Schwerin : Auf der Reise zu sich selbst

Für Heike Homp und Nadine Köhler ist Buddhismus ein tiefes Lebensgefühl, das sie an sich selber wachsen lässt.
Für Heike Homp und Nadine Köhler ist Buddhismus ein tiefes Lebensgefühl, das sie an sich selber wachsen lässt.

Für Heike Homp und Nadine Köhler ist Buddhismus keine Zauberei, sondern die Suche nach mehr Weisheit, Mitgefühl und Lebenskraft

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19. November 2018, 12:00 Uhr

Die Kerzenflamme auf dem kleinen Schrein flackert nur unmerklich, als Heike Homp anfängt zu chanten. Es ist eine Art Rezitationsgesang, dessen mantrisches Wesen tief aus dem Innersten ihres Körpers zu kommen scheint. Vor der 55-Jährigen, die auf einem runden Kissen sitzt, hängt eine kleine Schriftrolle mit japanischen Schriftzeichen. Selbst die Luft im Raum vibriert.

„Chanten ist wie das Auffüllen einer Batterie“, sagt die gebürtige Schwerinerin, die sich seit 1993 mit dieser fernöstlichen Geisteshaltung befasst. Der zentrale Punkt im Buddhismus von Nichiren Daishonin, den sie praktiziere, sei die Rezitation von Nam-Myoho-Renge-Kyo mittels einer Schriftrolle, die Gohonzon genannt wird. Es gehe um die Verehrung des Lotos-Sutras, erklärt die Fotografin. Ihre Freundin und Gleichgesinnte Nadine Köhler ergänzt: „Der Buddhismus zeigt mir, dass es etwas geben kann, das uns alle verbindet.Das Praktizieren keine Zauberei, sondern die Suche nach mehr Weisheit, Mitgefühl und Lebenskraft ist“ Sie setzt sich seit 2002 regelmäßig aufs Kissen, vornehmlich morgens und abends. „Wir sind derzeit 12 Frauen, die sich einmal die Woche treffen.“ Männer seien zwar gern gesehen, auf Dauer geblieben wären sie bisher jedoch nicht.Eine weitere zentrale Aktivität sei die einmal monatlich stattfindende Gästeversammlung.

„Sie bietet Mitgliedern und Besuchern die Möglichkeit, ihre Erfahrungen im Glauben auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen“, betont die 41-Jährige, die die 2500 Jahre alte Lehre nicht bewußt gesucht habe. „Sie hat mich gefunden.“

Dass die buddhistische Praxis viel Eigeninitiative verlange, bestätigen beide Frauen. „Unsere Mitglieder engagieren sich in allen Bereichen der Gesellschaft mit dem Ziel, eine bessere Welt zu gestalten“, erklärt Heike Homp, die nach Weisheit, Erkenntnis, Mitgefühl und Mut strebe. Ihr Buddhismus sei sehr alltagstauglich, sagt sie, die nach einer Lebenskrise empfänglich gewesen sei für die Ansichten eines japanischen Priesters aus dem 13. Jahrhundert, für den das Lotos-Sutra der vollkommenste Ausdruck der Lehre des Mitgefühls von Shakyamuni war.
„Zu rezitieren ermöglicht mir, mein verborgenes Potential zu enthüllen. Das Leben ist immer mit Schwierigkeiten verbunden. Sie zu überwinden bedeutet auch an sich selbst zu wachsen. Erleuchtet zu werden. Also zu verstehen, dass ein universelles Gesetz, das Darma existiert, und alles einschließt.“ Den inneren Spiegel zu polieren, um das Leben klarer und mitfühlender zu sehen, sei das Ziel. „Das Außen ist ein Spiegel des Inneren. Es geht einzig und allein darum, den Frieden in sich selbst zu suchen. Der Mangel an Demut, wie wir ihn heutzutage erleben, ist doch die Wurzel allen Übels. Unzufriedenheit vergiftet die Seele. Wir sehen immer nur das, was wir nicht haben, statt uns über das zu freuen, was wir besitzen.“

Jeder Mensch entscheide doch selber, auf was er seinen Fokus lege, sagt Nadine Köhler, die als Physiotherapeutin arbeitet. „Und so manches Mal hilft es tatsächlich, sich mit gelebter Dankbarkeit aus einem Tief zu holen.“ Sie sei der festen Überzeugung, dass es inmitten von Krisen, Krankheiten und negativen Gedanken auch immer ein Geschenk gäbe. „Ich persönlich liebe es an mir zu wachsen, auch wenn die Auslöser mitunter schmerzhaft sein können“, gesteht die gebürtige Schwerinerin. Deren Lebensweg einst die Amerikanerin Stacy Thunes kreuzte. Sie hat vor einem Vierteljahrhundert in der Landeshauptstadt den Weg zum Buddhismus geebnet.

„Sie hat uns die Augen geöffnet, um zu verstehen, dass sich die Lehre von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz verbreitet“, erinnert sich Heike Homp: „Diese innere Reise zu mir selbst gibt mir unglaublich viel Lebenskraft.“

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