erst 1976, schon zwei Jahre später wurde aus ihr ein Museum.

Dass früher eben nicht alles schöner und besser war, darüber berichtete Museumsleiterin Gesine Kröhnert. Die erste Mueßer Landschule wurde 1720 eröffnet in einem düsteren Haus nahe dem Hirtenkaten. 50 bis 80 Schüler wurden von einem Lehrer unterrichtet, der keine pädagogische Ausbildung hatte. „Zumeist waren es Handwerker oder Küster, denn Schule war Sache der Kirche“, berichtet Kröhnert. Bis 1777 galt in Mecklenburg die Winterschule, im Sommer wurden die Kinder als Arbeitskräfte für Hof-, Haus- oder Hütedienste gebraucht.

1836 wurde die Schule gebaut, die wir heute kennen, massiv, mit Reetdach, Holzfußboden und einem Ofen in der Schulstube. 1910 kam elektrischer Strom dazu. Oben wohnte der Lehrer, der den großen Teil seines Einkommens aus den Erträgen der Schulländerei bestritt. Während die Kinder im Klassenzimmer Aufgaben machten, arbeitete ihr Lehrer oft draußen, erzählt Gesine Kröhnert. Und so sah das Mindesteinkommen eines Landschullehrers aus: Er erhielt eine freie Wohnung, 0,22 Hektar Gartenland und Feuerholz, Weide für eine Kuh, ein bis zwei Schweine und einige Gänse, Winterfutter für eine Kuh, 24 Scheffel Roggen und 12 Scheffel Gerste. Der „Schulschilling“ pro Kind betrug 12 Pfennig. Rechnen zu lernen, kostete zusätzlich ein bis zwei Schilling wöchentlich. Die Schulzeit betrug acht Jahre. Arme Kinder durften mit elf Jahren den „Dienstschein“ erwerben, mussten dazu eine Prüfung in Katechismus, Rechnen und Lesen bestehen.

Die Schul-Ausstellung im Volkskundemuseum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.

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