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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 16:00 Uhr

Sehnsucht : Auf Flucht von Kindern getrennt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Somalierin Nawaal Muumin Isaxaaps möchte ihre Familie in Sicherheit in Schwerin wieder vereinen

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Vermisst Nawaal Muumin Isaxaap ihr Heimatland? „Das Somalia, das ich verlassen habe, ist voller Zerstörung und Gewalt. Es ist nicht sicher. Und es ist nicht mehr das Land aus meinen Kindheitserinnerungen. Es ist nicht mehr das Land mit den schönen Landschaften und wilden Tieren.“ Deshalb hat sie ihr Land verlassen. Die Flucht trennte sie von ihren Kindern. Heute setzt die Mutter alles daran, ihre Familie in Schwerin wieder zu vereinen.

Auf der Flucht vor dem seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg in Somalia durchlebte die 38-jährige eine Odyssee. Sie versuchte zunächst zusammen mit ihrer Familie in den Jemen zu gelangen. Auf dem Weg dorthin wurde sie allerdings von Mann und Kindern getrennt. Auf sich allein gestellt, kontaktierte Isaxaap ihre Mutter, die zusammen mit der Schwester nach England geflohen war. „Sie besorgten mir einen Pass und einen Flug von Somalias Hauptstadt Mogadischu in die Türkei. Zusammen mit Flüchtlingen aller möglichen Nationen versteckte ich mich dort gut einen Monat in einem Hotel, bevor ich zusammen mit 20 anderen Flüchtlingen per Boot nach Griechenland gelangte“, schildert die Somalierin ihre abenteuerliche Flucht.

Über Umwege schaffte sie es anschließend bis Norditalien, wo sie von den Behörden per Zug nach München geschickt wurde. Auch dort konnte sie nicht bleiben. Nächste Station war die Erstaufnahmestelle des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Horst. Es dauerte weitere drei Monate, bis sie eine kleine Wohnung bekam. Seit 2013 lebt sie nun in Schwerin und arbeitet als Putzfrau.

„Eine Arbeitsstelle zu bekommen war trotz meiner offiziellen Arbeitserlaubnis schwieriger als gedacht“, so die Muslima. „Niemand wollte eine Frau mit Kopftuch einstellen. Das kann ich bis heute nicht verstehen.“ Erst über eine deutsche Freundin, die sich für die arbeitseifrige Somalierin einsetzte, fand sie eine Anstellung.

Trotz dieser Schwierigkeiten hat Nawaal Muumin Isaxaaps ein durchweg positives Bild von Deutschland. „Ich bin vor allem dankbar für die Unterstützung der deutschen Behörden, die es mir auch mit finanzieller Hilfe ermöglichten, hier Fuß zu fassen.“ Auf der anderen Seite sei sie froh, endlich selber Geld verdienen zu können. Schwerin mag die 38-Jährige vor allem wegen seiner Größe. „Alles ist hier schnell zu erreichen und nicht zu überfüllt mit Menschen.“

Obwohl sie schon gut Deutsch spricht, hadert sie mit ihren Fertigkeiten. Gespräche zu führen falle ihr auch nach zwei Sprachkursen schwer. „Der Unterricht ist oft zu schnell gewesen oder hat mich auf Grund der vielen Kursteilnehmer aus unterschiedlichen Nationalitäten verwirrt.“ Da helfe nur das tägliche Üben auf der Arbeit und zu Hause.

Die aktuellen Bilder von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten erinnern sie an ihre eigene Flucht. Niemand sollte seine Heimat verlassen müssen, findet die 38-Jährige. „Über den Krieg in Syrien wird die Öffentlichkeit aber wenigstens durch Bilder aufmerksam, so dass internationale Hilfe möglich ist“, gibt die Somalierin zu bedenken. Aus Somalia dagegen erfährt man wenig. Reporter ohne Grenzen e.V. zählt Somalia für Journalisten zu den gefährlichsten Ländern der Welt. Die islamistische Schabab-Miliz lasse nur Propaganda zu. Seit 2014 ist sogar die Nutzung des Internets verboten.

Ihre ganze Sehnsucht gilt ihren Kindern, die inzwischen 7, 10 und 12 Jahre alt sind. Seit mehr als fünf Jahren sind sie getrennt. Die Kinder leben mittlerweile einzeln untergebracht bei verschiedenen Pflegefamilien im Nachbarland Kenia. Bemühungen, sie zu sich zu holen, scheiterten bisher. Nun soll ein DNA-Test den Behörden vor Ort beweisen, dass es sich auch wirklich um ihre Kinder handelt. Erst danach können weitere Schritte unternommen werden. Sie hofft, dass ihre Kinder eines Tages die Möglichkeit bekommen, in Deutschland zur Schule zu gehen. „Dafür lohnt es sich zu kämpfen“, sagt die 38-Jährige entschlossen.

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