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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 19:11 Uhr

Kultur in Schwerin : Auf neuen Wegen zur Kunst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Museumsführung inklusive: Menschen mit Handicap stellen Gemälde Alter Meister aus ihrer Sicht vor

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 08:00 Uhr

„Hemmschwellen vor dem Museumsbesuch gibt es noch immer bei vielen Menschen, weil sie glauben, die Kunst großer Meister nicht zu verstehen“, sagt Marita Arnaschus-Krüger. „Das wollen wir ändern. Und zwar durch spezielle Führungen im Staatlichen Museum.“ Die sollen kein Abklatsch von Expertenvorträgen sein, sondern werden einfach und leicht verständlich sein und mit einer persönlichen Note versehen, erklärt die Mitarbeiterin vom Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow. Denn das Besondere dieser Führungen ist: Sie werden von Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung durchgeführt. Premiere haben die „neuen Wege zur Kunst“ bei der Schweriner Kulturnacht am morgigen Sonnabend.

Das Projekt ist eine Kooperation des Museum mit dem Netzwerk Capito MV und der Lebenshilfe. Ziel ist, neue Besucherklientel für das Museum zu erschließen und Menschen mit Handicap den gleichberechtigten Zugang zu Kunst zu ermöglichen. „Wir wollen ihnen eine Stimme geben“, sagt Nils Wöbke von Capito MV.

Seit etwa einem halben Jahr bereiten sich sechs Männer mit Handicap oder psychischer Beeinträchtigung auf die neue Aufgabe vor. Sie haben sich freiwillig für das Projekt gemeldet und sich sehr intensiv mit ihrer neuen Rolle beschäftigt. Stimmübungen, Mimik und Gestik entwickeln, Sicherheit beim Auftritt üben – das Programm war sehr intensiv. „Oft standen uns die Schweißperlen im Gesicht“, erzählt Marita Arnaschus-Krüger.

Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie die Generalprobe gestern zeigte: Maik Penning hatte sich das größte Gemälde des Museums ausgesucht: Oudrys Bild vom Nashorn Clara. Er erzählte sicher, klar und unterhaltsam, wie das Tier nach Europa gekommen war. Dafür nutzte er eine Karte, die er speziell angefertigt hatte. Er erklärte er, wann, wo und für wen Jean Baptiste Oudry das Bild malte. Mit einer Videoeinspielung von einem Besuch im Zoo erläuterte er die Unterschiede der Nashornrassen und beantwortete schließlich noch souverän Fragen. Jörg Hübner erklärte vor dem Gemälde „Lot und seine Töchter“, warum es sich aus seiner Sicht lohne, das Bild genauer zu betrachten. Er erläuterte den biblischen Zusammenhang und las die Passagen aus der Bibel. Felix Jedlink nahm ein Instrument zur Unterstützung seines Vortrages zur Hand: Mit einer selbst gebauten Panföte untermalte er seinen Vortrag. Wie persönliche Schicksale mit Bildern verknüpft werden können, zeigte Torsten Callies. Der ehemalige NVA-Offizier war nach dem Ende der DDR in eine tiefe Depression gefallen. So erschöpft etwa, wie „Der Mann mit dem Goldhelm“ von Carel Fabricius – eines der bedeutendsten Werke der Sammlung. Zu erleben sind die Führungen in der Kulturnacht am Sonnabend um 20, 21.30 und 23 Uhr.

 

 

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