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Leidenschaftliche Gästeführerin : Auf herzoglichen Spuren im Park

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Renate Ruhsbült führt Besucher durch das Schlossareal und erzählt Interessantes aus dem Leben von Johann Albrecht

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 23:40 Uhr

Auf dem Schlossareal in Wiligrad kennt sich Renate Ruhsbült aus. „Hier, an diesem Rosengitter werden 24 Kletterrosen gepflanzt. Vorwiegend weiße und rote“, erzählt sie. „Davor setzen die Gärtner Berberitze-Hecken. Sie sollen das Wild davor abhalten, die Rosen anzuknabbern.“ Mit diesen und anderen Details von der Neugestaltung des Schlossparks hat sie sich vertraut gemacht. Das müsse sie als Gästeführerin auch. Seit gut einem Jahr bietet Renate Ruhsbült, in Bad Kleinen zu Hause, Führungen durch den Park an. „Nicht nur ich“, betont sie sofort. „Auch andere Mitglieder der Interessengemeinschaft Schlossensemble Wiligrad.“ Sie ist die Vorsitzende. „Uns liegt daran, die Geschichte der Gebäude und des Parks anderen nahe zu bringen. Denn ob Schloss, Waldhaus, Marstall, Remise, Gärtnerei oder Maschinenhaus – sie können viel erzählen“, so die 64-Jährige.

Um in die Geschichte von Wiligrad einzutauchen, hat Renate Ruhsbült im Landeshauptarchiv viele Stunden verbracht, ebenso in der Landesbibliothek. Und dabei oft Spannendes entdeckt. Zum Beispiel das Menü-Buch von Herzog Johann Albrecht. „Der Koch hatte darin handschriftlich einige Essgewohnheiten seines Herrn notiert. Was der Herzog besonders gerne isst zum Beispiel.“ Nämlich kalten Braten zum Frühstück oder auch Omelett mit Tomatenpüree. Mit solchen Details spickt sie bei den Rundgängen ihre Ausführungen. Zu viel Zahlen und Fakten, das weiß die 64-Jährige, verwirren viele Besucher nur.

Um Gästeführerin zu werden, hat die ehemalige Sparkassen-Leiterin mehrere Lehrgänge der IHK in Stralsund absolviert. So ist sie fachlich gerüstet für Führungen durch Parks, durch Schlösser und in Kirchen. Dass sie Rundgänge durch den Wiligrader Schlosspark anbietet, hat mit ihrer Familiengeschichte zu tun. „Als die Familie meiner Mutter nach 1945 von Schlesien nach Mecklenburg kam, hatte meine Mutter ihre erste Anstellung in der Landesparteischule in Wiligrad – als Büroangestellte. Das erste eigene Zimmer meiner Mutter war im Bedienstetenhaus unterm Dach.“ Daher habe es nahe gelegen, dass sie sich mit dem Ort näher beschäftige. Denn als Renate Ruhsbült mit 58 Jahren aus dem Berufsleben ausschied, hatten ihre Mitarbeiter gefragt, was sie nun machen wolle. Keiner konnte sich so recht vorstellen, dass ihr Rentnerleben mit Haus, Hof und Garten ausgefüllt ist. „Ich brauchte eine neue Aufgabe. Und die habe ich in Wiligrad gefunden.“

Die Interessengemeinschaft, die sie vor einem Jahr mit Gleichgesinnten gründete, bietet thematische Führungen an. Sie seien mal sehr gut, mal weniger gut besucht, sagt die Bad Kleinerin. Die jüngste Wanderung wäre hervorragend besucht gewesen. Kulturgeschichtliches komme an, meint sie. „Ich freue mich, wenn Gäste von sich aus kommen und sogar alte Schätze wie Briefe oder Haarlocken des Herzogs zeigen und stolz darauf sind, was sie in ihren Schränkchen aufbewahren.“ Mehrfach in der Woche ist Renate Ruhsbült in Wiligrad. „Mich zwingt keiner, das zu tun. Ich mache es freiwillig und unentgeltlich . Es macht mir Spaß. Und wenn es den Gästen auch gefällt, freut es mich umso mehr.“ Da passt es gut, dass ihr Mann Harry sich um die technischen Sachen kümmert. Etwa Schlüssel besorgt, den Weg vorher abgeht, oder mal Regenschirme verteilt.

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