Schwerins Jugend : Auf Insel zurück ins Leben finden

Sozialarbeiter Tino Jablonski arbeitet seit sechs Jahren auf Kaninchenwerder. In dem Fachwerkhaus gibt es eine Gaststätte und eine Backstube. Ein Angebot für Inselbesucher und zugleich ein Betätigungsfeld für junge Erwachsene, die der 36-Jährige hier betreut.
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Sozialarbeiter Tino Jablonski arbeitet seit sechs Jahren auf Kaninchenwerder. In dem Fachwerkhaus gibt es eine Gaststätte und eine Backstube. Ein Angebot für Inselbesucher und zugleich ein Betätigungsfeld für junge Erwachsene, die der 36-Jährige hier betreut.

Kaninchenwerder: Verbund für Soziale Projekte und Jugendwerk „Die Insel“ geben gestrandeten jungen Menschen eine neue Chance

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01. August 2016, 12:00 Uhr

Es ist ein einzigartiger Ort – Kaninchenwerder. „Es ist das ältestes Naturschutzgebiet Deutschlands“, sagt Tino Jablonski. Seit sechs Jahren arbeitet er für den Verbund für Soziale Projekte (VSP) auf der Insel. Dort versuchen das Jugendwerk „Die Insel“ und der VSP den Spagat zwischen Tourismus und sozialer Arbeit mit gestrandeten Jugendlichen zu meistern. Ein steiniger Weg, auf dem kleine Fortschritte für Tino Jablonski schon ein Erfolg sind. „Insel der Chancen“ heißt das Projekt.

Die Teilnehmer kämen aus schwierigen Verhältnissen. Drogen und Alkohol gehörten dazu. „Nicht bei jedem. Jeder Fall ist anders. Wir holen die Jugendlichen da ab, wo sie gerade stehen“, erklärt der Sozialarbeiter. Viele hätten weder einen Schulabschluss, geschweige denn eine Ausbildung, erzählt Jablonski. Ziel des Projektes sei es, zumindest einen Teil der Jugendlichen in Arbeit zu bringen.

Am Vormittag setzt er auf einem kleinen Boot mit den jungen Erwachsenen nach Kaninchenwerder über. „Wenn sie denn da sind. Es kommt auch mal vor, dass ich sie von zu Hause abholen muss“, so der 36-Jährige. Wieder Struktur ins Leben der Teilnehmer zu bringen, ihnen kleine Erfolgserlebnisse zu verschaffen – vieles gehe nur in kleinen Schritten. „Wir wollen ihnen ja nicht das Gefühl vermitteln, dass sie hier eingesperrt sind“, sagt Jablonski.

Das Besondere auf Kaninchenwerder: Der Ort soll touristisch weiterentwickelt werden, unter dem Gesichtspunkt, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Die jungen Leute werden dabei mit eingebunden. So wurden in den zurückliegenden Jahren das Fachwerkhaus teilweise saniert, dort hat eine Gaststätte für Inselbesucher geöffnet, Betten für kleine Besuchergruppen stehen bereit, es gibt einen Spielplatz, im Keller einen Backofen, in dem Kindergruppen selbst Brot backen können. „Natürlich wäre es schön, wenn das Haus grundhaft saniert werden würde. Aber dafür fehlt das Geld“, sagt der Schweriner. Die Projektteilnehmer kümmerten sich zum Beispiel um die Pflege der Grünanlagen, helfen auch in der Gastronomie. Außerdem gibt es einen Garten mit einer Kräuterspirale.

Wenn die jungen Leute sagen, sie kommen gerne auf die Insel, weil es besser sei, als zu Hause rumzusitzen, sei ein erster Schritt getan, zeigt Tino Jablonski kleine Fortschritte auf. Am Ende stehe aber immer das Ziel, die 18- bis 35-Jährigen in ein Praktikum zu vermitteln. Die gestiegene Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach Mitarbeitern komme dem Projekt entgegen. Auf der anderen Seite hätten die jungen Leute oftmals keine Vorstellung von den Berufen, sagt Jablonski. „Deshalb bieten wir sowohl den Arbeitgebern, als auch den Projektteilnehmern nach ihrer Zeit auf der Insel weiterhin unsere Hilfe an.“

Erfolgsquoten und vor allem Erfolgsgarantien gibt es keine, aber doch die eine oder andere Rückmeldung von Teilnehmern. „Erst vor einigen Tagen hat mich einer von ihnen angerufen. Er ist mit seiner Freundin hier weggezogen, arbeitet für eine Firma, die Photovoltaikanlagen auf Dächer montiert. Seit fünf Jahren ist er dabei“, erzählt Tino Jablonski.

Noch bis 2019 dauert der derzeitige Projektzeitraum. Und so bleibt Kaninchenwerder eine „Insel der Chancen“. Wie viele diese nutzen, das wird die Zeit zeigen müssen.

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